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Neuer Chef der Getreideverarbeitung

Führungswechsel Neuer Chef der Getreideverarbeitung

Gerd Huschek tritt an die Stelle des Erfinders der legendären Tempo-Erbsen. Der 58-Jährige übernimmt von Peter Kretschmer die Geschäftsführung des Instituts für Getreideverarbeitung IGV in Rehbrücke. Huschek krempelt den IGV-Betrieb nicht um, schärft aber das Profil des renommierten Instituts.

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Gerd Huschek ist der neue Geschäftsführer des Instituts für Getreideverarbeitung.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Es ist kein leichtes Erbe, das Gerd Huschek angetreten hat. Seit September ist er der neue Geschäftsführer des renommierten Instituts für Getreideverarbeitung (IGV) in Bergholz-Rehbrücke. Huschek ist der Nachfolger von Peter Kretschmer, der die Arbeit des Instituts über Jahrzehnte prägte. Die berühmten Tempoerbsen aus DDR-Produktion, die Erdnussflips, Cornflakes, die Ost-Kaugummis sowie der Kuko-Reis – diese Produkte haben den Nimbus des Getreideinstituts begründet. Und sie tragen die Handschrift Kretschmers.

Das sei schon „eine große Tradition“, sagt der 58-jährige Gerd Huschek. Aber das IGV heute behaupte sich als moderne Marke und stehe nicht für die Vergangenheit. Der promovierte Chemiker, der bereits seit acht Jahren in Rehbrücke tätig ist und seit dieser Zeit das Prüflabor des Instituts leitet, schaut in die Zukunft. Und da sei klar, dass große Grundlagenforschung und ein Technologietransfer in der Art, in diesem Umfang wie noch vor 30, 40 Jahren für ein mittelständisches Institut nicht möglich sind. Huschek will über neu entwickelte Lebensmittel und vor allem auch deren Produktion die wirtschaftliche Entwicklung des IGV absichern.

Beispiel: proteinhaltige Lebensmittel auf der Basis von Erbsen. Die heimische Hülsenfrucht könnte sogar der Sojabohne als Proteinträger Konkurrenz machen, erklärt der IGV-Chef. Die Erbse habe den Vorteil, dass sie nach bisherigen Erkenntnissen keine Allergien auslöse – Soja dagegen schon. Beim Anbau von Erbsen kommen keine gentechnisch veränderten Organismen zum Einsatz. Und richtig aufbereitet, könnten Erbsenproteine sogar als veganer Wurstersatz Karriere machen.

Generationenwechsel

Das Institut für Getreideverarbeitung wurde 1960 gegründet. Ein Jahr später begann hier die Laufbahn des Lebensmittelchemikers Peter Kretschmer.

Nach der Privatisierung im Jahr 1990 wurde Kretschmer zum Geschäftsführer der IGV GmbH bestellt. Diesen Posten hatte er 24 Jahre lang inne.

Gerd Huschek ist offiziell seit dem 1. September 2015 neuer IGV-Chef. Das operative Geschäft des Instituts leitet er seit einigen Monaten.

Das Rehbrücker Institut verfügt über die nötige Technik für die Aufbereitung. „In Erbsen stecken normalerweise Bitterstoffe“, erklärt Huschek. „Wir können die Bitterstoffe eliminieren.“ In Ex­trudern, die die Nahrungsmittel mit hohen Temperaturen und großem Druck bearbeiten, können die Erbsen sogar zu Flakes und Crispys verarbeitet werden. Der IGV-Geschäftsführer gibt die Richtung vor: „Wir wollen etwas Edles erreichen, etwas mit hoher Qualität.“

Proteinreiche Nahrung für Sportler, spezielle Angebote für Diabetiker oder auch für Allergiker. Huschek setzt auf die Karte der Ernährungsphysiologie und auf Nahrungsmittel, die auf die Bedürfnisse bestimmter Zielgruppen perfekt zugeschnitten sind. Das sei der Vorteil eines mittelständisch organisierten Instituts: „Wir können flexibel und schnell auf die Bedürfnisse des Marktes reagieren.“ 95 Beschäftigte hat das IGV derzeit. Mit einer stärkeren Lebensmittelproduktion will der neue Chef auf „die 100 kommen“.

Dafür soll das Technikum auf dem Institutsgelände weiter aufgewertet werden. Das Technikum – ein Kompetenzzentrum für Biotechnologie und pflanzliche Lebensmittel – vereint Labore und neue Technik. Knapp drei Millionen Euro kostete der Bau, der im Jahr 2013 in Betrieb genommen wurde. Huschek möchte hier bis zum Mai des kommenden Jahres die neueste Extrudertechnik zum Einsatz bringen. Damit seien dann auch Tagesproduktionen von rund einer Tonne speziell aufbereiteter Nahrungsmittel möglich. Die Strategie stehe. Die Businesspläne würden gerade erarbeitet, um Kredite von der Bank zu bekommen, sagt der Chemiker, der vor seiner IGV-Zeit am Institut für Ökologie der Technischen Universität Berlin tätig war.

„Wir können nur über die Produktion die nötigen Einnahmen für unser Institut sicherstellen“, betont Huschek, der auch zertifizierter Lebensmittelsachverständiger ist. Schon seit einiger Zeit stellen die Rehbrücker Extrakte für die Getränkeindustrie und die Kosmetikbranche her. Es gibt sogar eine eigene Kosmetikserie auf der Basis von Algen, die vom IGV produziert und vertrieben wird.

Huschek krempelt den IGV-Betrieb nicht um. Er schärft allerdings das Profil des Instituts. Für den wirtschaftlichen Erfolg der IGV GmbH sieht er drei Säulen: die Prozesstechnik für die Lebensmittelverarbeitung, die Bäckereitechnologie – am IGV wird erfolgreich der Nachwuchs des Bäcker- und Konditorhandwerks ausgebildet – sowie die Analytik mit Prüflabor – ein Handelslabor, das auf die Pflanzen- und Proteinanalytik mithilfe der Massenspektronomie ausgerichtet ist. Das Prüflabor ist die IGV-Heimat des 58-Jährigen. Den Job des Technischen Leiters im Labor wird er auch weiterhin übernehmen. Aber der Bereich der Analytik sei „kein großer Wachstumsmarkt und zudem ein hart umkämpfter Markt“, räumt Huschek ein. Er will hier neue Wege gehen und vermehrt auf automatisierte Prozesse setzen.

Als Gegenpol zu seinem Vorgänger auf dem Chefsessel, Peter Kretschmer, sieht sich der gebürtige Berliner Huschek nicht. Schließlich führe er in einigen Bereichen die Ideen Kretschmers fort. So ist ja auch das Technikum noch unter dessen Ägide gebaut worden. Der 76-Jährige wechselt in den Aufsichtsrat des IGV. Aus dem operativen Geschäft hatte er sich schon Ende des vergangenen Jahres zurückgezogen. Seit 55 Jahren gibt es das Institut für Getreideverarbeitung in Rehbrücke. 53 Jahre davon hat Kretschmer aktiv mitgestaltet. Der Lebensmittelchemiker war es, der die Kochzeit von Hülsenfrüchten auf schlanke zehn Minuten reduzierte. Das war die Geburtsstunde der Tempoerbsen.

In gewisser Weise bleibt das Institut diesem Grundkonzept auch unter neuer Leitung treu: „Wir bringen Pflanzen und Technologie zusammen“, resümiert Gerd Huschek. Nur dass jetzt auch die Produktion spezieller Nahrungsmittel vermehrt in Rehbrücke über die Bühne gehen soll. „Wir sind eine GmbH“, sagt Geschäftsführer Huschek. Da würden am Ende nun mal die nackten Zahlen über den Erfolg entscheiden.

Von Ute Sommer

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