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Weinrot geht immer gut

Devotionalien jenseits des Glaubens Weinrot geht immer gut

Mit vielen anderen Universitäten vor allem in den USA können Potsdamer Hochschulen zwar nicht mithalten, Fanartikel vom Kugelschreiber bis zum Kapuzenpulli gibt es dennoch ausreichend. Auf Einnahmen von 30 000 Euro pro Jahr kommt etwa der Potsdamer Unishop durch die Nutzung verschiedener Vertriebswege.

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Produkte mit dem Uni-Logo werden gut nachgefragt.

Quelle: Uni Potsdam

Potsdam.. Ein riesiger Supermarkt mit allen denkbaren Klamotten vom T-Shirt über die Jogginghose bis hin zum Kapuzenpullover wie auf dem Campus der University of California Los Angeles? Oder zumindest ein eigener Verkaufsraum im Hauptgebäude, der täglich geöffnet ist und Kleidung oder Tassen mit dem Logo der Uni en masse über den Tisch reicht wie an der Humboldt-Universität (HU) zu Berlin? Davon kann der Teilzeit-Chef des Potsdamer Unishops, Martin Nelk, nur träumen. „Wir haben einen Präsenzshop auf dem Campus Am Neuen Palais im Haus 9“, sagt er. „Wir können ihn aber leider nicht ständig als Verkaufsraum nutzen.“

Nur zweimal in der Woche werden dort die Schränke für eine Stunde aufgeschlossen. Ansonsten wird der Raum für Tagungen und Gruppensitzungen genutzt. Um seine T-Shirts, Pullover, Tassen und Kugelschreiber unters studentische Volk zu bringen, nutzt der Potsdamer Unishop deshalb noch zwei weitere Vertriebswege: das Internet natürlich und einen Verkaufstisch, der wöchentlich möglichst einmal auf jedem der drei Campi aufgebaut wird. Hinter der ausgelegten Ware stehen Studierende, die dieses Geschäft inklusive Marktanalyse beim Lehrstuhl Marketing II von Uta Herbst als Studienleistung angerechnet bekommen.

Mit diesen drei Verkaufswegen schafft der Potsdamer Unishop immerhin gut 30 000 Euro Einnahmen im Jahr. Das ist mehr, als andere Hochschulen in Brandenburg erreichen. Die haben nämlich wie etwa die Brandenburgische Technische Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg überhaupt keinen Shop. Dabei gibt es in der Lausitz besonders bei den dortigen ausländischen Studierenden durchaus eine Nachfrage, wie Sprecherin Susett Tanneberger sagt.

„Besonders wenn die Leute wieder gehen, stellen sie uns ganz offen die Frage, ob es nicht ein T-Shirt oder einen Pullover mit BTU-Aufdruck gibt.“ Bisher musste die Frage immer verneint werden. Die Universität plant aber, schon diesen November einen Souvenir-Laden einzurichten.

Bayern München fürs Leben

Merchandising könnte man auch als jene Schallmauer bezeichnen, die eine Marke durchbrechen muss, um selbst zur Ware zu werden. So hat der Stuttgarter Autobauer Porsche eine eigene Abteilung für Merchandising-Produkte. Vom Weinflaschenverschluss mit Porsche-Emblem über den Sportrucksack mit „Porsche“-Aufdruck bietet die Palette alles. Natürlich verkauft „Porsche“ auch noch Autos, zum Beispiel als Modell für lässige 109 Euro.


ist nicht nur deutscher Fußballmeister, sondern auch Meister in Sachen Selbstwerbung . Der Verein lässt die Besucher seiner „Erlebniswelt“ in der Münchner Werner-Heisenberg-Allee 25 für stolze 12 Euro eine „Via triumphalis“ entlang spazieren und in der Hall of Fame goldene Fußballschuhe von Franz Beckenbauer bewundern. Im „Megastore“ können sie sich dann von der Bekleidung über Büroartikel bis hin zum Bettzeug und Duschgel fürs Leben eindecken.

Andere Hochschulen in Deutschland mussten ihre Läden wieder aufgeben – wie die Universität Rostock, die die Ladenfläche der Textilfabrik „Danilo Wiehler“ im Unigebäude wegen akutem Büromangel selbst brauchte. Jetzt ist Wiehler mit dem Uni-Shop ganz ins Internet gegangen. „Es ist nicht so, dass man von den Hochschulartikeln alleine leben könnte“, sagt Mitarbeiterin Anja Heller. Wenn die Hochschule selbst etwas ordere, sei das Budget meist sehr beschränkt. Und die Studierenden als Einzelkäufer seien auch nicht gerade als wohlhabend bekannt. „Wir haben hier schon andere Margen, als der normale Einzelhandel“, so Heller.

Die „Marke Uni“ unters studentische Volk zu bringen sei eben schwer, seufzt der Potsdamer Nelk. Aber zumindest jetzt zu Semesterbeginn sei einiges möglich. „Im Moment spielt das Weihnachtsgeschäft eine große Rolle“, sagt Nelk. Der Verkauf von warmen Pullovern – im vergangenen Jahr gingen die weinroten und die grauen Exemplare ganz gut – bringe um die 4500 Euro Umsatz.

Obwohl viele Produkte des Unishops praktisch und mit 36 Euro für einen Pullover auch nicht überteuert sind: richtige Sehnsucht nach der Marke Uni lässt sich deutschen Studenten kaum einimpfen. Wenn in einem Dreivierteljahr mal 70 Pullover mit dem Aufdruck „Universität Potsdam“ verkauft werden, ist das schon ziemlich viel. Pullover gingen überhaupt am besten, sagt Nelk. Die kaufen auch Erstsemester gerne zusammen im Paket mit Tassen und Blöcken. Trotz der allgemeinen Zurückhaltung erweitert Nelk das Portfolio regelmäßig. Demnächst werde ein nobles Schreibset mit Etui, innen ein Kuli und ein Faserschreiber, ins Sortiment aufgenommen. Als „Mitnahmeartikel“ funktionierten kleine Quietscheentchen mit Doktorhut ganz gut. Die chinesischen Produkte sind für drei Euro auch günstig zu haben. Überall mit drauf: das Logo der Universität Potsdam.

Noch schwerer zu kämpfen als Nelk hat die Fachhochschule Potsdam (FHP). „Wir haben an der FHP keinen Hochschulshop, da wir das personell und abrechnungstechnisch nicht stemmen können“, teilt Sprecherin Birgit Lißke auf Nachfrage mit. „Gleichwohl haben wir immer ein paar Merchandising-Produkte auf Lager, angefangen von Bleistiften, über Blöcke, USB-Sticks, Tassen bis zu T-Shirts.“

Diese wurden von der in der Stabsstelle Kommunikation arbeitenden Designerin Angela Müller gestaltet. Die Artikel werden jedoch nicht verkauft, sondern zum Beispiel bei Konferenzen wie dem Archivtag oder der Restauratoren-Tagung an die Besucher ausgereicht. Außerdem gibt es jeden Herbst für die Erstsemester einen blauen FHP-Beutel. Dieses Jahr bekamen sie einen Rucksack aus Leinen, der auch gestandenen FHP-Studenten gefiel. Ein Geschäftsmodell wird daraus wohl trotzdem nicht.

„Es gab mal Überlegungen, einen Hochschulshop zu schaffen“, weiß Müller. Das habe man aber bald wieder aufgegeben. „Das alles muss finanztechnisch geregelt sein und ordentlich im Haushalt ausgewiesen werden“, erklärt sie. Ein ordentlich geführter Hochschulshop würde wohl eine Stelle benötigen. Das sei bei der geringen Nachfrage der rund 3000 FHP-Studierenden nicht rentabel. Interesse an sich gibt es schon. Immer wieder fragen Studierende nach, erläutert Müller, ob sie eines von den blauen FHP-T-Shirts, die bei öffentlichen Veranstaltungen der Hochschule als Einheitslook getragen werden, behalten dürfen.

Dass die Merchandising-Produkte durchaus geschätzt werden, kennt auch UP-Transfer-Mann Martin Nelk von diversen Anfragen her. Keine Schwierigkeiten mit dem Absatz hätte er nämlich, wenn er die Produkte in seinem Lager einfach verschenken würde. So frage die Univerwaltung manchmal an, ob er nicht für eine gerade stattfindende internationale Konferenz mal eben 20 T-Shirts spenden könne. Das seien „unrealistische Forderungen“, sagt Nelk. „Wovon soll ich denn dann meine Leute bezahlen?“ Die eineinhalb Stellen für den Potsdamer Unishop sind ein fester Ausgabenposten von UPtransfer.

Von Rüdiger Braun

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