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Der Sieg des Englischen in der Wissenschaft

Kultur und Gesellschaft Der Sieg des Englischen in der Wissenschaft

Der frühere Fachhochschul-Professor Karl-Otto Edel bricht in seinem Buch „Die deutsche Sprache in der Wissenschaft“ eine Lanze für das Deutsche auch in der Zeit der Globalisierung. Auf 524 Seiten schildert Edel, wie Deutsch an Bedeutung verlor, während das Englische die Hörsäle und Konferenzen eroberte.

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Es wird weniger diskutiert, wenn die Anwesenden gezwungen sind, in einer Fremdsprache zu sprechen.

Quelle: fotolia

Potsdam. Eine steile These, die der frühere Professor für Technische Mechanik an der Fachhochschule Brandenburg (FHB), Karl-Otto Edel da vorlegt: Bei einem Wechsel vom Deutschen ins Englische in einem Seminar beteiligt sich plötzlich nur noch ein Drittel der anwesenden Studierenden an der Diskussion. Selbst bei Wissenschaftlern ginge auf Konferenzen die Beteiligung zurück, wenn die Anwesenden gezwungen waren, in einer Fremdsprache zu sprechen.

In einer Zeit, in der Englisch fast selbstverständlich als internationale Wissenschaftssprache akzeptiert ist, wirkt Edels Streitschrift „Die deutsche Sprache in der Wissenschaft“ wie aus der Zeit gefallen. Auf 524 Seiten schildert Edel, wie Deutsch an Bedeutung verlor, während das Englische die Hörsäle und Konferenzen eroberte. Doch Edel möchte auch auf internationalen Tagungen Deutsch sprechen dürfen. Grund: Selbst wenn man glaube Englisch zu können, mit den Feinheiten dieser Sprache, noch dazu in einem so komplexen Feld wie der Wissenschaft, komme ein Fremdsprachler nie so gut zurecht wie ein Muttersprachler. Die Dominanz des Englischen führe letztlich auch zu einer Dominanz des angelsächsischen Raumes bei den Inhalten der Wissenschaft. Ein Beleg: Englischsprachige Publikationen übersehen oft, dass von ihnen das als neu Verkaufte längst schon auf Deutsch erschienen ist. Man mag Edel vieles vorhalten können: Die Behäbigkeit des Stils und die unentschlossene Argumentation, ja, sogar einige Ressentiments gegen die unbesorgte Weltläufigkeit des heutigen Wissenschaftsbetriebs mögen bei ihm eine Rolle spielen. Leichtfertigkeit aber ist sein Fehler nicht. Tatsächlich spricht aus Edel die Sorge über die Qualität der Ausbildung in einem Betrieb, bei dem es in Zeiten von Exzellenzinitiativen und Drittmitteljagden immer mehr auf Oberfläche statt auf Substanz ankommt. Ob das Buch dem von ihm angesprochenen Problem wirklich gerecht wird, steht in Frage. Nicht in Frage steht die Feststellung, dass ein souverän daherparliertes Englisch noch längst kein Beweis für das Verstehen schwieriger Inhalte ist. Diese Zweifel mitten in der Feier einer vermeintlich unproblematischen Internationalisierung laut zu äußern, ist mutig und schon an sich ein Verdienst.

Karl-Otto Edel : Die deutsche Sprache in der Wissenschaft – Wandel, Wirkung und Macht, IFB -Verlag Deutsche Sprache, 524 Seiten, 39,90 Euro

Von Rüdiger Braun

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