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Garnisonkirchen-Aktivist kapituliert in Potsdam

Max Klaar gibt auf Garnisonkirchen-Aktivist kapituliert in Potsdam

Mehr als 30 Jahre hat der konservative Aktivist Max Klaar für den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche gestritten – erst mit der von ihm gegründeten Iserlohner Traditionsgemeinschaft Glockenspiel, dann als deren Vorsitzender mit der Stiftung Preußisches Kulturerbe in Bonn. Doch nun gibt er auf.

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Max Klaar im Mai 2014 bei de Aufstellung eines von der SPKE geförderten Tritons am Neptunbecken im Potsdamer Lustgarten.

Quelle: Volker Oelschläger

Potsdam/Bonn. Der konservative Aktivist Max Klaar hat sich nach mehr als 30 Jahren Lobbyarbeit für den Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam aus dem Projekt zurück gezogen. In seinem letzten, der MAZ vorliegenden Rundbrief informiert er als Vorsitzender der Stiftung Preußisches Kulturerbe in Bonn Freunde und Förderer: „Für uns von Rat und Vorstand heißt es, Abschied zu nehmen vom Ehrenamt, das wir nach fast 32 Jahren in andere Hände geben.“

Das verbliebene Stiftungskapital in Höhe von 850 000 Euro werde an die Hinckelndey-Stiftung Berlin überführt. Förderzweck dieser seit 1993 tätigen Stiftung ist die Pflege preußischer Kulturdenkmäler in Berlin und Brandenburg sowie die Unterstützung in Not geratener Angehöriger der Polizei von Berlin.

Klaar zählte 1984 als Offizier im Iserlohner Fallschirmjägerbataillon 271 zu den Gründern einer Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel (TPG), die 500 000 D-Mark Spenden für die Rekonstruktion des Garnisonkirchen-Glockenspiels sammelte. Das Geläut wurde am 17. Juni 1987 in Iserlohn eingeweiht und – nach dem Mauerfall – am 14. April 1991 auf der Plantage in der Potsdamer Innenstadt aufgestellt. Die TPG sammelte nun Spenden für den Wiederaufbau der Garnisonkirche. Das Projekt von Anfang an umstritten: Kritiker verwiesen auf die Gefahr, dass mit der Kulisse des symbolischen Händedrucks von Hitler und Hindenburg zum Tag von Potsdam am 21. März 1933 ein Wallfahrtsort für Rechtsextreme entstehen könnte.

2001 wurde die Stiftung Preußisches Kulturerbe (SPKE) als potenzielle Trägerin des wieder errichteten Gotteshauses gegründet. Die evangelische Kirche, die einen Wiederaufbau in den 1990er Jahren zunächst abgelehnt hatte, stellte im 2001 ein Nutzungskonzept „The spirit of change – Veränderung ist möglich“ vor. Potsdams damaliger Oberbürgermeister Matthias Platzeck (SPD) sagte, der so genutzte Turm werde zur Bereicherung, nicht zur Belastung. Klaars TPG lehnte das Konzept ab. In seinem letzten Rundbrief bekräftigt er die Ansicht, dass damit „das Symbol Garnisonkirche gebrochen werden soll“.

2007 übergab die TPG nach einer Spenderbefragung mehr als fünf Millionen Euro als „Projektrücklage für den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche“ an die SPKE. Im Februar 2014 stellte der Stiftungsrat fest, das von der evangelischen Kirche und ihrer 2008 gegründeten Stiftung Garnisonkirche verfolgte Konzept eines Internationalen Versöhnungszentrums sei mit dem eigenen Ziel unvereinbar. Im April 2014 wurde bekannt gegeben, dass die Projektrücklage der SPKE von damals 6,3 Millionen Euro bis Ende 2015 aufgelöst wird. Das Geld sollte vorrangig für die Sanierung kirchlicher Projekte fließen. Zu den letzten Empfängern zählten laut Rundbrief im November 2015 die Evangelisch-Lutherische Christusgemeinde in Potsdam, an die 125 000 Euro für die Sanierung der Kirche und des Pfarrhauses gingen, sowie die Evangelische Kirche Bornstedt, für deren Sanierung 303 000 Euro überwiesen wurden.

Die Annahme von Spenden der SPKE war umstritten, weil Klaar offen nationalkonservative Positionen vertritt. Im letzten Rundbrief wiederholte er früher publizierte Textpassagen, in denen er die alleinige Verantwortung Deutschlands für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in Frage stellt. Die evangelische Kirche hatte ihre Gemeinden wegen dieser Äußerungen deshalb im Juni aufgefordert, auf weiteres Geld von der Stiftung zu verzichten.

Von Volker Oelschläger

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