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Darum ist es gut, dass Newtopia vorbei ist

Aus für TV-Show Darum ist es gut, dass Newtopia vorbei ist

Vollmundig hat Sat.1 Anfang dieses Jahres die Revolution des Fernsehens versprochen, von einem völlig neuartigen TV-Experiment war die Rede. Herausgekommen ist öde und öberflächliche TV-Unterhaltung, die ihre Zuschauer nicht ernst nimmt. Endlich ist es vorbei - ein Kommentar.

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Ex-Pionier kämpft um die Newtopia-Kühe
Quelle: Sat.1

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne - schon das hat bei Newtopia nicht gestimmt. Der Start Ende Februar war öde TV-Unterhaltung. In einer 60-minüten Auftaktsendung, die gefühlt Stunden dauerte, wurden die Kandidaten im üblichen TV-Sprech mit Alliterationen und Sensationen vorgestellt. Das war - langweilig.

Dabei war die Ankündigung von Sat.1 vollmundig und vielversprechend. Auf einer Brachfläche im Speckgürtel Berlins sollten die Kandidaten - ausgestattet mit ein wenig Geld, ein paar Tieren und einer selbstgewählten Grundausstattung - eine neue Gemeinschaft aufbauen. Mit allem, was dazu gehört. Klingt eigentlich gut. Ein philosophischer Unterbau und Fernsehunterhaltung, das könnte funktionieren.

TV-Sternchen, Gernegrößen und verpeilte Gescheiterte

Tat es aber nicht. Sat.1 machte eine verquaste Show daraus. Mit Kandidaten, die wenig Interesse an Philosophie oder Gemeinschaft, sondern vielmehr an Aufmerksamkeit hatten. Im Outdoor-TV-Studio in Zeesen sammelten sich kleine TV-Sternchen, Gernegrößen und verpeilte Gescheiterte. Und die führten oberflächliche Gespräche über oberflächliche Themen - Gemeinschaft, was ist das, wie funktioniert das, was ist wichtig? All das spielte kaum eine Rolle. Die Kandidaten langweilten sich und bauten sich nichts auf.

Produzenten raubten der Sendung den letzten Funken Authentizität

Irgendwann schienen auch die Produzenten zu merken, dass sie Langeweile pur produzieren. Deswegen modifizierten sie das TV-Experiment, gaben den Kandidaten Anweisungen, was sie tun und nicht tun sollten. So raubten sie der Sendung auch den letzten Funken Authentizität. Die Ironie des Ganzen: Es flog nur deswegen auf, weil Newtopia im Internet-Livestream 24 Stunden beobachtet werden konnte. Das es tatsächlich Zuschauer gibt, die den Livestream verfolgen und an das Konzept der Echtheit glauben, schien Sat.1 nicht auf der Rechnung zu haben.

Tatsächlich schrien die Zuschauer laut auf, als der Stream abgeschaltet wurde oder Regieanweisungen zu sehen waren. Es war das Eingeständnis von Sat.1: Die Zuschauer sind uns egal. Genau deswegen ist es gut, dass es nun eine zynische Fernsehsendung weniger gibt.

Von Christian Meyer

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