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Der Gerätepark für den Geophysiker

Mein Handwerkszeug Der Gerätepark für den Geophysiker

Hunderte geophysikalische Geräte hält das Geoforschungszentrum (GFZ) in mehreren Räumen auf dem Telegrafenberg in Potsdam und in Niemegk vor. Institute aus dem ganzen Bundesgebiet können vor allem Sensoren und Rekorder ausleihen. Leiter des Gerätepools ist der Geophysiker Christian Haberland.

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Christian Haberland in seinem „Reich“, dem Gerätepool.

Quelle: Rüdiger Braun

Potsdam. Was dem Normalbürger seine Autovermietung, ist dem Geowissenschaftler sein „Geophysikalischer Gerätepool Potsdam“. Auf dem Telegrafenberg in Potsdam und in Niemegk hält das Geoforschungszentrum (GFZ) in mehreren Räumen Hunderte geophysikalische Geräte, vor allem Sensoren und Rekorder vor, die Institute im ganzen Bundesgebiet ausleihen können und tatsächlich auch ausleihen.

„Wir sind ein Institut der Helmholtz-Gemeinschaft und haben uns auch zur Aufgabe gemacht, die Infrastruktur bereitzustellen, die für die Forschung gebraucht wird“, sagt der Leiter des Gerätepools, der Geophysiker Christian Haberland. Es wäre extrem kostenaufwendig, wenn jedes geowissenschaftliche Institut der Republik einen eigenen vollständigen Gerätepark und womöglich auch Techniker zu dessen Wartung vorhalten müsste. Vernünftiger sei es, diese auf einem Ort zu konzentrieren und sie bei Bedarf mal an die Uni Kiel, die Uni München oder die Uni Potsdam zu verleihen, erläutert Haberland.

„Im Wesentlichen handelt es sich um Rekorder, an die man beispielsweise seismische Sensoren anschließt“, sagt Haberland. Mehr als 800 solcher Rekorder stehen in den Regalen des Gerätepools. Man kann mit ihnen nicht nur Erdbeben aufzeichnen, sondern auch simulierte Erschütterungen. Solche Versuche machen Geowissenschaftler, um etwas über die verschiedenen Erdschichten in einem Gebiet herauszufinden. „Weicheres Sediment liegt oft auch kompakterem Material auf. Das kompakte Material wirkt dann wie ein Spiegel für Erschütterungen“, sagt Haberland.

Eine weitere Sparte des Geräteparks sind sogenannte magnetotellurische Instrumente. „Auch mit Hilfe von elektromagnetischen Wellen kann man Untergrundstrukturen erforschen“, sagt Haberland. Das GFZ leiht verschiedene sogenannte Magnetometer, Induktionsspulen und Elektroden zur Messung dieser Felder aus. Auch diese Sensoren werden an die Rekorder angelegt, die diese Daten erfassen.

„Es gibt am GFZ eigens eine Arbeitsgruppe, die die Geräte pflegt, entwickelt und wartet“, sagt Haberland. Bis zu sechs Mitarbeiter, die sonst auch als Wissenschaftler und Mitarbeiter in verschiedenen GFZ-Bereichen tätig sind, sind mit dieser Aufgabe betraut. Neu ist die Idee eines solchen „Geräteparks“ für Wissenschaftler übrigens nicht. Schon in den 80er-Jahren entstanden in den USA entsprechende Gerätepools.

Zweimal im Jahr können Institute Anträge in Potsdam einreichen Bis zu 30 können es jedes Mal schon werden. Da ist zum Beispiel eine Forschergruppe, die zwei Jahre lang 30 Sensoren in einem Erdbebengebiet in Chile aufstellen will, eine andere Gruppe möchte vielleicht nur zwei Wochen lang ein bestimmtes Sedimentbecken vermessen. „Parallel können wir schon eine ganze Reihe von Projekten bedienen“, sagt Haberland. Manchmal müssten Gruppen auch einen anderen Gerätetyp nutzen oder ihr Projekt verschieben, weil die entsprechenden Geräte gerade nicht verfügbar sind. Doch solche Überschneidungen sind eher die Ausnahme. Eine Ausnahme  ist auch der Verleih an kommerzielle Firmen, die beispielsweise Sedimentuntersuchungen machen wollen. Aber auch so etwas  kann vielleicht einmal im Jahr vorkommen. Aber kommerziellen Nutzer zahlen dann dem GFZ eine Gebühr.

Dass sich das GFZ mit seinem Verleih Konkurrenz großziehe, steht laut Haberland nicht zu befürchten. In den meisten Projekten, für die Geräte verliehen werden, ist das GFZ sowieso selbst involviert, und man pflegt eine sehr gute Zusammenarbeit. Nicht zuletzt sind die Nutzer verpflichtet, die gewonnenen Erkenntnisse spätestens nach vier Jahren auf einer Datenbank öffentlich nutzbar zu machen. Fast 300 wissenschaftliche Projekte und über 200 Doktorarbeiten hat der Potsdamer Gerätepool seit seinem Bestehen 1993 nun schon unterstützt.

Von Rüdiger Braun

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