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Finanzielle Hürden bremsen Erfinder aus

Patente in Brandenburg Finanzielle Hürden bremsen Erfinder aus

Brandenburger sind keine großen Erfinder. Das könnte man glauben, wenn man auf die jüngsten Zahlen blickt. Die Patentanmeldungen sind deutlich weniger, als noch vor zehn Jahren. Doch so ein Patent ist nicht billig – und es gibt viele Hürden, die kluge Köpfe ausbremsen.

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Brandenburger melden vergleichsweise wenig Patente an.

Quelle: dpa

Potsdam. Sich Erfindungen patentieren zu lassen, ist nicht billig. Oft sind die damit verbundenen Kosten für kluge Köpfe in Brandenburg ein Hindernis dafür, mit ihren Erfindungen auf den Markt zu gelangen. Das spiegelt sich auch in den Zahlen des Bundespatent- und Markenamts aus München wider. Demnach ist die Zahl der Patentanmeldungen in Brandenburg im Jahr 2014 verglichen mit den beiden Vorjahren zwar leicht gestiegen, doch die 327 angemeldeten Patente sind weiter deutlich weniger als noch vor zehn Jahren. Im Jahr 2006 waren es noch 428 Anmeldungen.

Im bundesweiten Ranking schafft es Brandenburg so gerade mal auf den fünftletzten Platz. Zwar wurden im Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern 2014 nur halb so viele Patente wie in der Mark angemeldet, aber zur angrenzenden Metropole Berlin mit 867 Anmeldungen besteht noch deutlich Luft nach oben. Erst recht zum Spitzenreiter Bayern mit 15 533 Anmeldungen.

Finanzielle Bedingungen in Industriezentren besser

Ein Grund für das auffallende Ungleichgewicht sind nach Auskunft der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) auch die Unternehmensstrukturen. So steckten hinter den Patentanmeldungen oft große Mutterkonzerne in Westdeutschland.

„Die finanziellen Rahmenbedingungen sind in den großen Industriezentren bedeutend besser als in Brandenburg“, erklärt Andreas Bohlen von der UP-Transfer an der Universität Potsdam. Das Unternehmen organisiert den Wissens- und Technologietransfer der Hochschule und fungierte bislang neben der ZAB als Kooperationspartner der Patentverwertungsagentur des Landes, „Brainshell“.

Das Projekt ist Bohlen zufolge derzeit in der Schwebe. Hintergrund sei die 2015 ausgelaufene Förderung durch das Land. Doch für dieses Jahr erwartet er eine Lösung in dieser Angelegenheit, damit Erfindern wieder effektiv unter die Arme gegriffen werden könne.

Universitäten kämpfen mit den Finanzen

Und nicht nur „Brainshell“ kämpft mit den Finanzen, auch die Universitäten. „Bei einem Patentierungsbudget von 30 000 Euro im Jahr ist nicht viel drin“, erklärt Bohlen für die Universität Potsdam. Denn die Kosten für Recherche und Patentanwälte seien nicht zu unterschätzen.

Das weiß auch der Vorsitzende des Erfinderclubs Berlin, Peter Stepina. Der Club vereint Erfinder aus Berlin und Brandenburg. „Da sitzt der Hausmann neben der Ärztin, der Nobelpreisträger neben einem Arbeitslosen“, verweist Stepina auf die bunte Mischung der Stammtischteilnehmer. Doch ihre Probleme seien oft identisch. „Die Patentanmeldegebühr ist recht niedrig. Aber regelmäßig braucht man einen teuren Patentanwalt“, sagt der Erfinder. Dazu kämen die Recherchekosten sowie jährlich steigende Verlängerungsgebühren. Vor allem entstünden in jedem Land, in dem eine Anmeldung erfolge, weitere Kosten. „Für ein Europa-Patent zahlen Sie schnell mal 20 000 Euro und mehr.“ Ein Weltpatent der wichtigsten Staaten sei kaum unter 50 000 Euro zu haben.

Gefördert werden die, die am lautesten schreien

Aber Stepina weiß auch, dass die Anmeldezahlen alleine nicht genug über das Erfinder-Potenzial eines Landes aussagen. „Von 100 Patenten werden eh nur drei bis fünf ein Erfolg“, erklärt er. Dennoch meldeten zum Beispiel Japaner extrem viele Patente an. Dies sei allerdings der dortigen Philosophie geschuldet, gleich „flächendeckend“ das gesamte Umfeld abzusichern. „Außerdem kommen viele Erfindungen aus der Industrie. Wo also weniger Industrie ist, gibt es auch weniger Erfindungen“, schlussfolgert Stepina.

Gefördert werden Stepina zufolge nach wie vor diejenigen, die am lautesten schreien: „Die Lobbyisten der einschlägig bekannten Industrien.“ Für die Kleinen gelte: „Erfahrungsaustausch ist die billigste Investition.“

Ob sich Brandenburg in der bundesweiten Liste der Patentanmeldungen weiter nach oben gekämpft hat, zeigen die Zahlen für das Jahr 2015. Nach Auskunft des Patentamts sollen sie noch im März veröffentlicht werden.

Von Christian Bark

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