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Doktortitel für 102-jährige Berlinerin

Von Nazi-Deutschland über USA nach Ost-Berlin Doktortitel für 102-jährige Berlinerin

Ingeborg Syllm-Rapoport ist mit ihren 102 Jahren die wohl älteste Doktorandin der Welt. Im Mai legte die Berlinerin ihre Prüfung ab und bekommt heute in Hamburg ihren Doktortitel verliehen. Der hätte ihr schon viele Jahre zuvor zugestanden. Doch die Rassengesetze der Nazis verhinderten das.

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Ingeborg Syllm-Rapoport hat mit 102 Jahren ihren Doktor gemacht.

Quelle: dpa

Berlin. 77 Jahre nach ihrer schriftlichen Promotion erhält am Dienstag die Berliner Kinderärztin ihren Doktortitel am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Die heute 102 Jahre alte Ingeborg Syllm-Rapoport war im Jahr 1938 in Hamburg nicht zur mündlichen Prüfung zugelassen worden. Der Grund: Ihre Mutter, die Pianistin Maria Syllm, war Jüdin. Damit fiel die damals 25 Jahre alte Doktorandin unter die «Rassengesetze» der Nazis.

Doktorarbeit in Hamburg über Diphtherie
Syllm-Rapoport hatte als Assistenzärztin am Israelitischen Krankenhaus Hamburg gearbeitet und in der Zeit ihre Doktorarbeit zum Thema Diphtherie geschrieben. Ihr Doktorvater Rudolf Degkwitz bescheinigte ihr 1938, «dass diese Arbeit von mir als Doktorarbeit angenommen worden wäre, wenn nicht die geltenden Gesetze wegen der Abstammung des Frl. Syllm die Zulassung zur Promotion unmöglich machten».

Emigration in die USA, dann Ost-Berlin an die Charité
Sie emigrierte in die USA und setzte dort ihre Karriere als Kinderärztin fort. In Amerika lernte sie auch ihren späteren Mann kennen, den Mediziner und Biochemiker Samuel Mitja Rapoport (1912-2004). Beide engagierten sich in der Kommunistischen Partei, was sie Anfang der 1950er Jahre in den USA in Schwierigkeiten brachte. Sie gingen schließlich nach Ost-Berlin. Syllm-Rapoport wurde eine hochdekorierte Professorin für Neugeborenenheilkunde an der Charité.

Mündliche Prüfung mit Bravour bestanden
Als der Dekan der Medizinischen Fakultät am UKE, Prof. Uwe Koch-Gromus, von ihrem Schicksal erfuhr, leitete er eine nachträgliche mündliche Prüfung in die Wege. Diese bestand die 102-Jährige im Mai mit Brillanz, wie er anschließend sagte. Nun soll ihr feierlich die Promotionsurkunde überreicht werden. Sie dürfte die älteste Doktorandin der Welt sein. dpa

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