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Der Strom wird knapp

Regenzeit im Eis Der Strom wird knapp

Dauerregen, Nassschnee und Spalten im Eis: Die Grönlandforscher haben auf ihren letzten Tourkilometern mit widrigen Bedingungen zu kämpfen. Um die 15 Kilometer schaffen sie jetzt nur noch pro Tag. Das miese Wetter lässt die Stromreserven schrumpfen. Die Solaranlagen, die das Team im Gepäck hat, brauchen dringend Sonne.

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Nassschnee auf der Ausrüstung.

Quelle: Privat

Grönland. Ein rasanter Temperaturanstieg macht dem Forscherteam um den Potsdamer Wilfried Korth zu schaffen. In der vergangenen Woche lagen die Temperaturen noch bei minus fünf Grad Celsius und in der Nacht sogar bei minus 20 Grad. Jetzt aber herrschen Plusgrade. Sogar in der Nacht. „Wir haben hier gerade eine Hitzewelle“, kommentiert Korth. Zumindest für Grönland-Verhältnisse. Hierzulande würde man wohl eher von, so Korth, „feuchtkaltem Novemberwetter“ reden. Denn es kommt noch jede Menge Regen dazu. Seit drei Tagen regnet es schon. Das macht die Tour nicht einfacher. „Wir mussten etliche, auch größere Spalten überschreiten, was bei Nassschnee keine lustige Sache ist“, berichtet der Potsdamer.

Es geht also nur noch langsam voran. Nächstes Etappenziel ist das sogenannte Swiss-Camp, das die Forscher am Montag nach 13 Kilometern Fußmarsch erreichen wollen. Das Camp wurde Korth zufolge vor etwa 30 Jahren von Schweizern errichtet und besteht aus drei Tunnelzelten, die sogar mit Tisch, Stühlen und einer kleinen Küche eingerichtet sind.

Aus dem Tagebuch

Sonntag, 30. August 2015

Die Tage werden nicht leichter, aber wir kommen stetig voran.

Heute haben wir in 4:50 h ca. 17 km zurückgelegt und uns dem SWISS-CAMP auf 13 km genähert. Etwas mehr wäre zwar gegangen, aber wir haben jetzt das Lager am Rand einer großen glatten Schneefläche aufgeschlagen. Vor uns liegen wieder einige Kilometer sehr buckeliges und nasses Gelände. Da wollten wir nicht ohne Not hineinlaufen und mühsam nach einem Plätzchen für unsere drei Zelte suchen.

Es waren heute wieder viele Spalten zu überschreiten und noch mehr haben wir unter der Schneedecke wahrscheinlich gar nicht bemerkt. Es haben sich reihum alle mal als Schneebrückensucher betätigt und alle erfolgreich. Langsam bekommen auch die Neulinge Thomas und Tobias einen Blick dafür, wo man sicher gehen kann und welche Stellen man besser gar nicht erst versucht zu betreten.

Das Einzugsgebiet des Kangia Sermia (ilulissat icefjord) haben wir heute wieder verlassen, nachdem wir in den letzten Tagen auf dem Eis unterwegs waren, das buchstäblich zu Tal rast. Jetzt sind wir nicht mehr südlich, sondern nördlich des Eisstroms, eines der schnellsten Gletscher Grönlands, der an der Front eine Geschwindigkeit von ca. 50 Metern pro Tag hat.

Für das Küchenzelt konnten wir sogar noch ein (wahrscheinlich) letztes Mal eine Schneemauer aus großen Blöcken bauen. Beim Mauerbau ist Wilfried unter 25-30 cm solider Schneedecke auf eine verborgene Spalte gestoßen, die diagonal unter unserem Lagerplatz hindurchläuft. Sie ist 50 cm breit, aber nur gut einen Meter tief. Dann kommt Wasser und weitere 30 cm tiefer hartes Eis. Die Spalte ist also mit Wasser vollgelaufen und dann wieder eingefroren.

Wilfried Korth

Zwei Tage lang wollen die Forscher im Swiss-Camp bleiben. Zeit, um „Klamotten zu trocknen“ und auch schon mal ein paar „Daten zu sichten“, erklärt Korth, Professor für Vermessungskunde. Die Forscher wollen anhand ihrer Messungen zeigen, ob und wie sehr das Eis von Grönland im Laufe der vergangenen Jahrzehnte geschmolzen ist. Die visuellen Eindrücke, die die Abenteurer auf ihrer Tour gewinnen konnten, beschreibt der Potsdamer so: Die Flächen, auf denen im Sommer das Tauwasser steht, sind größer geworden.

Von Ute Sommer

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