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Forschungskraft nach außen tragen

Hochschulen im Büchermarkt Forschungskraft nach außen tragen

Auch Potsdamer Hochschulen haben eigene Verlage gegründet, um ihre Forschungsarbeiten zu veröffentlichen. Beispielsweise ist der Verlag der Fachhochschule Potsdam auf diese Art und Weise im Wettbewerb um Fördermittel und kluge Köpfe aktiv.

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Rainer Funke, Vizepräsident der Fachhochschule, hatte die Idee des FH-eigenen Verlags.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Selbst wer gerade nicht studiert, hat wahrscheinlich schon ihre Namen gehört: „Oxford University Press“, „Harvard University Press“, „Cambridge University Press“. Eine Hochschule, die etwas auf sich hält, hat ihren eigenen Verlag, in dem sie ihre Forschungsarbeiten veröffentlicht und weltweit vertreibt. Das geschieht im angelsächsischen Raum schon lange. In Deutschland nimmt das hochschuleigene Verlagswesen zu. Genauso bekannt zu werden, wie die genannten Verlage der „Ivy-League“, „werden wir wohl nicht so schnell schaffen“, sagt der Vizepräsident der Fachhochschule Potsdam (FHP), der Designtheoretiker Rainer Funke, und lacht. Aber die Latte für den im Herbst 2014 gegründeten „Verlag der Fachhochschule Potsdam“ ist schon recht hoch gelegt: „Wir wollen damit anders als bisher als forschende Hochschule einheitlich in Erscheinung treten“, sagt Funke, der das Projekt mit initiiert hat. Statt zerstreuter Publikationen in Fachzeitschriften und diversen Verlagen strebt die FHP ein Auftreten in der Verlagslandschaft mit einem eigenen Corporate Design an. „Der Verlag soll unsere Forschungskraft nach außen zu tragen“, sagt Funke.

In Zeiten eines schärferen Wettbewerbs um Fördermittel und kluge Köpfe ist es nicht unwichtig, dass eine Hochschule ihre Forschungsstärke und damit auch die Förderwürdigkeit ihrer Projekte gegenüber der Öffentlichkeit belegt. Außerdem streben immer mehr Fachhochschulen danach, Absolventen auch promovieren zu dürfen. Die Fachhochschule Potsdam bildet da keine Ausnahme, wie zum Beispiel der auf das Promotionsrecht drängende Fachbereich Design zugibt. Schon jetzt stellt die FHP Mittel für bis zu fünf Promotionsstipendien zur Verfügung. Auch für solche Ansinnen lohnt es sich, publik zu machen, was man alles erforscht.

Vizepräsident Funke räumt jedenfalls selbst ein, dass die Verlagsgründung nicht zuletzt dem zunehmenden Wettbewerb um Mittel geschuldet ist. „Der Verlag ist für uns auch ein Instrument des Forschungsmarketings“, sagt er. Andererseits spare man aber auch viel Geld, wenn man Beiträge der eigenen Einrichtung nicht von den Fachzeitschriften, in denen sie erschienen sind, teuer ankaufen müsse. Ein Artikel in den renommierten Journalen kann schon mal 100 Euro kosten. Da ist ein hauseigener Verlag schon die bessere Investition. Die Publikation unter einem Dach soll auch die Kommunikation in der FHP selbst beflügeln: „Es macht schon einen Unterschied, ob man die Forschung der Kolleginnen und Kollegen nur zufällig mitkriegt oder ob sie ein Format hat, in dem sie sich einheitlich präsentiert“, so Funke.

„Die Idee eines eigenen Verlags für die Fachhochschule Potsdam hatte ich eigentlich schon seit ich 2013 Vizepräsident der Hochschule geworden bin“, erklärt Funke. Vor einem knappen Jahr hätten er und seine Kollegen Stephan Büttner, Harald Mieg sowie Karen Falke, die Leiterin der Hochschulbibliothek, die Gelegenheit am Schopfe ergriffen, als das Münsteraner Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat der FHP sehr gute Konditionen für eine Zusammenarbeit anbot. Sehr günstig können Forscher und Studierende der FHP gegen eine Pauschale von 200 Euro ihre Arbeit dort einreichen. Die erscheint dann von dort gedruckt, eingebunden im „Hausblau“ der Hochschule und mit einem Titel in einem eigens von dem FHP-Designprofessor Lucas de Groot entwickelten Schrifttyp versehen. Auf dem Buchrücken findet sich der Aufdruck „FHP“ und die jeweilige Erscheinungsnummer.

Seinen Einstand hatte der Verlag erst kürzlich mit dem Buch „Geschichte in den Fächern“. Der Sammelband fasste die Ergebnisse eines sogenannten „Kompetenztisches“ zusammen, eine FHP-interne Veranstaltung, bei der Professoren verschiedener Fachbereiche ein gemeinsames Thema aus ihrer Sicht erörtern. Der vorliegende Band legt zum Beispiel dar, welche Rolle Geschichte und ihre Vermittlung in Fächern wie Design oder Architektur spielt, wo es Gemeinsamkeiten und wo es Unterschiede gibt. Die neue Veranstaltungsreihe „Kompetenztisch“, für die eine geeignete Publikationsplattform gesucht wurde, sei ein nicht unwesentlicher Impuls für die endgültige Gründung des Verlags gewesen, sagt Funke. Vermutlich wird auch der nächste „Kompetenztisch“ mit dem Titel „Potsdam Plus“, der Anfang Dezember Urbanität und ihre Entwicklung weiterdenken will, bald in FHP-blauer Buchform erscheinen.

Der als Koordinator für den neuen Verlag arbeitende Soziologe Joachim Dinter sieht in dem Verlag eine Chance, auch sehr speziellen Themen der FHP eine breitere wissenschaftliche Öffentlichkeit zu ermöglichen. „Es sind sehr niedrige Produktionskosten“, sagt er. Bei den geschätzten Preisen von etwa zwölf bis rund 25 Euro sind die ansprechend gestalteten Bücher auch noch erschwinglich. Veröffentlicht werden die Arbeiten nach dem Prinzip „print-on-demand“, also nur nach ausdrücklicher Anfrage. Nur drei Exemplare sind Pflicht: Zwei für die Deutsche Nationalbibliothek und eines für die Stadt- und Landesbibliothek.

Sechs bis sieben weitere Projekte liegen beim Verlag schon bereit. „Vom Tagungsband bis zur Monografie“, sagt Dinter. Der nächste von den FHP-Wissenschaftlern Tobias Schröder und Michael Ortgiese herausgegebene Band des Verlags werde „Die Zukunft der Mobilität im Raum Berlin-Brandenburg“ heißen. Die Herausgeber fassen die Ergebnisse eines sogenannten „Interflex“-Seminares zusammen. Bei der Reihe „Interflex“ unterrichten immer mehrere Professoren unterschiedlicher Fachrichtung und verbinden die Lehre mit einer kleinen Forschungsarbeit ihrer Studierenden. „Interflex“-Seminare sollen künftig eine eigene Reihe beim Verlag bekommen. Gedruckt werden soll jeweils das beste Projektergebnis von jährlich etwa zehn Veranstaltungen.

Absoluter Vorreiter in Brandenburg ist die Fachhochschule nicht. Die Universität Potsdam hat schon seit 1998 einen eigenen Verlag mit dem weltläufig klingenden Namen „Potsdam University Press“. Aber immerhin ist die FHP die zweite Hochschule in Brandenburg, die ein solches Unternehmen aufzieht. Unter den Fachhochschulen dürfte sie, sieht man von der Fachhochschule Frankfurt am Main ab, sowieso ziemlich die Nase vorne haben.

Von Rüdiger Braun

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