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Erinnerung an das „Kahlschlagplenum“

Verbotene Filme im Potsdamer Filmmuseum Erinnerung an das „Kahlschlagplenum“

Im Dezember jährt sich das umfassendste Filmverbot der deutschen Filmgeschichte zum 50. Mal. Nach dem 11. Plenum des ZK der SED wurde fast eine ganze Jahresproduktion des Defa-Studios für Spielfilme verboten. Das Filmmuseum erinnert in Kooperation mit der Defa-Stiftung mit einer Foyerausstellung, einer Filmreihe und einer Publikation an die Ereignisse.

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Ursula Keitz in der Foyerausstellung.

Quelle: Christel Köster

Innenstadt/Babelsberg. Das 11. Plenum des Zentralkomitees der SED löste Ende 1965 eine Schockwelle aus, von der sich der Kulturbetrieb der DDR nie mehr erholen sollte. Mit zwölf der insgesamt 16 in jenem Jahr entstandenen Defa-Spielfilme wurde fast eine komplette Jahresproduktion des Babelsberger Filmmonopolisten verboten. Der bekannteste von ihnen war „Spur der Steine“, der es als einziger wenigstens noch bis zur Uraufführung schaffte, bevor er im Giftschrank verschwand.

Das Filmmuseum Potsdam, die Filmuniversität Babelsberg und die Defa-Stiftung erinnern mit einer Foyerausstellung „Gestört, verhindert, zensiert – Die verbotenen Filme der Defa 1965/66“, einer Kinoreihe mit den weitgehend rekonstruierten Fassungen von elf dieser „Plenumsfilme“ sowie einer begleitenden Publikation an diese Vorgänge.Die Ausstellung wird am heutigen Donnerstag um 18 Uhr eröffnet. Nach Einschätzung von Ursula Keitz, die das Projekt als Direktorin des Filmmuseums und Professorin für Filmbildung und Filmforschung maßgeblich betreute, gab es zu diesem Thema noch keine so umfangreiche Aufarbeitung und Präsentation.

Keinem der beteiligten Studenten mit ihren 22 oder 23 Jahren seien das deutsche Nachkriegskino oder der VEB Defa-Studio für Spielfilme ein Begriff gewesen, ganz zu schweigen von einer nur Insidern geläufigen Materie wie dem Plenum des ZK der SED. Diese Ahnungslosigkeit aber sei eine „ideale Voraussetzung für einen völlig freien und unvoreingenommenen Zugang zu dem Thema“.

Recherchiert wurde im Archiv des Filmmuseums. Jeder Student übernahm bei dem über ein Jahr laufenden Projekt die Patenschaft für einen Film – beginnend mit der Analyse des Werks bis zur Sichtung, Auswahl und Aufbereitung des verfügbaren Archivmaterials.

Vorausgegangen war dem kulturpolitischen Kahlschlag von 1965 eine kurze, nach dem Mauerbau einsetzende innenpolitische Liberalisierungsphase, in der, so Keitz, „kritisch diskutiert wurde, was diesen Staat ausmacht“. Eine junge Generation von Filmemachern beteiligte sich mit Leidenschaft, mit kritischen Themen und ästhetischen Entwürfen, die der Parteiführung bald zu weit gingen. Verboten wurden die Filme aus unterschiedlichsten Gründen. „Spur der Steine“ ging gegen die sozialistische Wirtschaft, „Karla“ und „Denk bloß nicht, ich heule“ rüttelten am Bildungssystem, „Der verlorene Engel“ über Ernst Barlach im Dritten Reich wurde aus ästhetischen Gründen zensiert.

Ausstellungseröffnung im Filmmuseum

Eröffnung der Foyerausstellung „Gestört, verhindert, zensiert“ im Filmmuseum an diesem Donnerstag um 19 Uhr. Um 20 Uhr läuft mit „Berlin um die Ecke“ (Regie: Gerhard Klein) der erste „Plenumsfilm“.

Die Ausstellung läuft bis zum 6. März, das Filmprogramm wird am 17. November mit „Das Kaninchen bin ich“ (Regie: Kurt Maetzig) fortgesetzt.

Die von der Defa-Stiftung herausgegebene Begleitpublikation soll im Januar im Berliner Zeughauskino und im Filmmuseum präsentiert werden.

Weitere Informationen im Internet auf www.filmmuseum-potsdam.-de

Die Studenten haben die Filme je nach Verbotsmotiv kategorisiert. Eine Kategorie nannten sie „Glücksträume“. Eigen ist diesen Filmen ein sehr schroffer Alltag. „Fräulein Schmetterling“ gehört dazu und „Das Kaninchen bin ich“. Diese Literaturadaption von Kurt Mätzig ist der Namenspate für die Bezeichnung „Kaninchenfilme“, unter der man die Plenumsfilme nach dem Mauerfall erstmals zeigte, bis sie fast alle für weitere 25 Jahre vergessen wurden.

Von Volker Oelschläger

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