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Rehbrücker entwickeln bioaktive Wirkstoffe

Algen gegen Falten Rehbrücker entwickeln bioaktive Wirkstoffe

Algen können in den unwirtlichsten Gegenden überleben. Diese Lebenskraft wollen Wissenschaftler des Instituts für Lebensmittel- und Umweltforschung in Bergholz-Rehbrücke für den Menschen nutzbar machen. Sie suchen Wirkstoffe, die den Alterungsprozess unserer Haut verzögern.

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Projektleiterin Elke Kurth will die Lebenskraft der Algen für den Menschen nutzbar machen.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Sie sind wahre Überlebenskünstler. Kleine Algen, die sich in Quellen mit rund 60 Grad Celsius heißem Wasser häuslich einrichten. Oder andere Artgenossen, denen in Gletscherlandschaften sowohl kaltes Eis als auch gleißendes Sonnenlicht nichts anhaben können. Diese Lebenskraft wollen Wissenschaftler des Instituts für Lebensmittel- und Umweltforschung (ILU) in Bergholz-Rehbrücke für den Menschen nutzbar machen. Ihr Ziel: Die Entwicklung von Wirkstoffen, die unsere Haut effektiv vor UV-Strahlung schützen und somit den Alterungsprozess der Haut verzögern. Sozusagen Anti-Aging-Kosmetik aus Algen.

Alge liegt im Trend

In Bergholz-Rehbrücke wird schon seit mehr als drei Jahrzehnten Algenforschung betrieben. Dabei geht es den Wissenschaftlern sowohl um die industrielle Produktion von Mikroalgen als auch um Konzepte zur Verwendung der Algen. Sie können unter anderem als alternative Energiequelle genutzt werden oder eben auch als Wirkstoff in Kosmetikartikeln.

Die IGV Institut für Getreideverarbeitung GmbH hat zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der Spreewald Therme in Burg eine eigene Kosmetikserie entwickelt. Verarbeitet wurden für die Kosmetika eine Spreewaldalge sowie weitere regionale Wirkstoffe.

Die Alge in Creme oder Lotion – das ist so neu nicht. Neu ist aber der Ansatz, die Alge gegen das Altern der Haut ankämpfen zu lassen. Elke Kurth, Projektleiterin am ILU, geht es nicht um Cremes, die der Haut mal eben etwas Feuchtigkeit zuführen. Der spezielle Algenextrakt soll vielmehr Schlüsselmoleküle in der Haut anregen und die körpereigene Kollagenbildung in Schwung bringen.

Algen im Test

Algen im Test

Quelle: Köster

„Die Hautalterung wird zu mehr als 70 Prozent durch die UV-Strahlung der Sonne verursacht. Deswegen altern wir“, erklärt die Biochemikerin Kurth. Da liegt es doch nahe, die besonderen Eigenschaften von Algen zu untersuchen, die selbst heftige UV-Strahlung ohne Probleme vertragen. Kurth will Wirkstoffextrakte aus Mikroalgen und Pflanzen gewinnen und deren schützende Wirkung bei menschlichen Hautzellen testen. Für dieses Projekt gab es vor Kurzem einen Förderbescheid vom Bundeswirtschaftsministerium.

Erste Tests waren durchaus vielversprechend, wie Kurth erklärt. Sie hat zunächst Hautzellen mit UV-Licht bestrahlt und die Folgen beobachtet. Ergebnis: Die Stoffwechselaktivitäten der Zellen gingen deutlich zurück. Das heißt, sie sind kräftig gealtert. Nächster Versuch: Vor dem UV-Licht gab es eine Kur mit Algenextrakt für die Zellen. Dieses Mal hatte das Licht längst nicht so verheerende Auswirkungen auf die Haut. Kurth konnte sogar zeigen, dass sich einmal geschädigte – also gealterte Zellen – dank des Algenextrakts bis zu einem gewissen Grad wieder erholten. Die Algen als UV-Schutz seien für die Kosmetikindustrie eine „bisher unerschlossene Quelle“, schwärmt die Projektleiterin.

„Bioaktive Wirkstoffe“ heißt die Zauberformel, die in der Kosmetik derzeit die Runde macht. Sie ersetzen Kurth zufolge immer häufiger chemische Wirkstoffe in den Produkten der Schönheitsindustrie. „Das ist ein riesiger Markt“, betont die Wissenschaftlerin. Und Anti-Aging-Produkte sind ohnehin ein Dauerbrenner. Denn wer will schon die Chance verpassen, die Alterung und damit die Fältchenbildung der eigenen Haut möglichst lange hinauszuzögern?

Elke Kurth wird in den nächsten Monaten eine Vielzahl von Algen unter die Lupe nehmen: Grünalgen, Rotalgen, Blaugrünalgen, Kieselalgen. 15 bis 20 unterschiedliche Exemplare werden wohl zusammenkommen, schätzt Kurth. Selbst aus den USA hat die Wissenschaftlerin schon Bio-Fracht bekommen für ihre Suche nach den besten Lichtschutzproteinen.

Am Forschungsstandort Rehbrücke hat die Biologin die Möglichkeit, gleich im benachbarten Institut für Getreideverarbeitung IGV die favorisierten Wirkstoffextrakte produzieren zu lassen. Im Bereich der Extraktherstellung der IGV GmbH werden die gewünschten Bestandteile aus der Biomasse herausgeholt. Dieses Institut ist schon jetzt ein Zulieferer für Kosmetikunternehmen. Letztere beziehen hier verschiedene Wirkstoffextrakte.

Die Projektleiterin Kurth hofft, mit ihren künftigen Forschungsergebnissen renommierte Kosmetikhersteller begeistern zu können, sodass in Rehbrücke entwickelte Produkte den Weg auf den Markt finden.

Von Ute Sommer

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