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Mit der Lust an der Improvisation

Deutscher Filmnachwuchspreis First Steps Mit der Lust an der Improvisation

Axel Ranisch, Regie-Absolvent der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ (HFF, jetzt Filmuniversität) führt am 14. September durch die Verleihung des diesjährigen Deutschen Nachwuchspreises First Steps. „Ich bin jetzt schon furchtbar aufgeregt“, erzählt Ranisch: „Es grummelt im Bauch!“

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Immer für ein Späßchen zu haben: Der Babelsberger Filmhochschulabsolvent Axel Ranisch.

Quelle: Dennis Pauls

Potsdam. Dass Unerwartetes passiert, die Gala notgedrungen die vorgegebene Choreographie verlässt – auf diesen Alptraum aller Moderatoren hofft Axel Ranisch. „Dann könnte ich improvisieren, sonst bleibt dafür nur wenig Raum.“ Der Regie-Absolvent der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ (HFF, jetzt Filmuniversität) führt am 14. September durch die Verleihung des diesjährigen Deutschen Nachwuchspreises First Steps. Ranischs Filme „Dicke Mädchen“, „Reuber“ und „Ich fühl mich Disco“ leben von der Lust an der Improvisation. Da kommt ihm ein Moderationskorsett ein wenig spanisch vor.

First Steps – Preis für deutschsprachige Abschlussfilme

1999 wurde der Deutsche Nachwuchspreis First Steps als private Initiative der Filmwirtschaft von den Produzenten Bernd Eichinger (1949–2011) und Nico Hofmann ins Leben gerufen. Schon bald entwickelte sich First Steps zum renommiertesten Preis für deutschsprachige Abschlussfilme.

Unter den Preisträgern sind David F. Wnendt („Feuchtgebiete“), Maximilian Erlenwein („Stereo“), Hans Weingartner („Die fetten Jahre sind vorbei“), Vanessa Jopp („Klimawechsel“), Florian Gallenberger („John Rabe“).

Am 14. September werden die mit insgesamt 92 000 Euro dotierten First-Steps-Preise in sieben Kategorien im Berliner Stage Theater am Potsdamer Platz vergeben. Den Ehrenpreis erhält in diesem Jahr Radiomoderator „Kino King Knut“ Elstermann für sein „unermüdliches, mitreißendes und einzigartiges Engagement, mit dem er seit vielen Jahren gerade jungen Filmemachern Gehör verschafft“.

Aber von vorn: Mit seinem zauberhaften HFF-Abschlussfilm „Dicke Mädchen“ war der inzwischen 32-Jährige 2012 selbst für First Steps nominiert. Und vor zwei Jahren hielt Ranisch eine herrliche Laudatio auf seinen Mentor, den Ehrenpreis-Gewinner und Regisseur Rosa von Praunheim. Ranisch erzählte, wie sein ehemaliger Professor ihn einst vorstellte: „Das ist Axel, einer meiner begabtesten Studenten. Wir haben ihn schon mit 20 an der HFF aufgenommen. Er war ein Genie, ein kleiner Mozart. Seine Mutter hat Margot Honecker massiert, und er hatte noch nie Sex.“ Das mit dem Sex hat sich längst geändert, plauderte Ranisch weiter und feierte von Praunheim aufs Herzlichste ab. Und dann tanzte noch Ranischs Oma Ruth Bickelhaupt elfengleich über die Bühne. Diese unvergesslichen Gala-Momente hatten die First-Steps-Macherinnen um die künstlerische Leiterin Andrea Hohnen im Sinn, als sie Ranisch um die Moderation baten. „Ich bin jetzt schon furchtbar aufgeregt“, erzählt Ranisch: „Es grummelt im Bauch!“ Seine „Omi“ (93, spielte in „Dicke Mädchen“ eine der Hauptrollen) wird bei First Steps dabei sein und „auf mich aufpassen“, erzählt der Enkel gut gelaunt. „Omi ist da viel cooler als ich. Hat sie auch begründet: Für mich hängt nämlich mehr dran als für sie.“ Ob sich die Galagäste auf eine neuerliche Tanzeinlage von Ruth Bickelhaupt freuen dürfen? Das wird nicht verraten.

Ranisch will „Charme und Persönlichkeit“ aufbieten. Weil, dass mit der durchtrainierten Sexyness seiner Vorgänger Clemens Schick oder Edin Hasanovic haut bei ihm nicht so hin. Egal. Damit die nötige Humor-Portion Axel in den Moderationstexten durchscheint, schreibt er momentan das Skript um. Vorgegebene Texte auswendig zu lernen, wäre ja langweilig.

Wie wichtig First Steps für die Karriere sein kann, weiß der Regisseur seit seiner Nominierung. „An diesem Abend guckt die gesamte Fachwelt auf den Filmnachwuchs. Nirgendwo anders kümmert man sich so toll um uns. Andrea Hohnen und ihre Kolleginnen sind phänomenal.“ Ranisch erinnert sich, wie viel ihm die Gala bedeutet hat: „Das erhöht für die Moderation noch mal den Druck.“ Seit 2000 wird der Deutsche Nachwuchspreis jährlich an Abschlussfilme von Studenten aus Filmschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz verliehen und soll den Absolventen die „ersten Schritte“ in die Branche erleichtern. Durch mehr als 20 nominierte Beiträge guckt sich Ranisch momentan. Sein Zwischenfazit: „Es ist ein sehr politischer Jahrgang.“ Beeindruckend findet er etwa das Flüchtlingsdrama „After Spring Comes Fall“ des Babelsberger Filmuni-Absolventen Daniel Carsenty, das dreifache Trophäen-Chancen hat.

Trotz seiner erst 32 Jahre zählt Ranisch nicht mehr zum Nachwuchs. „Dabei fühle ich mich doch, als hätte ich erst einen Film gedreht.“ Als ob! Ranisch ist hochproduktiv. Urlaub 2015? Fehlanzeige! Seit vier Wochen hatte er keinen einzigen freien Tag: „Das funktioniert nur, weil alles so viel Spaß macht.“ Für First Steps drehte er mit den Nominierten Einspielfilmchen. In dieser Woche steht das Multitalent schon wieder vor der Kamera – die erste Klappe für den vierten Teil der „Zorn“-ARD-Krimireihe fällt in Halle. Darin spielt Ranisch den pummeligen Schröder – Assistenten des Kriminalkommissars Zorn (Stephan Luca).

Am 21. November kommt Ranischs Tragikomödie „Alki, Alki“ ins Kino. Der Titel ist Programm: Es geht um die Beziehung von Männern und Alkohol. Im Januar verfilmt der Regisseur erstmals ein fremdes Drehbuch – für die ARD. Es geht um einen alten Mann, der einen Staubsauger reparieren will – seine Ehe hängt daran. Sein crossmediales Serienprojekt „Eheberater“ hat Ranisch derweil über den Haufen geworfen – Konkurrenten hatten ähnliche Ideen. Mit seiner Produktionsfirma „Sehr gute Filme“ profitiert Ranisch von der neuen Förderinitiative „Startbüro Babelsberg“ von Filmuni, Medienboard Berlin-Brandenburg und Studio Babelsberg. „Ein Rudel“ Treatments (Kurzformen von Drehbüchern) hat Ranisch mit seinen Ex-Kommilitonen Anne Baeker und Dennis Pauls in den vergangenen Monaten geschrieben. „Der Grundstein für die Filme der nächsten drei Jahre ist gelegt.“

Von Ricarda Nowak

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