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Nach „Newtopia“ ist vor dem „Dschungelcamp“

Schöne neue Fernsehwelt: von „Newtopia“ bis Big Brother Nach „Newtopia“ ist vor dem „Dschungelcamp“

„Newtopia“ ist vorbei, das „Dschungelcamp“ steht uns bevor. Oh nein. Auf dem abgeschiedenen Bauernhof in Brandenburg hatte der eine oder andere Teilnehmer gelegentlich noch etwas Philosophisches gesagt – vorbei. Jetzt geht es weiter mit dem Dschungelcamp. Ob es da besser wird?

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Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam.  Es war ein hochtrabender Titel, der Sender hatte es nicht kleiner. „Newtopia“ nannte Sat.1 seinen Versuch, im Reality-TV-Format nichts Geringeres zu erproben als eine neue Gesellschaftsordnung. Ein Jahr lang sollten 15 Menschen abgeschnitten vom Rest der Welt zurück zu den Wurzeln finden, sich im Einklang mit der Natur selbst versorgen, sich auf die Grundzüge ihres Menschseins besinnen. 105 Kameras und 57 Mikrofone waren rund um die Uhr auf sie gerichtet. Die Landkommune richtete sich ein auf einem abgeschirmten Gelände in den Wäldern Brandenburgs bei Königs Wusterhausen.

Doch nun lief in der vergangenen Woche schon die letzte Folge – noch vor der geplanten Halbzeit: Die Einschaltquoten waren einfach zu schwach. Das stolze Projekt endete mit der traurigen Versteigerung von Requisiten, etwa der Bierflasche von „Vaddi“, der einer der ersten Bewohner war. Der Erlös ging an einen Kinderhilfsverein.

Utopie: Das klingt schick, experimentell, zukunftsgewandt. Doch der von Thomas Morus im 16. Jahrhundert geprägte Begriff wurde hier von Anfang an für eine Mogelpackung missbraucht. Den Fernsehproduzenten genügte es, ein Biotop zu schaffen für Intrigen, sündige Eskapaden („Der erste Oralsex im Camp!“) und Lästerei („Die Raucher verbrauchen unser ganzes Geld!“).

Was Deutschlands Privatsender zeigen, sind leider immer wieder Dystopien (griechisch für: schlechte Orte). Am Freitag dieser Woche werden 27 Kandidaten nach dem Motto „Ich bin ein Star – Lasst mich wieder rein“ das erste Sommer-Dschungelcamp bei RTL beziehen. Am 14. August startet die dritte Staffel von „Promi Big Brother“ bei Sat.1. Das Big-Brother-Original für Normalos zeigt ab Herbst der Sender Sixx. Das Futuristische erschöpft sich im Technischen; wie in George Orwells Roman „1984“ ist stets ein High-Tech-Kameraauge dabei. Die stereotypen Rollenrituale indessen (Zicke contra Gemeinschaft, Gezänk um Essensrationen) wirken ziemlich retro.

Fehlt uns die Fantasie? Statt einer schönen neuen Welt ist im Fernsehen eine hässliche alte Welt zu sehen. Und das Schlimmste daran ist: Das Publikum ist selbst schuld. Seine Vorlieben und Abneigungen wurden längst akribisch vermessen und – in Echtzeit – massenhaft elektronisch ausgewertet.

Wenn, wie zuletzt bei „Newtopia“, die sogenannten Bruttowerbeumsätze um 50 Prozent einknicken, ist auch jede Niveaudebatte zu Ende. Auf dem abgeschiedenen Bauernhof in Brandenburg hatte der eine oder andere Teilnehmer gelegentlich noch etwas Philosophisches gesagt – vorbei. Jetzt geht es weiter mit dem Dschungelcamp. Mit der voyeuristischen Lust des Publikums an Streit und Zwietracht lässt sich im Zweifel mehr Aufmerksamkeit generieren und eine höhere Quote. Das schöne neue Fernsehen bleibt Utopie.

Von Nina May

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