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Das waren die peinlichsten Newtopia-Momente

Sat.1-Sendung endet am 24. Juli Das waren die peinlichsten Newtopia-Momente

Eine neue Welt sollte es werden - doch nach 154 Tagen gibt Sat.1 den "Weltuntergang" bekannt und beendet das TV-Experiment Newtopia vorzeitig. Schon seit einigen Wochen wurde mit dem Quotensinkflug auch das Ende der Sendung von Fans befürchtet. Die MAZ blickt auf die peinlichsten Momente der Sendung zurück.

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Nun ist es offiziell: Das TV-Experiment wird eingestellt.

Quelle: Sat.1

Einzug in ein neues Paradies - und Auszug wegen Liebeskummer

Am 23. Februar ist es soweit: Der TV-Sender Sat.1 gibt den Startschuss für eine neue Gesellschaft. "Newtopia" wird aufgebaut. 15 Kandidaten ziehen ein und sollen zusammen eine neue Form der Gemeinschaft kreieren. Der Sender selbst spricht vom größten TV-Experiment aller Zeiten. Auf einem Gelände in Zeesen, nahe bei Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald), sollen die Pioniere ein neues Leben beginnen. Newtopia-Erfinder John de Mol garantiert den Zuschauern "die purste Form von Reality". Und er verspricht: es wird nicht von außen in die Show eingegriffen - die Kandidaten bleiben sich selbst überlassen. 2,8 Millionen Zuschauer schalten zur Premiere ein.

Doch der Traum von einer neuen Welt ist für Kandidat Lenny bereits nach wenigen Stunden ausgeträumt. Er vergießt wenige Stunden nach dem Einzug bittere Tränen wegen der Trennung von seiner Freundin. Der 29-jährige Student aus Essen hatte sich kurz vor dem Newtopia-Projekt frisch verliebt. Ein Jahr ohne seine Freundin - das wollte er dann wohl doch nicht riskieren. Also packt er seine Sachen und verlässt das Camp bereits kurz nach dem Einzug.

Erste Fake-Vorwürfe nach zwei Wochen

Immer wieder kommt es bei "Newtopia" scheinbar zufällig zu Situationen, die fürs Fernsehen wie gemacht sind. In sozialen Netzwerken tauchen erste Gerüchte auf, die Show werde nach einem Drehbuch gestaltet. Auch das Sat.1 gezielt Schauspieler für das Format gecastet und gesucht hat, wird vermutet. Verärgert zeigen sich die Fans der Sendung auch vom Livestream der Sendung im Internet. Dieser wird immer wieder zwischenzeitlich abgeschaltet. Während der Sender alle Vorwürfe zurückweist und sich auf "technische Probleme" beruft, vermuten die Zuschauer geheime Absprachen der Produzenten mit den Kandidaten. Um möglichen Anfeindungen in den sozialen Netzwerken zu entgehen, deaktivieren die Verantwortlichen von Sat.1 vorübergehend die Kommentar-Funktion auf der Facebook-Seite von Newtopia - und werden prompt Opfer eines riesigen Shitstorms im Internet.

Auch zu Ostern machen sich die TV-Macher nicht gerade beliebt bei den Fans der Sendung: Zu einem Osterbasar, den die Pioniere organisiert haben und mit dem sie ihre leeren Kassen füllen wollen, sollen Gäste von außerhalb auf das Gelände kommen. Doch viele Besucher werden vor der Tür abgewiesen, kaum einer wird auf das Gelände gelassen. Zu allem Überfluss hat die Sendung mit rasant sinkenden Einschaltquoten zu kämpfen. Und Besserung ist nicht in Sicht.

Nackte Tatsachen - und die nackte Wahrheit

Um der fallenden Quoten entgegenzuwirken, lässt Sat.1 Anfang April kurzfristig die Hüllen der Bewohner fallen: Für ein Modelabel veranstalten die Kandidaten ein nächtliches Nackt-Fotoshooting. Peinlich braucht ihnen der Auftritt in spärlicher Bekleidung jedoch kaum zu sein. Denn trotz der nackten Tatsachen schalten immer weniger Menschen ein. Die Quote ist weiter im Sinkflug. Es wird sogar erstmals über eine Absetzung des TV-Formats spekuliert.

Doch es kommt noch schlimmer für den Sender: Eine Mitarbeiterin der Produktionsfirma Talpa kommt nachts in die "Newtopia"-Scheune und versammelt die Pioniere zu einem klärenden Gespräch. Sie klagt über großen Druck seitens der Zuschauer, die sie "Junkies" nennt, und des Senders. Um die Spannung zu erhöhen, habe man sich schon einige Pläne für die Bewohner ausgedacht. Ein Restaurant zu eröffnen, das sei auch der Wunsch von „Newtopia“-Erfinder John de Mol, sagt die Mitarbeiterin. Was sie nicht ahnt: Die Regie hat die 360-Grad-Kamera vergessen, das nächtliche Meeting flimmert über den Livestream. Es beweist: Die Bewohner handeln nach Anweisungen der Produktionsleitung.

Zwar entschuldigt sich der Sender kurz darauf per Twitter bei den Zuschauern für diese "Panne", doch der Ruf der Sendung ist nun vollends ruiniert. Satt "Newtopia" ist nun "Faketopia" in aller Munde.

Erst Sex im Bauwagen, dann Ärger mit der Security

Sat.1 will nach der "Faketopia"-Affäre das Ruder herumreißen und quartiert drei neue Damen im Camp ein. Kaum drin, lässt Neuzugang Vicky auch gleich mal Alt-Hippie Candy ran. Das sexuelle Abenteuer im Bauwagen lässt Sat.1 über den Livestream laufen - doch der Plan ("Sex sells") geht nicht auf, die meisten Zuschauer empfinden die Szenen als abstoßend.

Kurz darauf ist das TV-Experiment für den notgeilen Candy vorbei. Nach üblen Beleidigungen und Handgreiflichkeiten wird der TV-Pionier von der Security abgeführt.

Kult-Hippie kommt zu Besuch - und leitet das Ende der Sendung ein

Mit einem C-Promi will Sat.1 im Mai schließlich nach dem letzten Strohhalm greifen, um die Sendung doch noch zu einem Erfolg zu machen: Kult-Hippie Rainer Langhans stattet Newtopia einen Besuch ab. Doch die Symbolfigur für die 68er-Bewegung, die in der legendären Kommune I in Berlin lebte und der selbst Uschi Obermeier nicht widerstehen konnte, hält es keine 24 Stunden in dem TV-Camp aus. Sein Fazit knallt er den Pionieren unverblümt vor den Latz: "Ihr seid gescheitert, die Leute wollen Newtopia nicht sehen". Die Einschaltquoten sind so tief wie nie zuvor, das Ende der Sendung nur eine Frage der Zeit.

Daran ändert auch der Einzug von "Mr. Germany" Yasin nichts. Dieser bleibt zwar nur wenige Tage im Camp, erlangt aber bei Twitter schnell den Spitznamen " #Teebeutel". Er sorgt für Diskussionen in sozialen Netzwerken, als er sich als homophob outet und glaubt, schwule Männer hätten einen Gendefekt oder eine Krankheit. Doch auch dieser Zündstoff verpufft schnell - und damit scheitert auch der letzte Wiederbelebungsversuch für den Quotenpatienten "Newtopia".

Das sieht auch Sat.1 so und zieht schließlich am 20. Juli die Reißleine: Der TV-Sender beendet "Newtopia" vorzeitig, die Livestreams sind bereits abgeschaltet, die Pioniere sind informiert. „Das Experiment ist beendet", heißt es am Montag von den Machern der TV-Sendung.  "Zusammen mit Talpa Germany hat SAT.1 viel Sendezeit, Herzblut und Ideen in die Fortsetzung von ‚Newtopia‘ gesteckt. Leider ohne den erhofften Erfolg. Aber nur wer wagt, gewinnt. Wir versprechen: SAT.1 wird sich auch weiterhin trauen, mutige TV-Ideen auf den Bildschirm zu bringen", heißt es weiter in einer offiziellen Pressemitteilung vom Sat.1-Geschäftsführer Nicolas Paalzow. Am 24. Juli 2015 wird die letzte Ausgabe der Reality-Show gezeigt.

Von Odin Tietsche

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Das größte TV-Experiment der deutschen Fernsehgeschichte ist gescheitert: Der TV-Sender Sat.1 beendet "Newtopia" vorzeitig. Die Quoten waren schon lange im Keller. Am Montag hat der Sender nun die Reißleine gezogen. Die Livestreams sind bereits abgeschaltet, die Pioniere sind informiert. Noch sind sie im Camp.

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