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Am Ende der Grönlandtour warten Behörden

Zurück in der Zivilisation Am Ende der Grönlandtour warten Behörden

Die Grönlandabenteurer sind gesund in Ilulissat, dem Endpunkt ihrer Expedition, angekommen. Das Ende der 700 Kilometer langen Tour wird mit einem gemeinsamen Abendessen gefeiert. Der Prager Karel Pavelka kocht dafür ein kräftiges Gulasch. Bei den Forschern macht sich Heimweh breit. Sie haben Sehnsucht – nach Grönland.

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Gruppenbild an der Eiskante: Uwe Hofmann, Expeditionsleiter Wilfried Korth, Thomas Hitziger und Tobias Küchenmeister (v.l.).

Quelle: Privat

Grönland. Bei der Polizei müssen sich die Grönlandforscher zurückmelden. Bei der Rettungszentrale Bescheid geben, dass sie gesund und mehr oder minder munter am Ziel ihrer Reise angekommen sind. Und auch das Umweltministerium Grönlands, das für große Touren übers Eis sein Okay geben muss, erwartet eine kurze Nachricht über die erfolgreiche Expedition. Das Team der Grönlandforscher um den Potsdamer Expeditionsleiter Wilfried Korth, hat am Mittwoch einige Behördengänge zu erledigen. Das duldet auch keinen Aufschub, denn bereits am Donnerstag geht es per Flugzeug Richtung Heimat.

Erst langsam gewöhnen sich die Abenteurer wieder an das Leben in der Zivilisation. Vor ihrem Bootstransfer nach Ilulissat am Dienstag verbrachten sie noch eine Nacht in einem befestigten Camp. Bei ihrem Eintreffen wurde ihnen zu Beispiel erklärt, wo die Toiletten sind. „Das wollten wir eigentlich gar nicht wissen“, erzählt Korth lachend. Denn diese Frage hatte sich den Männern sechs Wochen lang nicht gestellt. Regeln, Vorschriften, Instruktionen fürs Verhalten – daran müssen sie sich erst wieder gewöhnen.

Korth hatte sogar die Bedeutung des Geldes vergessen. Als er in Ilulissat ein paar Souvenirs einkaufen wollte, ist ihm aufgefallen, dass er seine Geldbörse zusammen mit anderem „unnötigen Gepäck“ vom Eis aus mit dem Hubschrauber zum Flughafen hatte bringen lassen. Also, steht jetzt vor dem Shoppen erst mal eine kleine Stippvisite beim Flughafen an.

Aus dem Tagebuch

Montag, 7. September 2015

Der letzte Tag am Eis wurde noch einmal sehr anstrengend. Tobias, Paul und Uwe haben einen ersten Teil der Ausrüstung zum Eqi-Camp heruntergetragen und Thomas, Karel und Wilfried haben vier Reflektoren für Radarmessungen aufgestellt. Dafür sind sie nochmals aufs Inlandeis hochgelaufen. Der Abschied war letztlich schwer, aber mit herrlichem Wetter belohnt.

Grönland ist ein Land, das Heimweh macht, hat de Quervain in seinem Buch geschrieben. Für uns ist es jetzt schon spürbar.

18:00 Uhr waren alle Messungen erledigt, die drei anderen zurück und wir konnten uns an den letzten schweren Abschnitt machen, den Abstieg zum Eqi-Gletscher mit der nicht ganz unerheblichen restlichen Ausrüstung. Die Rucksäcke waren extrem schwer und somit auch die 10 km Rückmarsch über die Höhenzüge alles andere als leicht. Jeder hatte seine eigene Methode: kürzere Etappen mit Pausen oder möglichst das Monster auf dem Rücken nicht absetzen, da nicht klar ist, ob man ihn wieder hoch bekommt.

Nach Sonnenuntergang im letzten Dämmerlicht kommen wir 22:00 Uhr am Zeltplatz direkt hinter den Hütten des Eqi-Camps an. Den Sonnenuntergang über dem Gletscher können wir nicht mehr genießen, die Sonne ist längst verschwunden und auch das schöne Abendlicht ist einem Grau gewichen.

Dienstag, 8. September 2015

Der letzte Tag außerhalb der Zivilisation beginnt erst gemächlich. Es ist viel Wind, wie immer am Morgen, aber es verspricht besser zu werden.

Wilfried und Thomas machen vor dem Frühstück schon einen Morgenspaziergang. Danach bricht Karel auf, mit der Drohne, die er im Gepäck hat, einen Teil des Gletschers zu befliegen. Wir anderen sammeln die Ausrüstung zusammen, bauen die Zelte ab und bringen alles hinunter zur Bootsanlegestelle. Erst wird das Boot für 12:30 angekündigt, dann kommt es doch erst 14 Uhr. Großes Pech für Karel, der unter extremem Zeitdruck steht und am Ende nicht ganz alles schafft. Aber der Grund für die eilige Abreise ist schlechtes Wetter auf dem Meer draußen, dem wir möglichst entgehen wollen. Zwei Stunden Zeit haben wir noch dafür.

Die letzten Stunden auf dem Eis am Montag und Dienstag hat das Team noch einmal ausgiebig für Messungen genutzt. Sie wollen Daten sammeln, um zu sehen, ob und wie stark das Eis von Grönland schmilzt. Für den Prager Professor für Vermessungskunde, Karel Pavelka, haben die Forscher spezielle Reflektoren für Radarmessungen aufgestellt. Sie mussten fest im eisigen Boden verankert werden. Allein diese Messausrüstung war um die 20 Kilogramm schwer, sagt Korth. Das Gewicht musste bei den letzten Etappen zusätzlich mit übers Eis geschleppt werden.

Die von den Forschern aufgestellten Reflektoren dienen Radarmessungen

Die von den Forschern aufgestellten Reflektoren dienen Radarmessungen.

Quelle: Privat

Im letzten Camp, dem Eqi-Camp, haben die sechs Forscher eine kleine Tafel aufgestellt – zur Erinnerung an ihre bisher fünf Expeditionen. Die Tafel steht an einem Felsen, vor dem schon ihr großes Vorbild, der Schweizer Meteorologe Alfred de Quervain, im Jahr 1912 posierte.

Die Forscher der Neuzeit sind glücklich, dass sie alles gut überstanden haben. „Wenn man am Ende steht und man hat es geschafft, alle sind gesund, es hat keine Ausfälle und Pannen gegeben – das ist einfach nur schön“, meint der Potsdamer. Die Tour habe sich zu 100 Prozent gelohnt. Das Sechserteam nimmt langsam Abschied von Grönland. Korth zum Beispiel ist beim letzten Abstieg auch bewusst etwas langsamer gegangen, um ein paar Momente für sich allein zu sein. „Die Tour war sehr schön“, resümiert er.

Von Ute Sommer

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