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Café für den Campus

Soziale Infrastruktur Café für den Campus

In der Fachhochschule Potsdam schaffen sich Studierende für ein vorläufig geschlossenes Casino mit einem Café Ersatz. Die neu gegründete Projektgruppe „Viva el Campus“ baut zwei alte Container, die bisher als Lagerhallen dienten, zum temporären Casino namens „CasinOtopia“ aus.

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Im Einsatz für das Casino im Exil: In den Werkstätten des FH-Campus bauen Studierende aller Fachrichtungen schon Fenstertüren.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Allein die Bauzäune, die derzeit das Gelände beherrschen, waren ja schon eine ziemliche Zumutung. Als dann aber auch noch das seit Jahren von Studierenden betriebene und in einem alten Nebenbau auf dem Campus der Fachhochschule Potsdam (FHP) untergebrachte Casino wegen Sanierung für ein Jahr geschlossen werden sollte, war für Yvonne Dera das Maß endgültig voll. „Nur im Bereich vor der Mensa gibt es jetzt noch einen Aufenthaltsort für Studierende“, sagt Dera. Für sie war klar: Für das Casino, in dem FH-Studierende gerne ab 10 Uhr morgens ihren Kaffee tranken und neue Freundschaften schlossen, musste dringend ein Ersatz geschaffen werden. Dera wollte nicht, dass auch noch das letzte bisschen Campus-Leben verloren ging. Das wollten auch ihre Kommilitonen Nicole Anders, Yvo Bermann und Sarah Johannsen vom Studiengang Kulturarbeit nicht. Zusammen gründeten sie die Projektgruppe „Viva el Campus“. Ihr ehrgeiziges Ziel: Zwei alte Container, die bisher als Lagerhallen dienten, zum temporären Casino namens „CasinOtopia“ mitten auf dem Campus ausbauen.

Die FHP selbst unterstützt das Projekt mit 20 000 Euro, der Asta steuert stolze 13 000 Euro bei. Für die Leitung konnten die Studenten den jungen Architekten Alexander Römer vom internationalen Netzwerk Constructlab gewinnen. Römer ist auf solche temporären Gebäude wie das Container-Casino spezialisiert. Im Netzwerk Constructlab spielt auch Improvisieren beim Bauen eine große Rolle. Die Architekten beteiligen sich dabei selbst an den Arbeiten.

„Es geht dabei immer auch ums Ausprobieren“, erläutert Römer. Bei dem aktuellen Projekt hat ihn die Begeisterung der Studierenden mitgerissen. „In einem Workshop im Oktober haben wir die Pläne entwickelt“, sagt Römer. Geklärt werden musste zum Beispiel, welche Genehmigungen ein temporär öffentliches Gebäude brauchen würde. Die Bauaufsicht war aber sehr aufgeschlossen. Beteiligt an den konstruktiven Aufgaben sei jetzt auch die in Berlin und Potsdam beheimatete Dr. Zauft Ingenieurgruppe, die für die Hälfte des üblichen Preises arbeitet.

Seinen Platz hat das ins Exil gegangene Casino bei dem Ausstellungspavillon mitten auf dem Campus zwar schon gefunden. Doch der eigentliche Ausbau ist viel schwieriger, als es sich die Studierenden zunächst gedacht haben. „Es soll schon ein Bau sein, in dem man sich wohl fühlt“, sagt Dera. Laut Konzept soll „eine Bar mit einem etwa 35 Quadratmeter großem Aufenthaltsraum entstehen“. Die Außenwände sollen „überwiegend aus Fenstertüren“ bestehen und „eine helle Atmosphäre schaffen“. Im Sommer sollen sie geöffnet sein, im Winter für Wärme sorgen. Das ist anspruchsvoll.

„Ein solches temporäres Casino ist ein Riesenaufwand“, kann Dera nach den ersten Monaten Arbeit jetzt sagen. „Eigentlich bräuchte man dazu eine Vollzeitstelle.“ Bei ersten Planungen im September schwebte den Studierenden noch eine Art Gesamtkunstwerk vor. In den beiden nebeneinander aufgestellten Containern sollten sich Getränkeausschank und Aufenthaltsraum befinden, auf ihren Dächern Gewächshäuser als eine Art Vorläufer eines gleichfalls auf dem Campus geplanten Gemeinschaftsgartens. Aus den Gewächshäusern wird aber nun nichts.

„Die Statik hatten wir damals nicht berechnet“, sagt Dera. Die dünnen Dächer der Container würden eine solche Konstruktion gar nicht tragen. Verwirklicht werden soll aber der erste Gedanke, dass die Container in eine Holzverkleidung gepackt werden, die wiederum begrünt werden kann. Aber auch dafür müssen die Studierenden zum Beispiel die Auflagen des Brandschutzes erfüllen und die Größe der tragenden Balken nach diesen Auflagen ausrichten sowie Fluchtwege einbauen.

Eine Insel mit Programm

Das Casino ist ein von Studenten der Fachhochschule Potsdam (FHP) selbstverwaltetes Gebäude. Der längliche Klinkerbau mit der Nummer 17 befindet sich am Rand des Campus. Die Studierenden nennen es selbst stolz „eine Insel auf dem Campus“. Die „AG Casino“ besteht aus 15 Studierenden, die zum Beispiel die dort ansässige Gastronomie mit Kaffee- und Getränkeausschank verwalten.

Zum Programm gehört der feste „Tischtennis-Dienstag“, bei dem ab 20 Uhr gespielt wird. Mittwochs ist ab 20 Uhr Kinoabend. Das deutsche Drama „Kriegerin“ steht dabei ebenso auf dem Programm wie die amerikanische Komödie „Kevin allein zu Haus.“ Freitags und samstags treten oftmals Bands auf. Auch größere Parties mit bis zu 250 Besuchern werden vom „Casino“ veranstaltet.

Unter ihren Kommilitonen auf dem Campus rührt die Projektgruppe derzeit kräftig die Werbetrommel. Sie sucht nicht nur Helfer für die konkreten Bauarbeiten, die ab Januar im Freien stattfinden werden, sie brauchte zum Beispiel auch Bauingenieur- und Architekturstudenten, die zusammen mit Römer in der Lage waren, detaillierte Baupläne zu zeichnen. Daneben muss die Gruppe Sponsoren einwerben, die Baumaterial und Einrichtungen zur Verfügung stellen. Auch diese Werbemaßnahmen sind aufwendig.

Für die zehn Mitglieder der AG Casino, die von 10 Uhr morgens bis oft spät in die Nacht Kommilitonen wie Professoren gleichermaßen bewirten, ist das Engagement eine tolle Sache. „Das Casino ist der Treffpunkt für alle Fachbereiche“, sagt AG-Mitglied Stefan Flath. Es gebe dort auch Möglichkeiten für Veranstaltungen wie Kinoabende oder Tischtennisspiele. Auch große Parties finden öfter statt. „Es ist schon eine Umstellung, wenn wir jetzt in kleinere Räume umziehen müssen.“ Aber zumindest schliefe dann der Betrieb nicht ein.

Derzeit arbeiten die Freiwilligen unter Römers Anleitung in den Werkstätten der FH unter anderem an den Flügeltüren. „Das Schöne daran ist, dass wir dieses Projekt mit Studierenden aller Fachbereiche durchführen“, sagt Dera. Aus Sicht der AG Casino ist „CasinOtopia“ damit schon beim Aufbau das, wofür das fertige Haus Anfang kommenden Jahres stehen soll: ein notwendiger Raum für eine lebendige Campuskultur in der Pappelallee. Wenn diese neue Campuskultur sogar anwohnende Nachbarn für einen Kaffee auf das Gelände ziehen würde, wäre das in den Augen von „Viva el Campus“ die Krönung.

Von Rüdiger Braun

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