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Forscher campen auf „historischen Zeltplätzen“

Lausig kalte Nächte Forscher campen auf „historischen Zeltplätzen“

In der Nacht zum Freitag fielen die Temperaturen auf minus 11,5 Grad Celsius. Und auch früh ist es noch sehr kalt. Ihre Zelte schlagen die Grönlandforscher allabendlich auf historischen Plätzen auf. Sie folgen der Route des Schweizer Meteorologen Alfred de Quervain, der 1912 Südgrönland durchquerte.

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Thomas Hitziger beim Frühstückmachen.

Quelle: Privat

Grönland. Morgens um sieben Uhr sind es immer noch acht Grad unter Null im Camp der Grönlandforscher. Doch trotz der Minusgrade und des mitunter stark auffrischenden Windes dürfen die vier Männer eines nicht vergessen: Die Haut muss gut mit Sonnenschutzcreme versorgt sein. „Ich hatte vergessen, die Hände einzucremen und hab da jetzt ein bisschen Sonnenbrand“, erzählt Expeditionsleiter Wilfried Korth. Der Potsdamer ist nämlich ohne Handschuhe auf die Tour am Donnerstag gegangen. Aber zumindest die Blasen an den Füßen würden nicht mehr wehtun, berichtet er lachend. Insofern sei alles gut.

15 Kilometer hat das Viererteam wieder geschafft und den nächsten Punkt auf der Tourenkarte des berühmten Vorgängers Alfred de Quervain erreicht. Der Schweizer Meteorologe durchquerte vor gut 100 Jahren Südgrönland und erstellte mit seinen Messungen als Erster ein Höhenprofil der Eiskappe Grönlands. Die Forscher der Neuzeit messen nun nach – und können so sagen, wie sich die Eisdicke seit 1912 verändert hat.

Der Schweizer war mit Schlittenhunden unterwegs. Die Vierergruppe heute macht die Tour zu Fuß. „Die körperliche Anstrengung mag vielleicht eine andere sein“, meint Korth zurückhaltend. Aber die Leistung des Pioniers de Quervain könne nicht hoch genug eingeschätzt werden. Bei der Tour damals sei auch recht schnell ein Schlitten ins Eis eingebrochen. Man könne nur nachempfinden, was die Abenteurer von damals geleistet haben, sagt der Potsdamer.

Aus dem Tagebuch

Donnerstag, 6. August 2015

Wir sind wieder 15km weiter und nun

N 66 46 49

W 40 21 10

H 2120 m

Zeltplatz 17 von 1912

Wir hatten eine lausig kalte Nacht vorher (-15) und auch am Tag immer unter Null (ca. -5 und Wind) Diese Nacht wird wieder kalt.

Wilfried Korth

Im Viererteam hat jeder seine eigene Art, sich auf den täglichen Touren mit ein paar Besonderheiten zu motivieren. Thomas Hitziger hat zum Beispiel am Mittwoch, als die 2000-Meter-Marke überschritten wurde, einen Kopfstand gemacht. Tobias Küchenmeister legt hin und wieder einen kurzen Sprint ein und „rennt wie ein Bekloppter vornweg“, erzählt Wilfried Korth und lacht. Korth selbst mag es etwas ruhiger. Er lässt sich beim Tagesmarsch hin und wieder zurückfallen und genießt „die unglaubliche Stille“, die große Einsamkeit im Eis. Und Uwe Hofmann – der müsse sich gar nicht aufmuntern, der ist auch so gut drauf, berichtet das Team.

Von Ute Sommer

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