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Auch Platzeck für Verzicht auf das Schiff

Wende im Streit um Potsdamer Garnisonkirche? Auch Platzeck für Verzicht auf das Schiff

Mit Brandenburgs früherem Ministerpräsidenten Matthias Platzeck hat sich ein weiterer Anhänger des Wiederaufbaus der Garnisonkirche für den Verzicht auf eine komplette Rekonstruktion ausgesprochen. Er bekundete Unterstützung für den Vorschlag Landesbischof Markus Dröge, es beim originalgetreuen Wiederaufbau des Kirchturms zu belassen.

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Ruf aus Potsdam: Hans P. Rheinheimer, Vorstand des Industrieclubs, Matthias Platzeck, OB Jann Jakobs, Bischof Wolfgang Huber, Superintendent Bertram Althausen und Innenminister Jörg Schönbohm (v.l.) im Januar 2004 mit dem Modell der Garnisonkirche..

Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger

Innenstadt. Nach Landesbischof Markus Dröge plädiert auch Brandenburgs früherer Ministerpräsident Matthias Platzeck dafür, nach dem Wiederaufbau des Garnisonkirchturms auf eine weitere Rekonstruktion des Bauwerks zu verzichten: Er könne „diesen Gedanken gut mittragen“, sagte Platzeck laut Agentur EPD am Dienstag bei einem Benefizkonzert zum Wiederaufbau der Garnisonkirche in der Russischen Botschaft in Berlin.

Mit Dröge hatte sich am vergangenen Donnerstag erstmals ein hoher Funktionsträger der Landeskirche für die Abkehr vom Ziel einer kompletten Rekonstruktion ausgesprochen. Mit dem ersten Ministerpräsidenten Brandenburgs nach der Wende 1989, Manfred Stolpe, und dem langjährigen Leiter des Internationalen Versöhnungszentrums Coventry, Paul Oestreicher, hatten zuvor bereits wichtige Wegbereiter des Wiederaufbaus dafür geworben, es beim Turm zu belassen.

Indirekt hatte auch der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung Garnisonkirche, Wolfgang Huber, das Kirchenschiff zur Diskussion gestellt, der im April mit Blick auf einen Bürgerdialog zur Gestaltung des Karrees erklärte, dass sich dieser „nach dem Verständnis der Stiftung mit der Plantage, dem Langen Stall, dem Stadtkanal und anderen Orten“ in der Stadtmitte befassen werde. Dazu gehöre „natürlich auch der Wiederaufbau der Garnisonkirche, für dessen ersten Bauabschnitt, den Turm, eine rechtskräftige Baugenehmigung vorliegt“. Huber bekräftigte damit die bei Gegnern des Wiederaufbaus umstrittene Position, dass der Turm nicht zur Diskussion steht, ohne sich ähnlich kategorisch zum Schiff zu äußern.

Ministerpräsident Platzeck (SPD), sein Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) und der damalige Landesbischof Huber waren die Schirmherren des Anfang 2004 verabschiedeten „Rufs aus Potsdam“, mit dem eine Spendenkampagne für den Wiederaufbau eröffnet wurde. Das Gotteshaus solle „in sechs bis acht Jahren innen und außen originalgetreu rekonstruiert sein”, sagte Mit-Initiator Peter Rheinheimer. Trotz Förderzusage des Bundes in Millionenhöhe ist bis heute nicht einmal der Wiederaufbau des Turms finanziert.

Platzeck betonte am Dienstag in Berlin, er habe Dröges Kompromissvorschlag „mit großem Interesse zur Kenntnis genommen“ und könne ihn mittragen. Zugleich verteidigte er die Veranstaltung in der Russischen Botschaft: „Ohne Dialog kann man Verbindendes nicht finden und Trennendes nicht deutlich machen.“ Vor dem Haus hatten Aktivisten der „Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“ Flyer unter der Überschrift „Keinen Rubel für Hitlers Lieblingskirche“ verteilt. Der Wiederaufbau der Kirche ist nicht zuletzt umstritten, weil die Nazis sie am „Tag von Potsdam“ am 21. März 1933 zur Inszenierung des neu gewählten Reichstags nutzten.

Der russische Botschafter in Deutschland, Wladimir M. Grinin, sagte, die Garnisonkirche sei eng mit der Geschichte Russland und dem Schicksal Europas verbunden. Hier hätten der russische Zar Alexander I. und der preußische König Friedrich Wilhelm III. geschworen, den Eroberungszug Napoleons zu stoppen.

Von Volker Oelschläger

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