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Federn reinigen Luft

Vom Abfall zum Filtermaterial Federn reinigen Luft

Federn sind in der Lage, Formaldehyd aus der Luft zu filtern. Potsdamer Polymerforscher wollen die als Schlachtabfälle anfallenden Bio-Produkte nutzen und gegebenenfalls die Industrie einbinden.

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Will Federn verheiraten: IAP-Forscher Ruben Rosencrantz

Quelle: IAP

Golm. Federn, derzeit massenhaftes Abfallprodukt aus brandenburgischen Geflügelschlachtereien, könnten bald im großen Umfang nutzbar gemacht werden. Der heute oft achtlos verbrannte Müll steht mit im Zentrum einer neuen Abteilung, die am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (IAP) in Golm aufgebaut wurde. Der Bereich „Funktionale Proteinsysteme“ mit etwa einem Dutzend neuen Mitarbeitern des IAP, das insgesamt 200 Beschäftigte zählt, hat sich Ehen verschrieben. „Verheiratet werden sollen Biobausteine mit Kunststoffteilen“, wie der Biologe und Chemiker Ruben Rosencrantz vom Institut schmunzelt. Die Geflügelfedern enthalten in großen Mengen das Protein Keratin, das in der Lage ist, Formaldehyd aus Gebäudeluft zu filtern, die mit dem Giftstoff belastet ist oder in entsprechenden Atemmasken eingesetzt werden kann.

Formaldehyd, das Haut und vor allem Atemwege bis hin zur Lebensgefahr reizen kann und obendrein krebserregend ist, wurde in großen Mengen in Nutzgebäuden der 1970er Jahre für Baumaterialien wie Spanholzplatten eingesetzt. Entweder die Stoffe belasten Beschäftigte in noch nicht sanierten Gebäuden oder fallen bei entsprechenden Aufarbeitungen als Giftstoffe in der Luft an und werden bei Abriss zu schwer zu deponierendem Sondermüll. Das Bio-Protein Keratin ist in der Lage Formaldehyd an sich zu binden. Solcher Abfall könnte dann sogar als Füllmaterial bei Straßenbauarbeiten dienen.

Schon heute werden Keratine als Zusatzstoffe in Shampoos eingesetzt. Hier allerdings als kleinste Partikel. In der institutseigenen Spinnerei könnte das Biopolymer indes zu für Filter gebräuchlichen Fasern versponnen werden. Bei anderen Stoffen ist das IAP hier schon im Auftrag von Firmen der chemischen Industrie tätig. Auch im Falle von Keratin könnte die Region wirtschaftlich nicht unerheblich profitieren. Rosencrantz hat Kontakte zum Landesbauernverband geknüpft, um Geflügelschlachtereien mit in das Projekt einzubinden, die so ihre Abfälle zum verwertbaren Produkt machen könnten. Aber auch Kooperationen mit Filterstoff-Produzenten seien denkbar.

Die Abteilung Funktionale Proteinsysteme ist eine von insgesamt zweien, die vor einem Jahr vom neuen IAP-Leiter Alexander Böker, der zuvor Direktor des Leibniz-Institut für Interaktive Materialien in Aachen war, in Golm etabliert wurden. Die andere „Funktionsintegrierte Polymerfilme“ befasst sich mit neuartigen Frischhaltefolien.

Von Gerald Dietz

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