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Eine „Rostlaube“ für Lehrerbildung in Potsdam

Lernen und Lehren Eine „Rostlaube“ für Lehrerbildung in Potsdam

Das Land Brandenburg hat sich 2012 dazu entschlossen, die Inklusionspädagogik zu einem Schwerpunkt der Lehrerbildung zu machen. Schnell waren die ersten Professoren auf dem Campus und zwängten sich in vorhandene Häuser. Jetzt beziehen sie ein neues Gebäude, wo die Forschung über die Vielfalt des Lernens dank moderne Technik auf die Spitze getrieben wird.

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Die Fassade wird sich farblich ständig verändern und so die Vielfalt des Lernens abbilden.

Quelle: Christel Köster

Golm. Seinen Spitznamen hat der längliche Kubus schon weg. Den Ausdruck „Rostlaube“ für das neue Haus der Inklusionspädagogik auf dem Campus Golm übernehmen sowohl Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (SPD) wie auch Uni-Präsident Oliver Günther am Montagmittag in ihren Ansprachen zur Eröffnung des rund 5,1 Millionen Euro teuren Neubaus. Der Ausdruck ist nicht einmal verkehrt: Die Platten, die das Haus bedecken, bestehen aus sogenanntem Cortenstahl, wie Architekt Haie-Jann Krause vom Rostocker Büro Inros Lackner erläutert. Das Material wurde eigens oxidiert, also mit einer Rostschicht überzogen. Doch die Architekten haben sich etwas dabei gedacht.

„Die Fassade wird sich permanent verändern“, sagt Krause. Damit wollten die Architekten bewusst ein Symbol für Heterogenität, also Vielfalt, schaffen. Heterogenität wird nämlich das Thema von Forschung und Lehre sein, mit dem die hier arbeitenden sechs Professorinnen und Professoren und ihre rund 35 Mitarbeiter das Feld der Inklusionspädagogik letztlich mit bundesweiter Ausstrahlung beackern wollen.

Kampf um kluge Pädagogen

Inklusionspädagogik erlebt derzeit deutschlandweit einen Hype. Entsprechend groß ist der Kampf um die klugen Köpfe, die in diesem Bereich forschen. Christian Huber, der die Professur emotionale und soziale Entwicklung, übernehmen sollte, wurde schon wieder nach Wuppertal abberufen. Vakant ist auch eine Professur mit dem Förderschwerpunkt Sprache.

Eingezogen ins Haus sind bereits vier Professorinnen und Professoren. Sie befassen sich mit Forschungsmethoden, der Vielfalt von Bildungsprozessen, Lernen und Inklusion allgemein.

Im März 2012 hatte die Landesregierung beschlossen, die Inklusionspädagogik als neuen Schwerpunkt an der Universität Potsdam auszubauen. In einem wahren „Besetzungsmarathon“, wie die Dekanin der Fakultät, die Kognitionswissenschaftlerin Barbara Höhle, sich zur Begrüßung ausdrückt, sei das notwendige wissenschaftliche Personal herbeigerufen worden. Das musste sich aber in vorhandenen Häusern zusammendrängen. Für eine gute Forschung war die Situation nicht optimal. Recht schnell folgte die Entscheidung des Landes, dem neuen Forschungsschwerpunkt ein eigenes Haus zu verschaffen. Auf 950 Quadratmetern Nutzfläche finden Wissenschaftler wie Antje Ehlert nun Büros und Seminarräume. Vor allem gibt es moderne Forschungsinfrastruktur.

Eine Kabine zum Messen des EEG ist ebenso vorhanden wie ein Anlage zur Analyse der Augenbewegung oder Lernlabore und Anlagen zur 3D-Bewegungsanalysen. Die Golmer Forscher wollen damit weg von der theoretischen Diskussion über die vermeintlich besten Lernformen hin zur harten Datenerhebung kommen und herausfinden, was beim Lernen wirklich geschieht. Zum Beispiel kann im sogenannten Lehrlabor an Computern getestet werden, mit welchem Aufgabentyp und unter welchen Bedingungen Schüler am besten zurechtkommen.

Der Graben zwischen Forschung und Anwendung in der Pädagogik sei noch ziemlich groß, sagt Wissenschaftsministerin Sabine Kunst. Diesen sollten die Forscher hier schließen und konkrete Lehrkonzepte entwickeln, durch die Menschen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen zum Lernerfolg geführt werden könnten. Es sei das gesellschaftliche Ziel, „dass Schüler, die, egal mit welchen Schwierigkeiten belastet, mitgenommen werden und einen schulischen Abschluss erreichen“, so Kunst.

Damit sie dieses Ziel nie aus den Augen verlieren, erinnert das Haus die Forscher auf Schritt und Tritt an diesen Auftrag: Flure, Wände und Türen sind in starken Kontrasten gehalten, sodass auch Sehbehinderte sich zurecht finden, die Räume sind durch Braille-Schrift gekennzeichnet, durch die breiten Türen passen auch Rollstühle und die extra niederen Türklinken werden auch von Rollstuhlfahren erreicht.

Junge Forscherinnen wie Tanja-Maria Ewald schwärmen von dem „Luxus, der uns geschenkt wurde“. Nicht nur die Forschungsinfrastruktur sei hervorragend. Erstmals habe sie ein eigenes Büro.

Von Rüdiger Braun

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