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Grönland-Forscher völlig auf sich allein gestellt

Schlitten per Helikopter Grönland-Forscher völlig auf sich allein gestellt

Schnee, sehr viel Schnee macht den Forschern rund um den Potsdamer Wilfried Korth auf ihrer Grönland-Expedition zu schaffen. Und dennoch: Das Viererteam ist in den ersten Tagen seiner insgesamt 700 Kilometer langen Tour gut vorwärts gekommen. Jetzt wird es einsam – und auf so manchen Besuch können die Forscher eh verzichten, wie sie der MAZ gesagt haben.

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Blick aus dem Zelt der Forscher am Mittwoch.

Quelle: Wilfried Korth

Potsdam. 7 Uhr. Zeit fürs Frühstück. Standesgemäß mit einem kräftigen Müsli. So viel Zeit muss sein – auch mitten im Inlandeis von Grönland. Allerdings müssen der Potsdamer Wilfried Korth und sein Team auf solchen Schnickschnack wie frische Milch verzichten. Ihr Müsli ist konzentrierte Nahrung. Milchpulver inklusive. „Warmes Wasser drauf – und gut ist“, witzelt Korth.

Das Viererteam ist in den ersten Tagen seiner insgesamt 700 Kilometer langen Tour gut vorwärts gekommen. Per Satellitentelefon konnte der Helikopter, der die Schlitten für die Forscher aufs Eis bringt, sogar schon für den Donnerstag – also einen Tag früher als geplant – angefordert werden.

„Wir haben hier sehr viel Schnee“, berichtet Korth per Satellitentelefon. „Etwa einen halben Meter – das ist gut für uns, das macht das Laufen leichter.“ Die erste Tour mit Schlitten soll „nur“ 15 Kilometer lang sein. „Zum Eingewöhnen“, wie der Potsdamer erklärt. Dann soll auch der zweite Messpunkt der Tour quer durch Südgrönland erreicht sein. Die Wissenschaftler wollen checken, wie sehr sich die Höhe der Eiskappe Grönlands angesichts des Klimawandels verändert hat. Die Auswertung der Daten wird erst zu Hause erfolgen, sagt Korth. Er aber habe den Eindruck, dass die Felsen rundherum im Vergleich zu früheren Touren größer geworden sind – das Eisplateau also abgeschmolzen ist.

Eisbären hat die Truppe nicht gesichtet. „Die wollen wir auch gar nicht sehen“, sagt Wilfried Korth. Auf diese Gefahr können die Forscher gut und gerne verzichten. Alle sind gesund – okay, Korth hat sich die erste Blase gelaufen. „Aber dafür gibt es Pflaster“, sagt er lachend. Die Stimmung bei strahlendem Sonnenschein ist gut. Und nachdem der Helikopter am Donnerstag wieder abgeflogen ist, hat sich im Team sogar eine gewisse Euphorie breit gemacht. Korth: „Wir sind jetzt völlig allein. Das ist auch das, was wir wollen.“ Dieses Erlebnis gehört einfach mit dazu. Ab jetzt beginnen „die Mühen der Ebene“, heißt es aus dem Team.

Von Ute Sommer

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