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Gesetzesnovelle kippt prekäre Hochschuljobs

Arbeitsmarkt für Wissenschaftler Gesetzesnovelle kippt prekäre Hochschuljobs

Junge Wissenschaftler retten sich nicht selten von einer befristeten Anstellung in die andere – von einer längerfristigen Karriere- und Lebensplanung kann da keine Rede sein. Längst gibt es eine breite Debatte über das intelligente Prekariat. Ein neues Gesetz untersagt jetzt Arbeitsverträge mit allzu kurzer Befristung. Doch das ist allenfalls ein erster Schritt.

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Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU)

Quelle: Imago

Potsdam. Hochmotiviert, unterbezahlt und zu oft ohne Perspektive: Der Wissenschaftlernachwuchs soll nach dem Willen von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) bessere Karriereaussichten erhalten. Das schwarz-rote Bundeskabinett billigte am Mittwoch ein entsprechendes Gesetz, das die Befristung von Arbeitsverträgen an Universitäten und Hochschulen neu regelt. Künftig soll sich die Laufzeit danach richten, wie lange eine Promotion oder ein Forschungsprojekt dauert.

Die Aussicht auf mehr Planungssicherheit statt semesterweises Bangen kommt in Brandenburgs Hochschullandschaft gut an. „Das ist ganz im Sinne junger Wissenschaftler“, sagt Professor Hans-Jürgen Holdt, Landesvorsitzender des Deutschen Hochschulverbandes in Brandenburg. Um die Qualität von Forschung und Lehre zu sichern, müsse das Land nun aber mehr Geld für Personal zur Verfügung stellen, mahnt Holdt. Im Bundesvergleich zählt Brandenburg zu den Ländern mit den niedrigsten Ausgaben im Hochschulbereich.

Die Unterfinanzierung wird auch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beklagt. Unter fehlenden Stellen, vielen Überstunden und der zu niedrigen Eingruppierung der Nachwuchskräfte leide die Attraktivität der wissenschaftlichen Laufbahn, sagt Landeschef Günther Fuchs, der das Aus für kurzfristige Verträge als „längst überfällig“ begrüßt. Kritisch wird das Wanka-Gesetz von der Landesarbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen Beschäftigten und Lehrbeauftragten gesehen. Die vage Formulierung lasse weiterhin Spielraum für Kurzverträge, gibt Sprecherin Sahra Damus zu bedenken. Sie fordert stattdessen eine gesetzliche Mindestlaufzeit von drei Jahren.

Service

Tausende Jobs im ganzen Land Brandenburg: MAZjob.de

In Brandenburg sind bereits seit vergangenem Jahr zwei Jahre als untere Grenze festgeschrieben. „Gleichzeitig haben wir den Übergang von einer Juniorprofessur zu einer dauerhaften Professur erleichtert und den Stellenplan der Hochschulen so flexibilisiert,  dass sie mehr unbefristete Stellen schaffen können“, erklärt Landeswissenschaftsministerin Sabine Kunst (SPD). „Unser Ziel sind gute und verlässliche berufliche Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs.“

Allerdings, kritisiert Wissenschaftler-Vertreterin Damus, gebe es weiterhin Hunderte formal selbstständige Lehrbeauftragte. Das Land müsse diese endlich in sozialversicherungspflichtige Jobs bringen.

Die Diskussion über prekäre Beschäftigung hält das Hochschulwesen schon länger in Atem. So hat sich etwa die Universität Potsdam bereits im Vorfeld der Gesetzesnovelle per Senatsbeschluss freiwillig darauf verpflichtet, unangemessen kurze Befristungen zu unterbinden, wie Professor Robert Seckler, Vizepräsident für Forschung und Nachwuchs erklärt. „Unsere Regeln entsprechen im Wesentlichen denen, die nun gesetzlich vorgegeben werden sollen.“

Längerfristige Verträge für Wissenschaftler

Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) lautet der sperrige Name der Paragrafen, welche die Befristung von Arbeitsverträgen in der Wissenschaft regeln.

Die Novelle untersagt neben Kurzzeitengagements auch, dass dauerhafte Hochschultätigkeiten, etwa in der Verwaltung, durch befristet eingestelltes Personal erledigt werden, das keine wissenschaftliche Qualifizierung anstrebt.

Weitere Änderungen betreffen familien- und behindertenpolitische Aspekte – die Befristungsdauer verlängert sich etwa für Eltern minderjähriger Kinder um zwei Jahre pro Kind.

Von Bastian Pauly

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