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Tag 10: Gespärch mit Sprengkraft

Hinter den Kulissen der Potsdamer Konferenz Tag 10: Gespärch mit Sprengkraft

Im Sommer 1945 ist Potsdam Schauplatz einer historischen Konferenz. Die Siegermächte verhandeln über die Zukunft Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch was geschah abseits der Konferenz? Wir haben hinter die Kulissen geschaut und erstaunliches herausgefunden. Heute: Schwere Augenlider und ein Gespräch mit Sprengkraft .

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Potsdam. Trotz des ausgelassenen Dinners am Vorabend hat US-Präsident Harry Truman an diesem Dienstag keine Zeit zum Ausschlafen. Bereits um kurz 10 Uhr kommt Kriegsminister Henry Stimson ins "Little White House"; unter dem Arm die neuesten Auswertungen des Atombombentests und ein erster möglicher Abwurftermin über Japan: bereits am 3. August 1945 wäre die neue Waffe einsatzbereit und könnte, so die Vorstellungen der Amerikaner, ein endgültiges Ende des Zweiten Weltkrieges herbeiführen.

Gegen 11:30 Uhr lässt Truman zwei im Haus weilende Generäle hinzukommen. Gemeinsam beschließt man, dass die "erste Spezialbombe" am besagten 3. August 1945 über Hiroshima, Kokura, Nagasaki oder Niigata abgeworfen werden soll. Dieser Beschluss unterliegt der höchsten Geheimhaltungsstufe. Vor allem die Presse soll unter keinen Umständen an diese Informationen kommen.

Die Luft in Potsdam wird jetzt immer schwüler. Es ist zwar nicht allzu heiß, aber vor allem im Schloss Cecilienhof steht die Luft und es ist an diesem Dienstagmittag recht stickig. Vor allem die Teilnehmer an dem Treffen der drei Generalstabschefs aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien und der Sowjetunion haben damit zu kämpfen. Im Rund ist zu beobachten, wie der eine oder andere Berater langsam wegdämmert.

Um kurz nach 16 Uhr bekommt Truman Besuch von der polnischen Delegation. Nach einer Dreiviertelstunde bricht er jedoch auf, um den achten Konferenztag zu eröffnen. Es wird der vorletzte für den britischen Premierminister Winston Churchill werden.

Die Konferenz der "Großen Drei" beginnt um 17:15 Uhr. Etwas über zwei Stunden diskutiert hitzig, dann ist es auch schon wieder vorbei. Während sich die Konferenzteilnehmer nach und nach aus dem Sitzungssaal begeben, schlendert Truman wie beiläufig zum sowjetischen Machthaber Josef Stalin hinüber.

In kurzen Sätzen erzählt er dem Generalismus, dass die Vereinigten Staaten im Besitz einer "neuen Waffe von ungewöhnlicher Zerstörungskraft" seien. Das Wort "Atombombe" fällt nicht. Churchill steht einige Meter entfernt und beobachtet die Unterhaltung. Aus seiner Sicht nimmt Stalin das gesagt relativ kühl und unaufgeregt hin.

Stalin hat die Anspielung aber sehr gut verstanden. Unmittelbar nach seiner Ankunft in Babelsberg informiert er seinen Außenminister Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow über das Gespräch mit Truman. Dieser regt eine sofortige Beschleunigung der sowjetischen Forschungen an. Der atomare Wettlauf hat begonnen.

Von MAZonline

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Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam