Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Ein Glashaus für exotische Pflanzen

Bauten der Wissenschaft Ein Glashaus für exotische Pflanzen

Das königliche Hofbauamt ließ 1912 an der Maulbeerallee in Potsdam ein Palmenhaus errichten. Das erste in einer Reihe von Gewächshäusern, die heute zum Botanischen Garten der Universität Potsdam gehören. Die Wege, die als langes Oval durch das Palmenhaus führen, entsprechen noch der originalen Anlage von 1912.

Voriger Artikel
Rehbrücker entwickeln bioaktive Wirkstoffe
Nächster Artikel
Vielleicht geht es auch ohne Dich

Eines der ersten Stahl-Glas-Gebäude in Potsdam: Das Palmenhaus des Botanischen Gartens.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Die Tropenwelt übte im wilhelminischen Deutschland einen großen Reiz aus. Palmen und Bananenstauden hatten die Europäer in ihren Kolonialreichen in Afrika kennengelernt. Auch in den kaiserlichen Gärten in Sanssouci sollte es diese reizvollen exotischen Pflanzen geben, die im europäischen Klima nur in beheizten Gewächshäusern gedeihen konnten. Deshalb ließ das königliche Hofbauamt 1912 an der Maulbeerallee ein Palmenhaus errichten, das erste einer Reihe von Gewächshäusern, die heute zum Botanischen Garten der Universität Potsdam gehören und so im Dienst der Wissenschaft stehen.

Botanischer Garten

10 000 verschiedene Pflanzen beherbergt der Botanische Garten der Universität Potsdam auf einer Fläche von 8,5 Hektar.

Der Eintritt zu den Freianlagen ist kostenlos, für die insgesamt acht Schaugewächshäuser sind zwei Euro, ermäßigt ein Euro zu zahlen, für Schulklassen 50 Cent pro Person.

Kakteen sind im Sukkulentenhaus zu sehen, während im Victoriahaus mit seinem Teichgarten tropische Pflanzen gedeihen.

Rund 50 000 Besucher kommen jedes Jahr, davon schauen sich 22 000 die Schaugewächshäuser an.

Im Vergleich mit anderen Großgewächshäusern, die in der gleichen Zeit entstanden, etwa dem 25 Meter hohen Großen Tropenhaus im Botanischen Garten in Berlin, nimmt sich das Potsdamer Palmenhaus bescheiden aus. Gerade einmal acht Meter hoch, 25 Meter lang und zehn Meter breit ist es. Aber technisch konnte es mit allen vergleichbaren Häusern mithalten. „Die Konstruktionsweise war auf der Höhe der damaligen Baukunst“, erklärt Astrid Fritsche, Kustodin für Architektur und Denkmalpflege bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Die Grundkonstruktion besteht aus massiven Trägern aus genietetem Gussstahl. Daran aufgehängt ist die Außenhülle, die damals aus mit hölzernen Sprossen verbundenen Glasscheiben bestand. Auf der Innenseite liegt das Rohrsystem, mit dem das Glashaus beheizt wird. Das Heizhaus steht gleich nebenan.

Oase in Grün

Oase in Grün

Quelle: MAZ/Archiv

Mit seinem Vorbaugiebel und den schmalen, durch weiße Leisten getrennten Glasscheiben bietet das Palmenhaus heute noch fast den gleichen Anblick wie vor über hundert Jahren. Aber der Schein trügt. Von 1998 bis 2001 fand eine Totalsanierung statt, bei der die komplette Außenhülle ausgetauscht wurde. Die Stahlträger wurden teils restauriert, teils ersetzt. Ausgetauscht wurden auch Glasscheiben und hölzerne Sprossen, streng nach den Vorgaben des Denkmalschutzes, denn seit 1979 steht das Palmenhaus in der Denkmalliste. Das war jedoch schwierig, berichtet Kerstin Kläring, technische Leiterin des Botanischen Gartens. Alle hölzernen Teile der Fassade bestanden aus Tropenholz von Urwaldriesen, die bei Rodungen geschlagen wurden. Aus Naturschutzgründen gibt es solche Hölzer nicht mehr im Handel. Als Ersatz wurde vor 15 Jahren hochwertiges Plantagenholz eingebaut, das sich jedoch als weit weniger resistent gegen die Witterung erwies. Die Holzteile wurden von Pilzen zerstört. „Zuletzt mussten aus Sicherheitsgründen Netze unter dem Dach gespannt werden“, sagt der Berliner Architekt Martin Sellke, der die notwendige erneute Sanierung leitete.

Die Lösung, der auch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten als zuständige Denkmalschutzbehörde zugestimmt hat: Das Holz wurde weitgehend durch einbrennlackiertes Aluminium ersetzt, das in Maßen und Optik ganz dem historischen Vorbild entspricht. „Die Bleche wurden individuell angepasst“, erklärt Sellke. Auch die Schattendecken, die bei Bedarf an Dach und Wänden herabgelassen werden, sehen noch genauso aus wie die hölzernen Originale, sind aber aus Aluminium. Nur der Vorbau besteht auch nach der Sanierung komplett aus Holz und Glas, wie das Original. Für Außenwände wurde jetzt Isolierglas verwendet, mit dem erhebliche Heizkosten eingespart werden können, das Dach musste dagegen erneut in Einfachverglasung ausgeführt werden, weil die Tragkonstruktion sonst das höhere Gewicht nicht verkraftet hätte.

Die Wege, die als langes Oval durch das Palmenhaus führen, entsprechen übrigens noch der originalen Anlage von 1912. Und im Inneren wachsen noch zwei Pflanzen aus dieser Zeit, die gleichzeitig zu den ältesten Pflanzen des Botanischen Gartens gehören. Die mehrstämmige Zwergpalmen sind 140 Jahre alt und standen ursprünglich in der Hofgärtnerei von Sanssouci, bevor sie ihren Platz im Palmenhaus fanden. Großwüchsige Palmen müssen dagegen regelmäßig ersetzt oder an der Spitze gekappt werden, bevor sie die Decke des Glashauses erreichen, genauso wie der Riesenbambus, der seinen Platz an der Nordseite wächst und in der Natur bis zu 40 Meter hoch wird. Wenn der Bambus einen Wachstumsschub hat, kann man ihm beim in die Höhe schießen fast zusehen. Dann legt er 40 Zentimeter am Tag zu.

Von Ulrich Nettelstroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Studium & Wissenschaft

"Herr Professorin": Sind weibliche Berufsbezeichnungen auch für Männer sinnvoll?

MAZ Sportbuzzer
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg