Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 12 ° stark bewölkt

Navigation:
Ein Klappgestell unter der Decke

Der Verhandlugstisch der "Großen Drei" Ein Klappgestell unter der Decke

Im Sommer 1945 treffen sich die "Großen Drei", Harry Truman, Winston Churchill und Josef Stalin, im Schloss Cecilienhof in Potsdam. Sie beraten über das Nachkriegsdeutschland und die Folgen für ganz Europa. Ab dem 17. Juli kommen sie im Konferenzsaal des Schlosses an einem imposanten Tisch zusammen. Aber der erste Eindruck trügt.

Voriger Artikel
Tag 8: 'Onkel Joe' und der große Sturm
Nächster Artikel
Tag 9: Winston Churchills laute Rache

Der Verhandlungstisch im Konferenzsaal des Schlosses Cecilienhof.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Wer die große Halle im Schloss Cecilienhof betritt, begegnet schmuckvollem Mobiliar. Engelsornamente zieren drei Stühle; es sind die einzigen mit Armlehnen, die breite Sitzfläche verdeutlicht die Bedeutung der Politiker, die darauf saßen: Truman, Stalin, Churchill und nach dessen Wahlniederlage der britische Premierminister Clement Attlee. Das Ambiente wirkt offiziell, nur wer die bis zum Boden herabfallende Tischdecke nach oben ziehen würde, wäre irritiert. „Der Tisch ist ein Gestell“, sagt der Schlossbereichsleiter Harald Berndt. Der berühmte runde Tisch sei „eigentlich ganz primitiv, aber das haben die Mächte bestimmt nicht gemerkt.“

 Das Konstrukt besteht aus abklappbaren Segmenten, gehalten von einem tragenden Element, der Durchmesser der Tischplatte liegt bei 3,05 Meter. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten geht davon aus, dass eine Moskauer Möbelfirma den Tisch gefertigt hat. Allerdings trudelte vor einigen Jahren ein Schreiben ein, das belegen sollte, dass ein verstorbener Tischler aus Berlin der eigentlich Hersteller gewesen sei. Das behaupteten die Nachfahren des Handwerkers, ist aber unwahrscheinlich.

Möglich hingegen ist, dass in Deutschland Nachbesserungen gemacht wurden. Der Tisch soll ursprünglich zu groß gewesen sein. Eindeutiger als die Herkunft des Tisches ist zu ermitteln, wer täglich als Letzter an ihn herantrat. Josef Stalin war es eine Freude, später als die anderen durch seine Tür in den Sitzungssaal zu schreiten. „Der war immer zu spät – das war ein taktisches Mittel, um die anderen leicht zu brüskieren“, sagt Matthias Simmich, der die Dauerausstellung im Schloss kuratiert hat.

Es heißt, Truman und Churchill hätten nach zwei Tagen ausgemacht, nicht mehr jedes Mal aufzustehen, wenn der sowjetische Diktator durch die Tür kam. Gemacht haben sie es dann doch. Ansonsten war die Atmosphäre am Tisch zumindest in den ersten Tagen noch recht freundlich. Nach diversen Abendeinladungen galt Stalin in der US-Delegation als „Uncle Joe“. Auf dem Tisch standen Aschenbecher, es war üblich, beim Verhandeln unentwegt zu rauchen. Mit einer Ausnahme, sagt Harald Berndt: „Truman war der einzige Passivraucher.“

Von Maurice Wojach

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Potsdam zur Zeit der Konferenz

Die "Großen Drei", die Machthaber der Vereinigten Staaten, Großbritannines und der Sowjetunion, versammeln sich im Sommer 1945 in Potsdam und beraten über die Neuordnung Deutschlands und Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine historische Zäsur. Abseits der Konferenz geht der Alltag der Potsdamer weiter - irgendwie.

mehr
Mehr aus Potsdamer Konferenz
Sommer '45
Die "Großen Drei" im Sommer 1945 im Schloss Cecilienhof

Im Potsdamer Schloss Cecilienhof fand vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 die Potsdamer Konferenz statt. Auf höchster Ebene verhandelten hier die drei Hauptalliierten des Zweiten Weltkriegs über das weitere Vorgehen Deutschlands und Europa verhandelt. Aber es gab auch ein Leben neben der Konferenz - und was für eins!

mehr
Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam