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Ein starker Blick zurück

Dauerleihgabe des Sanierungsträgers für das Potsdam-Museum Ein starker Blick zurück

Mehr als zehn Jahre lang porträtierte der Potsdamer Künstler Bernd Krenkel das Holländische Viertel. 30 seiner hauptsächlich in den 1980er Jahren entstandenen Arbeiten wurden vom Sanierungsträger Potsdam erworben, der sie jetzt als Dauerleihgabe an das Potsdam-Museum übergeben hat.

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Horst Müller-Zinsius (l.) und Bernd Krenkel.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Idyllisch und still ist der Blick ins Holländische Viertel, den die ersten, Anfang der 1980er Jahre entstandenen Graphitzeichnungen Bernd Krenkels gewähren – mit Fachwerk, Fenstern, Treppen und Dächern in Hinterhöfen, mit der Kuppel des Landgerichts jenseits der Häuserzeile auf der anderen Seite der heutigen Kurfürstenstraße.

Völlig anders wirkt die unmittelbar daneben gehängte, zehn Jahre jüngere Kohlezeichnung, auf der sehr ähnliche Häuser in schwerer Erschütterung sind, nur noch Fassade, dahinter ein Nichts, das alles eingesponnen mit zittrig dünnen Baugerüsten.

Neben diesen Bildern in Schwarz-Weiß hängen größere Aquarelle und kleinformatige Pastelle aus der Zwischenzeit mit verwinkelten Treppenfluren, rotem Backstein, mit Dachlandschaften und verblüffend entkleideten Häusern, die nach dem Abriss der Fassade die nackte Schlafzimmerwand zeigen, mit eingeschlagenen Scheiben, verloren aufragendem Dachgebälk, Verfall überall.

30 Arbeiten aus der 1982 bis 1992 entstandenen Werkgruppe „Holländisches Viertel“ von Bernd Krenkel wurden dem Potsdam-Museum am Montag vom Geschäftsführer des Sanierungsträgers Potsdam, Horst-Müller-Zinsius, als Leihgabe für eine Frist von zehn Jahren übergeben.

Bis Ende Februar sind sie in einem neuen Sonderausstellungsbereich des Potsdam-Museums gleich neben dem Foyer zu sehen. Krenkel, geboren 1953 im sächsischen Döbeln, kam 1975 zum Studium nach Potsdam und wohnte von 1975 bis 1995 in der Mittelstraße.

Sehr spartanisch war das Leben in der Nr. 10, ihrer ersten Wohnadresse, mit Wasseranschluss und Toilette im Treppenhaus. Nach dem Umzug in die Nr. 14 baute sich die Künstlerfamilie Krenkel in Eigenleistung ein richtiges Badezimmer.

In den letzten Jahren der DDR war das Holländische Viertel städtebauliches Notstandsgebiet. 75 Prozent der Häuser waren verfallen, mehr als 50 Prozent der Wohnungen standen leer. 1992 wurde das Viertel Sanierungsgebiet. Im März 2015 wurde die Sanierungssatzung für das Karree zwischen Friedrich-Ebert-, Kurfürsten-, Hebbel- und Gutenbergstraße aufgehoben.

Das „Herzschlag“-Zitat ist wieder da

Mit Bernd Krenkels Werkgruppe „Holländisches Viertel“ eröffnet das Potsdam-Museum einen neuen Bereich für Sonderausstellungen.

Zentral steht der Bronze-Schriftzug mit dem Zitat „Kultur ist jeder zweite Herzschlag unseres Lebens“ von Hans Marchwitza, der bis zum Umbau 2011 seinen Platz im unteren Foyer des Hauses hatte.


Das Zitat verweist auf eine im Frühjahr anstehende Sonderausstellung zum 50. Jahrestag der Eröffnung des Kulturhauses „Hans Marchwitza“ in dem nach schweren Kriegszerstörungen aufwendig rekonstruierten Alten Rathaus. vo

Für Müller-Zinsius sind die Arbeiten Krenkels „ein starker Blick zurück in die Zeit vor der Sanierung“ und „eindrucksvoller als jede Fotodokumentation“. Der Sammlungsbestand des Potsdam-Museums werde mit der Dauerleihgabe auf „wundersame Weise ergänzt“, sagte Mitarbeiterin Anna Havemann.

Von Volker Oelschläger

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