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Drei Villen und ein Schloss

Die Unterkünfte der "Großen Drei" Drei Villen und ein Schloss

Unmittelbar nach Kriegsende 1945 ziehen die Staatenlenker der Siegermächte in idyllisch gelegene Villen in Babelsberg. Grund ihres Aufenthaltes ist die so genannte Potsdamer Konferenz. Dafür treffen sich die "Großen Drei" im letzten Hohenzollernschloss: der Potsdamer Cecilienhof  im Neuen Garten.

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Quelle: Julian Stähle

Cecilienhof war der letzte Schlossbau der Hohenzollern

Schloss Cecilienhof im Neuen Garten.

Quelle: Julian Stähle

  Kaiser Wilhelm II. ließ von 1913 bis 1917 für seinen ältesten Sohn Kronprinz Wilhelm und seine Gemahlin Kronprinzessin Cecilie das Schloss Cecilienhof im Norden des Neuen Gartens bauen. Der letzte Schlossbau der Hohenzollern wurde nach Plänen des Architekten Paul Schultze-Naumburg errichtet. Das Erscheinungsbild des Schlosses wurde den landschaftlichen Gegebenheiten durch Verwendung traditioneller Materialien wie Backstein und Holz angepasst.

Um über das wahre Ausmaß mit 176 Zimmern hinwegzutäuschen, wurden einzelne Baukörper geschickt um mehrere Innenhöfe gruppiert. Das Zentrum des Hauses bildet die große Wohnhalle, die über ein Vestibül erreichbar ist und von der die Repräsentationsräume des Kronprinzenpaares abgehen. Von hier aus führt eine mächtige holzgeschnitzte Treppe ins Obergeschoss.

Nach der Abdankung des Kaisers 1918 erhielten Wilhelm und Cecilie das Schloss 1926 vom Staat als Privateigentum zurück. Bis zu seiner Flucht im Jahre 1945 bewohnte das Kronprinzenpaar Cecilienhof. Im selben Jahr enteignete die sowjetische Besatzungsmacht die Familie Hohenzollern entschädigungslos.

Während der Potsdamer Konferenz wurde die Große Wohnhalle zum Konferenzsaal umfunktioniert. Nach dem Treffen der Großen Drei bekam die Öffentlichkeit Zugang zu Schloss und Park. Seit 1960 wird der Westflügel als Hotel genutzt. Heute bietet das Schloss Gelegenheit, am authentischen Ort die weltpolitisch bedeutsamen Ereignisse der Potsdamer Konferenz nachzuvollziehen. Seit April 2012 präsentiert sich die Dauerausstellung in neuem Gewand.

Churchill verlangte nach seiner Ankunft einen Whisky

Die „Churchill-Villa“ von 1915 entwarf Ludwig Mies van der Rohe.

Quelle: Detlev Scheerbarth

 Der britische Premierminister Winston Churchill war am 15. Juli 1945 auf dem Flughafen Gatow eingetroffen.

Gegen 17 Uhr bezog der 70-Jährige in der Babelsberger Ringstraße 23 Quartier. „Ich folgte ihm durch zwei kahle Räume mit großen Kronleuchtern, auf die andere Seite des leeren Hauses, wo sich französische Fenster auf einen Balkon öffneten“, schrieb Churchills Leibarzt Lord Charles W. Moran später. „Dort warf sich Churchill in einen Gartenstuhl. Er verlangte einen Whisky und schaute wortlos über die Wiese zum Griebnitzsee hinunter.“

Das Haus in der heutigen Virchowstraße wurde nach Plänen von Ludwig Mies van der Rohe in den Jahren 1915/1917 für den Berliner Bankier Franz Urbig erbaut. Nach dem Kurzaufenthalt von Churchill und seinem Nachfolger Clement Attlee im Sommer 1945 hat die Villa sehr unterschiedliche Nutzungen überstehen müssen.

Nach der Wende ließ die Erbin des Bauherrn, Elisabeth Urbig, die Villa sanieren und rettete damit ein Frühwerk des Architekten Mies van der Rohe. Inzwischen gehört das Haus dem Softwareunternehmer Hasso Plattner

Truman: „Wir sind in einem schönen Haus am See“

Die „Truman-Villa“ wurde 1891 für den Verleger Carl Müller-Grote gebaut.

Quelle: Detlev Scheerbarth.

 Im Sommer 1945 musste die Familie des Verlegers Carl Müller-Grote die zweigeschossige Villa in der Kaiserstraße 2 verlassen. Am 15. Juli zog der amerikanische Präsident Harry S. Truman ein. Einen Tag später schrieb er an Mama: „Wir sind in einem schönen Haus an einem See in Potsdam. Es gehörte früher dem Chef der Filmleute. Man sagt, er sei zurück nach Russland geschickt worden, zu welchem Zweck, weiß ich nicht.“

Offenbar war Truman über sein Domizil nur unzureichend informiert worden. Die Villa war nach Entwürfen der Architekten Heinrich Joseph Kayser und Karl von Großheim in den Jahren 1891/1892 gebaut worden. Bauherr war Carl Müller-Grote, der mit den preiswerten Buchausgaben der „Groteschen Sammlung von Werken zeitgenössischer Schriftsteller“ zu einem stattlichen Vermögen gekommen war.

Das typische Gründerzeitgebäude gehört zur Anfangsgeschichte der Villenkolonie Neubabelsberg. Zu DDR-Zeiten wurde es zum Teil als Möbellager genutzt. Die Erben von Müller-Grote haben die Villa 1994 an die Friedrich-Naumann-Stiftung verkauft.

Stalin kam in einer großbürgerlichen Villa unter

Die „Stalin-Villa“, 1910/11 als Villa Herpich erbaut.

Quelle: Detlev Scheerbarth

 Der Sonderzug mit der sowjetischen Delegation traf am Mittag des 16. Juli 1945 auf dem Potsdamer Bahnhof ein. Die Ankunft hatte sich um einen Tag verzögert, da der 65-jährige Generalissimus Josef Stalin zuvor eine leichte Herzattacke erlitten hatte. Dennoch war Stalin gut gelaunt, setzte sich in eine schwarze ZIS-Limousine und fuhr am Babelsberger Park entlang.

In der Kaiserstraße 27 bezog er Quartier. Die „Villa Herpich“, in der Stalin unterkam, war in den Jahren 1910/1911 vom Architekten Alfred Grenander für Paul Herpich, dem Inhaber des „Pelzhauses C.A. Herpich & Söhne“, gebaut worden. Grenander war gebürtiger Schwede und hatte ab 1890 am Reichstagsbau mitgewirkt.

Der großbürgerliche Villenbau in Babelsberg zeichnet sich durch sachliche Eleganz und repräsentative Räume im Erdgeschoss aus. Die Familie Herpich musste das Haus kurz vor Stalins Ankunft verlassen. Zu DDR-Zeiten wurde die Villa von der „Hochschule für Film und Fernsehen genutzt“, nach der Wende verkauften die Erben das Grundstück an den „Bauindustrieverband Berlin-Brandenburg“.

Von Jürgen Stich

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Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam