Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 13 ° Sprühregen

Navigation:
Tag 4: Bombenstimmung beim Präsidenten

Hinter den Kulissen der Potsdamer Konferenz Tag 4: Bombenstimmung beim Präsidenten

Im Sommer 1945 ist Potsdam Schauplatz einer historischen Konferenz. Die Siegermächte verhandeln über die Zukunft Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch was geschah abseits der Konferenz? Wir haben hinter die Kulissen geschaut und erstaunliches herausgefunden. Heute: Bombenstimmung beim Präsidenten und ein verliebter Premiereminister.

Schloss Cecilienhof, Potsdam 52.41944 13.068036
Google Map of 52.41944,13.068036
Schloss Cecilienhof, Potsdam Mehr Infos
Nächster Artikel
Tag 5: Schlemmerei und Musikgenuss

Potsdam. Nach dem zeitigen Frühstück mit seinem Neffen, zieht sich US-Präsident Harry Truman mit einigen Beratern zurück. Um kurz nach 13 Uhr verlässt er mit seiner Entourage bei rund 20°C das Haus. Es ist bewölkt, aber kein Tropfen fällt vom Himmel. Zu Fuß gehen sie zu Premiereminister Winston Churchill. Dort ziehen sich die beiden Staatsmänner allein zurück und essen zu Mittag.

Truman zeigt dem Premierminister die Telegramme zur Atombombe und berichtet über die Sprengung. Zusammen überlegt man, wann und ob man dem sowjetischen Machthaber Josef Stalin von der Waffe überhaupt berichten solle. Truman ist jedoch davon überzeugt, dass man dem sowjetischen Oberhaupt die Existenz und die Einsatzbereitschaft dieser Waffe nicht vorenthalten dürfe. Er werde ihm, so sagt er Churchill, nach einem Treffen über eine neuartige Waffe informieren – nur ohne den Zusatz Atom, wie er hinzufügt. Dann erhebt sich Truman und begibt sich zum Ausgang. Schon fast draußen, entdeckt er in einer Ecke ein Klavier. Der Präsident setzt sich, spielt ein paar Töne, erhebt sich und verlässt einen "verliebten Premierminister", wie ein Berater Churchills notiert.

Um 16 Uhr soll heute das zweite Treffen der "Großen Drei" stattfinden, Zeit also für den US-Präsidenten, auch Stalin noch einen Besuch abzustatten. Um Punkt 15:04 Uhr vermerkt das Protokoll die Ankunft Truman auf dem Gelände des Generalissimus.

Nach dem Austausch einiger Höflichkeitsfloskeln und Bemerkungen über die Schönheit der Natur in dieser Gegend Stalin zeigt Truman eine Botschaft des japanischen Kaisers. Eine Kapitulation verbunden mit seiner Demission schließt dieser aus. Stalin und Truman einigen sich auf das Ignorieren dieser Botschaft. Zusammen wirft man noch einen weiteren Blick auf den See und die Bäume am anderen Ufer, dann geht man wieder auseinander.

Doch schon kurze Zeit später sehen sich die drei Staatenlenker wieder. Um 16:08 Uhr trifft Truman im Cecilienhof ein, sieben Minuten später beginnt die zweite Konferenzsitzung. Bis 18 Uhr tagt man, bespricht Grundsätzliches. Unter anderem die Frage was unter „Deutschland“ zu verstehen sei. Das Land mit seinen Grenzen von 1937? Was geschieht mit der deutschen Flotte? Auch Spanien und das Franco-Regime kommen zur Sprache. So richtig einig wird man sich nicht.

Churchill wirkt erschöpft, kann sich mit seinen vielen Einlassungen nicht durchsetzen. Letztendlich endet dieses zweite Treffen gegen 18 Uhr. Truman verabschiedet sich mit dem Hinweis auf den morgigen Konferenzbeginn um 16 Uhr und fährt in sein Haus in Babelsberg.

US-Präsident Truman speist gegen 19:30 Uhr mit einigen Vertrauten und genießt eine Vorstellung der US-Army-Musikkapelle.

Stalin und Churchill haben jedoch noch eine Verabredung. Um 20:30 Uhr trifft Churchill bei Stalin ein. Lange sitzt man im kleinen Kreis, nur die beiden Staatsoberhäupter plus je ein Dolmetscher, bei Zigarre und vielen Drinks zusammen.

Um Mitternacht ruft Truman seine Frau in Washington an. Die Techniker der amerikanischen Delegation haben gute Arbeit geleistet. Die Verbindung ist so klar, als ob es ein Lokalgespräch wäre, freut sich der Präsident.

Gegen 1:30 Uhr verlässt Churchill den "liebenswürdigen Marschall" und lobt dessen "vernünftigen Ansichten über die Monarchie".

Von MAZonline

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Hinter den Kulissen der Potsdamer Konferenz

Im Sommer 1945 ist Potsdam Schauplatz einer historischen Konferenz. Die Siegermächte verhandeln über die Zukunft Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch was geschah abseits der Konferenz? Wir haben hinter die Kulissen geschaut und erstaunliches herausgefunden. Heute: Ein verqualmter Konferenztag und ein musikalischer Befehl .

mehr
Mehr aus Potsdamer Konferenz
Sommer '45
Die "Großen Drei" im Sommer 1945 im Schloss Cecilienhof

Im Potsdamer Schloss Cecilienhof fand vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 die Potsdamer Konferenz statt. Auf höchster Ebene verhandelten hier die drei Hauptalliierten des Zweiten Weltkriegs über das weitere Vorgehen Deutschlands und Europa verhandelt. Aber es gab auch ein Leben neben der Konferenz - und was für eins!

mehr
Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam