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Am Puls von Raum und Zeit

Ouvertüre für den Helmert-Turm Am Puls von Raum und Zeit

Seit mehr als zwei Jahrzehnten zerfällt der Helmert-Turm auf dem Telegrafenberg. Das frühere „Mekka der Geodäten“ wurde nach Einführung neuer Laser-Technologien nicht mehr gebraucht. Jetzt eröffnen sich aber neue Lichtblicke für das einzigartige technische Denkmal.

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Wurde bislang auf dem Telegrafenberg ein wenig vernachlässigt: der Helmert-Turm samt Ensemble (l.).

Quelle: GFZ

Telegrafenberg. Im Grunde zeichnet ihn vor allem die ungeheure Vielfalt wissenschaftlicher Nutzungen aus. Zunächst war der Helmert-Turm auf dem Potsdamer Telegrafenberg mit seiner Technik Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts eines der wichtigsten Instrumente zur Bestimmung von Gestalt, Größe und Schwerefeld der Erde sowie ihrer Orientierung im Weltall. Später kam ab den 1960er Jahren die Kamera- und Laser-Satellitenbeobachtung hinzu. Hier wurde die Welt vermessen, von hier aus wurde das Weltall erforscht. Nach einem Jahrhundert war es aber vorbei mit der Nutzung des wegen der nötigen dauerhaften Statik früher ummantelten Ziegel-Bauwerks.

Der steinerne 1893 eingeweihte Zeitzeuge hätte aufwendig restauriert werden müssen, hatte aber seine Notwendigkeit auch an eine neue Laserstation des Geoforschungszentrums (GFZ) verloren.

Am kommenden Dienstag (16.2., 17 Uhr) soll Schluss sein mit dem weiteren Zerfall des „Denkmals am Puls von Raum und Zeit“, wie die Initiatoren einer Rettungsaktion den Helmert-Turm nennen. Das GFZ, die Gesellschaft für Geodäsie (DVW) und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) laden ein zur „Spenden-Ouvertüre“. Eine Million Euro wird gebraucht, um das einst so bezeichnete „Mekka der Geodäten“ zu restaurieren. Geplant ist später eine Nutzung als Aussichtsturm. Bestimmt wird die Helmholtz-Gemeinschaft als Muttergesellschaft des GFZ ihren Teil beitragen. Aber für den Erhalt des technischen und baulichen Denkmals wird mehr nötig sein und dafür will GFZ-Chef Reinhard Hüttl „alle möglichen Quellen anzapfen“.

Neues Bio-Labor

Nicht nur
mit der Restaurierung des Helmert-Turms startet das Geoforschungszentrum (GFZ) eine neue bauliche Offensive. Geplant ist für das kommende Jahr zudem die Errichtung eines zusätzlichen Laborzentrums, in dem auch wissenschaftlich neue Perspektiven eröffnet werden.

Im künftigen
„Geo-Bio-Lab“ auf dem Telegrafenberg will sich das GFZ vor allem dem Leben in der Erdkruste zuwenden. In der äußeren Rinde des Globus wimmelt es von bislang unerforschten Kleinstlebewesen. Zudem sollen im neuen Komplex zusätzliche Computer-Server Platz finden.

Neben einem Festakt mit Vorträgen etwa von Johannes Ihde vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie sowie Heidi Gerber von der DSD samt Musikprogramm im Hörsaal auf dem Telegrafenberg wird es noch eine kleine Führung durch das Gebäudeensemble des Helmert-Turms geben. Zum nach dem 1917 verstorbenen Ex-Direktor des Geodätischen Instituts, Friedrich Robert Helmert benannten Bauwerk mit den charakteristischen Auslegern an der Spitze zählen Kleingebäude wie das Meridianhäuschen, das Uhren- und das Instrumentenhaus. Bei der Gelegenheit soll auch eine große Gedenktafel enthüllt werden, auf der seine und die Geschichte der Geodäsie detailliert erzählt wird.

Die Liste der wissenschaftlichen Erkenntnisse, die mit dem Helmert-Turm in Verbindung stehen, ist lang: Von hier aus wurde die Gestalt der Erde als Ellipsoid mit abgeflachten Polen ermittelt. Zudem konnte erkundet werden, dass die Erde sich im Laufe der Jahrmillionen immer langsamer dreht. So hatte der Tag zur Zeit der Dinosaurier noch 22 Stunden und das Jahr 400 Tage. Doch auch im kleineren Maßstab hatte, wer Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland Land vermessen wollte, sich an dem sogenannten Fundamentalpunkt zu orientieren. „Was Greenwich für die Zeitmessung war, ist der Helmert-Turm gewissermaßen für den Raum gewesen“, sagt der DVW-Landesvorsitzende Bernd Sorge.


Internet: www.denkmalschutz.de/denkmal/4067.html

Von Gerald Dietz

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