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Aufbruch nach Grüßen vom Himmel

Wieder auf Tour Aufbruch nach Grüßen vom Himmel

Nachdem sich der Eiskristallregen verstärkt hatte und die Grönlandforscher um den Potsdamer Wilfried Korth sich durch Schneeverwehungen kämpfen mussten, lugt nun wieder die Sonne am Horizont durch. Noch dazu erblickte das Team einen weiteren Hoffnungsschimmer am Himmel.

Grönland 71.706936 -42.604303
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Auf Gipfeltour im Eis

Auch im Eis müssen Schuhe geflickt werden.

Quelle: Privat

Grönland. Der Sturm konnte Wilfried Korth und die anderen Expeditionsteilnehmer nicht mehr erreichen. Er tobte sich einige Etagen tiefer aus. Auf ihrem Hochplateau hatte das Team aber dennoch Probleme. In der Nacht zum Mittwoch gab es zehn Zentimeter Neuschnee. „Nicht lustig“, kommentiert Korth. Auch Morgens wirbelten die Flocken noch vom Himmel. Die Sicht war miserabel.

Dennoch entschlossen sich die Forscher zum Weitermarsch, schließlich soll der tägliche Schnitt bei 18 Kilometern liegen. „Wir haben uns durch die Schneeverwehungen gewühlt und von oben schneite es weiter auf uns herab. Nach 6,2 Kilometern haben wir die Sache aufgegeben, aber es wenigstens versucht“, berichtet Korth.

Aus dem Tagebuch

Mittwoch, 12. August 2015

Wir hatten für die letzte Nacht eine Unwetterwarnung, waren aber zum Glück schon so hoch, dass uns der Sturm nicht erreicht hat. Dafür aber leider der Schnee, und natürlich kräftiger Wind. Mindestens 10 cm Neuschnee sind nicht lustig. Das Camp war am Morgen schön eingeweht. Dafür war es nur -11 Grad kalt. Es hat immer noch geschneit. Die Sicht war miserabel. Wir wollten aber trotzdem versuchen und haben nach kurzer Beratung beschlossen, einen Weitermarsch zu versuchen.

Wir haben uns durch die Schneeverwehungen gewühlt und von oben schneite es weiter auf uns herab. Nach 6,2 km haben wir die Sache aufgegeben, aber es wenigstens versucht.

Zur Belohnung passierten mehrere gute Dinge:
1. Der Schneefall hörte auf und die Sonne kam heraus. Damit sollte die Oberfläche morgen oder spätestens übermorgen wieder gut begehbar sein.
2. Es flog ein Vogel um unser Camp herum! Das ist uns in etwa hier jedesmal passiert! 2002, 2006 und 2010. Und auch im Reisebericht von A. de Quervain „Quer durchs Grönlandeis“ (lesenswert!) wird von genau einem solchen Ereignis berichtet. Das scheint hier der ortsansässige Vogel zu sein.
3. Wir sind über 2500 m angekommen!
4. Es war Zeit zum basteln. Tobias Schuh hat nun wieder eine reparierte Naht.

Es gab heute außer der Reihe Eierkuchen und danach „Freizeit“. Jetzt macht Thomas Wasser heiß für das Abendessen und morgen versuchen wir wieder unser Glück.

Das Camp bekam den Namen „Einen Versuch war es wert!“ Wir widmen es Familie Ziegenbein in Dresden!

Die Eiswanderer

Zum Ausgleich ereigneten sich aber gleich mehrere gute Dinge. Das Team kam auf 2500 Meter Höhe an und prompt wurde es am Himmel begrüßt. Ein Vogel, etwa amselgroß, kreiste zweimal um das Camp. Erstaunlicherweise passierte das den Grönlandforschern auf ihren zurückliegenden Touren bereits mehrmals an immer der gleichen Stelle. 2002, 2006 und 2010. Und auch im Reisebericht des berühmten Vorgängers de Quervain „Quer durchs Grönlandeis“, dessen Route das Team folgt, wird vom gleichen Ereignis an der selben Stelle berichtet. Das war dann auch einen Eierkuchen außer der Reihe wert – bevor es ans Schuhflicken ging.

Am Donnerstag in der Frühe nach einer Nacht bei erträglichen minus 19 Grad bereitete sich die Mannschaft wieder auf einen Tourenabschnitt in der üblichen Länge vor. „Wieder gutes Vorankommen“, konstatiert Korth.

Die Messungen unter anderem zur Eishöhe laufen nach Plan. Die Messwerte werden gespeichert. Eine Auswertung der Daten kann es aber erst nach der Rückkehr geben. Soviel ist dennoch sicher: „Die sichtbaren Eis- und Schneeverhältnisse auf unseren Touren spiegeln die Erderwärmung wider“, sagt Korth.

Von Gerald Dietz

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