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Arktisch kalt nach dem Eierkuchen

Puderzucker im strengen Frost Arktisch kalt nach dem Eierkuchen

Nach bislang vergleichsweise milden Temperaturen hat das Grönlandteam um den Potsdamer Wilfried Korth mittlerweile wirklich arktische Temperaturen erreicht. In der Nacht sank das Thermometer auf minus 20,4 Grad. Dennoch gab es zum Erwachen ein wenig Idylle.

Grönland. 71.706936 -42.604303
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Ein Smartphone reicht nicht für die Kommunikation auf Grönland.

Quelle: Privat

Grönland. Den Kuchen gab es schon zum Sonntag, der Puderzucker indes kam erst Montag hinzu. Nach strengem Frost unter minus 20 Grad in der Nacht begrüßte die Grönlandforscher nun leichter Pulverschnee zum Aufstehen. „Erstmals Schneefall“, meldet Wilfried Korth, der Leiter des Teams mit seinen Kollegen Thomas Hitziger, Uwe Hofmann und Tobias Küchenmeister. Auch zum Frühstück liegen die Temperaturen noch zwölf Grad unter Null. Die kurzen Hosen von Tobias Küchenmeister sind nun natürlich passe. Dafür hat der Wind nachgelassen. Nachdem er am Vortag den Grönland-Abenteurern auf ihrer durch den berühmten Vorgänger Alfred de Quervain vorgegebenen Tour den Frost noch mit Stärke fünf bis sechs entgegen fegte, verzeichnet Korth nun Windstille. Das verheißt im Gegensatz zur Tortur am Vortag gutes Vorankommen auf dem Weg zum diesmal vorgenommenen Etappenziel in 20 Kilometer Entfernung.

Aus dem Tagebuch

Sonnabend, 8. August 2015

Nach einem Tagesmarsch von 17,3 km sind wir ca. 6 km hinter dem alten Camp 14 von 2002. Es war heute recht kalt. Tagsüber ist die Temperatur sogar noch gefallen. wir hatten nachmittags -8 Grad. Jetzt sind es -11, aber alle liegen im Schlafsack. Tobias geht natürlich nicht mehr in kurzer Hose. Wir sind jetzt in 2222 m Höhe.

Die Schneeoberfläche ist glatt. Der Mauerbau war sehr schwer, weil schon nach 5-10 cm die ersten Eishorizonte kamen. Da ist das Sägen Schwerstarbeit!

Aber wir konnten heute erstmals in der zweiten Tageshälfte die Felle unter den Skiern abmachen. Es ist kaum noch Steigung erkennbar im Gelände. Wir sind auf dem Hochplateau angekommen. Die nächsten 150 km bringen nur noch 300 Höhenmeter.

Wir haben die erste Kontrolle der Datenspeicherkarten der Messgeräte gemacht. Es scheint bisher erst mal alles im Kasten zu sein.

Sonntag, 9. August 2015

Nach sehr anstrengendem Marsch gegen sehr starken und vor allem kalten Wind haben wir Camp 16 von 2002 in 2360 m Höhe erreicht (Windstärke 5-6, -7 Grad maximal). Wir waren 6:16 h reine Laufzeit unterwegs, unsere längste Etappe bisher. Geschafft haben wir 19,4 km.

Wir haben das camp „Kalte Gegenwindebene“ getauft. Widmen möchten wir diesen Platz nach unserer bisher schwersten Etappe niemandem. Das hat keiner unserer Unterstützer verdient.

Die Eiswanderer

Allerdings gab es in der Nacht zuvor zunächst unerwartete Schritte vor dem Zelt in der arktischen Einsamkeit. Aber es war nur Uwe Hofmann, der um drei Uhr in der Frühe umher schlich, um einige Messergebnisse abzulesen. Tags zuvor konnte Korth seine Freunde noch mit einem Eierkuchen zum Frühstück verwöhnen. Einmal die Woche gibt es die festliche Abwechslung vom gewohnten Frühstückmüsli. Die aus Pulver sogar mit Milchextrakt angerührte Backmasse lässt sich sogar ohne Fett in der Pfanne anbraten.

Wilfried Korth wagt Kunststücke mit dem Eierkuchen

Wilfried Korth wagt Kunststücke mit dem Eierkuchen.

Quelle: Privat

Auf dem täglichen Marsch über das Eis hängt jeder der Tourteilnehmer so seinen eigenen Gedanken und Kopfspielereien nach. Das Reden beschränke sich bei der Anstrengung und kältegerechtem Gesichtsschutz ja auf das Notwendigste, schildert Korth: „Da hat man da Zeit für Meditatives.“ Er denke über alles mögliche nach, „das ganze Leben“. Kollege Uwe Hofmann hat zumindest für den letzten Abschnitt eine andere Beschäftigung gefunden. Er zählt Schritte. Bei 1400 ist er für den zuletzt gelaufenen Kilometer gekommen.

In zwei bis drei Tag plant das Team den höchsten Punkt der Expedition zu erreichen. In dann 2500 Meter Höhe steht auf der anderen Seite die Abwärtstour Richtung Ilulissat an.

Von Gerald Dietz

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