Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Berge und Täler aus Wasser

Alpine Landschaft auf dem Meer Berge und Täler aus Wasser

Bekannt sind die Einordnungen „unter“ und „über“ dem Meeresspiegel bei Höhenangaben. Aber das Niveau der Meeresoberfläche variiert selbst, teil um 100 Meter und mehr. Potsdamer Forscher untersuchen die von der Erdanziehungskraft geprägten unterschiedlichen Höhen des Meeresspiegels derzeit in der Ostsee.

Voriger Artikel
Rätselraten in der Potsdamer Wissenschaftsetage
Nächster Artikel
Federn reinigen Luft

Zwischen dem höchsten Meeresspiegel (dunkelrot) und dem niedrigsten (dunkelblau) liegen global gesehen etwa 200 Meter. Im Indischen Ozean liegt das Niveau zum Teil mehr als 100 Meter über oder unter der durchschnittlichen Meeresspiegelhöhe.

Quelle: GFZ

Potsdam. Der Urlaub an die Ostsee führt nicht nur zu plätschernden Wellen und feinsandigen Stränden. Reisende müssen sich auch hier auf „Berge und Täler“ einrichten, gibt das Potsdamer Geoforschungszentrum (GFZ) zu bedenken. Die durchaus beachtlichen Höhenunterschiede warten indes nicht an Land. Höhen und Senken sind mitten im Wasser zu finden. Der Meeresspiegel selbst bildet die Landschaft, bei der die Differenzen zwischen Gipfeln und Mulden 20 Meter und mehr betragen können.

„Für das Auge sind die Berge und Täler nicht sichtbar, aber für die Schifffahrt in relativ flachen Gewässern können sie durchaus von Bedeutung sein“, sagt der Potsdamer Physiker Christoph Förste. Der GFZ-Forscher gehört zu einem Team aus Geo-Wissenschaftlern, Hydrographen, Kartographen, Vermessungsingenieuren und Seeschifffahrts-Experten, das die nahezu alpin anmutende Oberfläche des Wassers mit Hilfe von Schiffen und Satelliten derzeit genau vermisst.

Das im Rahmen des EU-Projekts Famos (Finalising Surveys for the Baltic Motorways of the Sea“) geförderte Vorhaben soll noch vorhandene „Datenlücken“ füllen, um Schiffsrouten über die Untiefen der Ostsee sicherer zu machen. Eingebunden sind Forschungseinrichtungen und Schifffahrtsbehörden fast aller EU-Anrainerstaaten der Ostsee. Vorgesehen sind Investitionen von 15 bis 20 Millionen Euro.

Dabei ist die Berg- und Tallandschaft nicht etwa eine Konsequenz von Wellengang und Strömung. Ursache der dauerhaft geformten Senken und Höhen ist das Schwerefeld der Erde. Die regional unterschiedliche Gravitation zieht das Wasser rund um den Globus mehr oder weniger an und formt so die großflächigen Dellen und Wölbungen, zwischen denen etwa im Indischen Ozean Unterschiede von 100 Metern und mehr liegen können.

Wichtig für den Schiffsverkehr

Die Ostsee gilt als eines der am stärksten befahrenen Meere der Welt. Prognosen nach wird der Schiffsverkehr deutlich zunehmen. „Mit steigender Schiffsgröße wird die Meerespiegel-Höhe immer wichtiger“, sagt Christoph Förste vom Potsdamer Geoforschungszentrum. Die bislang bekannten Daten sind ungenau.

Das aktuelle Messprogramm ist also vor allem auch für den weltweiten ­Warentransport wichtig. Bis Anfang Juli waren die Wissenschaftler noch an Bord des deutschen Forschungs- und Vermessungsschiffs „Deneb“ in deutschen, dänischen und internationalen Gewässern zwischen Rostock, Gedser, Møn und Bornholm auf Tour.

In der Ostsee seien die Differenzen nicht ganz so ausgeprägt, sagt Förste. Aber zwischen Dänemark und St. Petersburg ist im gesamten Verlauf eine unterschiedlich ausgeprägte Schräge feststellbar, die rund 30 Meter Höhenunterschied hat. Was für normale Transporte vielleicht unerheblich scheint, ist für die geplanten „Meeresautobahnen“ des Schiffsverkehrs der Zukunft von entscheidender Bedeutung. „Die Transportschiffe werden immer größer“, so Förste. Der Tiefgang wächst und je flacher das Wasser unter dem Kiel ist, desto mehr Kraft muss für die Fortbewegung aufgewendet werden.

Möglich geworden sind derart genau durchgeplante Schifffahrtswege erst durch Fortschritte in der Navigation per Satellit, die genauere und dreidimensionale Positionsbestimmungen möglich machen. Berge und Täler der Meeresoberfläche können im Rahmen des Projekts mit einer Auflösung von Zentimetern bestimmt werden. Die bislang vorliegenden Daten über die Schwerkraft, die der Formung der Wasserlandschaft zugrunde liegt, sind zum Teil mehr als 40 Jahre alt und lückenhaft.

Anachronistische Messung

Die nächsten Messungen der Forscher finden in schwedischen und internationalen Gewässern zwischen Norrköping südlich von Stockholm und dem nördlichen Ende des Bottnischen Meerbusen Trelleborg statt. Unterwegs sind die Wissenschaftler derzeit mit dem schwedischen Forschungs- und Vermessungsschiff „Jacob Hägg“. Das 36 Meter lange dieselgetriebene Boot wurde nach dem schwedischen Seeoffizier und Schiffsmaler Jacob Hägg (1839 – 1931) benannt und ist mit Echoloten zur Meerestiefenmessung und GPS-Empfängern zur genauen Positionsbestimmung ausgerüstet. Das wichtigste Gerät für diese Messfahrt mutet indes fast ein wenig anachronistisch an:. Die Gravimeter zur Messung der Schwerkraft bestehen praktisch aus einer Art Gewicht, das an einer Feder hängt. Gemessen wird die Schwerkraft in Metern pro Sekunde zum Quadrat über die Streckung der Feder.

Bis Anfang Juli waren die Wissenschaftler noch an Bord des Forschungs- und Vermessungsschiff Deneb, das sonst für die Wracksuche und bei Ölkatastrophen eingesetzt wird, in deutschen, dänischen und internationalen Gewässern zwischen Rostock, Gedser, Møn und Bornholm auf Tour.

Von Gerald Dietz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Studium & Wissenschaft

"Herr Professorin": Sind weibliche Berufsbezeichnungen auch für Männer sinnvoll?

MAZ Sportbuzzer
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg