Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Ein Krimi im Labor

Umwelt Ein Krimi im Labor

Schutzimpfungen für Rinder, Schweine und Geflügel werden in den Ripac-Laboren entwickelt. Die Stoffe sollen das Immunsystem der Tiere anregen. Seit 2007 hat Ripac seinen Sitz im Technologiezentrum Go:In in Golm. Geschäftsführerin Dagmar Köhler-Repp wurde 2014 zur „Unternehmerin des Landes Brandenburg“ gekürt.

Golm 52.4 12.966667
Google Map of 52.4,12.966667
Golm Mehr Infos
Nächster Artikel
Im goldenen Käfig von Golm

Ripac-Chefin Dagmar Köhler-Repp entwickelt Impfstoffe für Rinder, Schweine und Geflügel.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Es ist der erste Versuch, die eigene Geschäftsidee auch im Ausland heimisch werden zu lassen. Im Juni hat die Potsdamer Ripac-Labor GmbH eine Tochterfirma im polnischen Zielona Góra an den Start gebracht. „Für uns ist das ein guter Standort“, sagt Ripac-Chefin Dagmar Köhler-Repp. Zielona Góra ist von Brandenburg aus schnell zu erreichen und liegt zudem in einer landwirtschaftlich geprägten Region. Perfekte Voraussetzungen für das Unternehmen, das Impfstoffe gegen Tierkrankheiten entwickelt.

Das Besondere bei den Ripac-Produkten: Es geht hier nicht darum, Antibiotika in die Ställe zu bringen und so eventuelle Bakterien abzutöten. Vielmehr werden Schutzimpfungen für Rinder, Schweine und Geflügel entwickelt, die das Immunsystem der Tiere anregen sollen. Wenn zum Beispiel der Veterinär in einem Tierbestand ein bestimmtes Krankheitsbild ausmacht, entlarven die Experten im Labor anhand von Tierproben ganz gezielt den verantwortlichen Erreger und produzieren auf dieser Grundlage den passenden Impfstoff.

Ausgezeichnete Chefin

Dagmar Köhler-Repp , Gründerin und Geschäftsführerin der Ripac-Labor GmbH, wurde 2014 zur „Unternehmerin des Landes Brandenburg“ gekürt.

In der Laudatio sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD): „Was als Ein-Frau-Betrieb im elterlichen Keller begann, ist heute zu einem High-Tech-Unternehmen im Wissenschaftspark Golm geworden.“ Die Firmenchefin sei mit ihrem Werdegang „auch persönlich ein Vorbild für die Brandenburgerinnen“.

Seit 2007 hat Ripac seinen Sitz im Technologiezentrum Go:In in Golm. Anfangs genügten 230 gemietete Quadratmeter. Bis heute hat sich die Fläche mehr als verdoppelt.

Diese Dienstleistung bieten die Potsdamer jetzt auch direkt in Polen an. Dafür kooperieren sie mit einem polnischen Labor. Die Geschäftsführung der Tochterfirma ist mit einem deutschen und auch mit einem polnischen Mitarbeiter besetzt. Das mache es leichter, sich auf dem neuen Markt zu etablieren, erklärt Köhler-Repp. „Wir betreten hier Neuland“, sagt sie. Aber die Firmengründerin ist davon überzeugt, dass Ripac mit dem Standort im Osten erfolgreich sein wird. Und wer weiß, vielleicht ist das auch der erste Schritt auf dem Weg zu weiteren Märkten, wie zum Beispiel Ungarn.

In Petrischalen wachsen die Bakterienkulturen

In Petrischalen wachsen die Bakterienkulturen.

Quelle: Köster

Die heute 40-jährige Köhler-Repp machte sich im Jahr 2002 mit Ripac selbstständig – nach ihrem Biologie-Studium an der Freien Universität Berlin. Aus dem Ein-Frau-Unternehmen ist eine Firma mit inzwischen 22 Beschäftigten geworden. Deutschlandweit werden mehrere tausend Kunden betreut. Vom Kleinstbauern bis hin zu großen Viehhaltern. In der Firmenbezeichnung Ripac stecken die Namen gängiger Erreger von Tierinfektionen. Ri emerellen sind fürs Geflügel gefährlich. Diese Bakterien lösen zum Beispiel Hirnhautentzündungen aus. Pa steurellen verursachen Atemwegserkrankungen bei Tieren. Und aufs Konto von C lostridien sowie Escherichia Coli-Bakterien gehen schwerwiegende Darmerkrankungen.

Alle diese Bakterien überraschen immer wieder mit neuen Varianten. „Die Serotypen ändern sich ständig“, erklärt die Biologin. Diese „unendliche Vielfalt“ sei es aber auch, die ihren Beruf so interessant mache. Die Diagnostik sei „wie ein Krimi“, meint Köhler-Repp. Ihre Leute sind ständig auf der Suche nach dem „Fingerabdruck“ eines Bakteriums. In den Laboren von Ripac in Golm lagern Proben aller Bakterienstämme, die die Experten bisher entlarvt haben. Rund 25 000 Proben sind schon zusammengekommen. Bei minus 80 Grad Celsius auf Eis gelegt, sind sie das Kapital, mit dem die Potsdamer Firma arbeitet.

Um die Wettbewerbsfähigkeit und die Zukunft des Unternehmens zu sichern, wird in Golm auch in Forschungsprojekte investiert. Ripac tüftelt mit mehreren Partnern – darunter auch die Universität Potsdam – an innovativen Impfstoffen, die nicht mehr per Spritze in den Tierkörper gelangen sollen. Schließlich ist es für die Tierärzte im Stall sehr aufwendig, jedes einzelne Tier zu behandeln. Dieses Forschungsprojekt wird vom Bundesagrarministerium gefördert. Ende vergangenen Jahres gab es den Förderbescheid über insgesamt 1,6 Millionen Euro. Köhler-Repp freut sich auf die gemeinsame Entwicklungsarbeit: „Das ist toll.“

Von Ute Sommer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Studium & Wissenschaft

"Herr Professorin": Sind weibliche Berufsbezeichnungen auch für Männer sinnvoll?

MAZ Sportbuzzer
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg