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Campen am Polarkreis hinter einer Schneemauer

Nur noch weißer Horizont Campen am Polarkreis hinter einer Schneemauer

Nach dem täglichen Fußmarsch sind die Strapazen der Grönlandforscher längst noch nicht beendet. Denn für den Abend muss das Camp samt Schneemauer aufgebaut werden. Zwei Sunden lang ist das Viererteam mit dem Sägen von Schneeblöcken und dem Zeltaufbau beschäftigt.

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Windgeschütztes Lager im Grönland-Eis.

Quelle: Privat, Archiv

Grönland. Einen Meter hoch und zehn Meter lang ist die obligatorische Schneemauer fürs Camp. Sie soll den Zelten der vier Grönlandforscher Schutz vor dem Wind bieten. „Man schläft dann auch ruhiger, weil die Zeltwände nicht so sehr flattern“, erklärt der Potsdamer Expeditionsleiter Wilfried Korth am Satellitentelefon. Mindestens eine Stunde dauern die Bauarbeiten. Korth: „Zwei Mann schippen und zwei Mann sägen.“ Denn hier wird nicht nur Schnee bewegt. Die Mauer-Blöcke sind aus Schnee und aus Eis. Für diese Arbeit haben die Forscher spezielle Schneesägen im Gepäck.

Dann noch die Zelte aufbauen – zwei Schlafzelte und ein Tunnelzelt fürs Kochen und gemeinsame Essen. Zwei Stunden sind da schnell weg. Erst dann gibt es den ersten Tee für die Crew.

Aus dem Tagebuch

Dienstag, 4. August 2015

Wir haben auch heute wieder fast 15 km geschafft.

Morgen werden wir die 2000-Meter-Marke überschreiten.

Das Wetter ist uns nach wie vor wohl gesonnen. Nachts ist es kalt und am Tag wird es knapp über Null. Heute war es nachmittags windstill, sodass die Sonne fast unerträglich brannte. Man hätte sich sonnen können, aber wir mussten ja weiter und nach dem Marsch noch 2 h Lager aufbauen. Für die Schneemauer gilt auch bei Windstille: besser man hat, als man hätte!

Es ist nur noch ein Berggipfel zu sehen. Morgen haben wir „Weißen Horizont rundum“!

Herzliche Grüße vom Eis.

Wilfried Korth

Morgens dauert es übrigens drei Stunden, bis das Camp abgebaut und die Utensilien der vier Männer auf den Schlitten verstaut ist. Um sechs Uhr steht der Erste auf. Meist ist es „Thomas, der Tapfere“, sagt Korth. Gemeint ist Thomas Hitziger, im normalen Leben Mathematiker an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus – Senftenberg. Um neun Uhr ist das Team bereit für die nächste Tagesetappe.

Wenn kein Wind weht, herrscht bei den Fußmärschen absolute Stille. „Unterhalten können wir uns auch nicht. Dafür sind wir zu weit voneinander entfernt“, erklärt der Potsdamer Korth. Er nutzt die Ruhe, um seinen Gedanken nachzuhängen. Und abends wird dann Tagebuch geschrieben.

Tobias Küchenmeister – der Mann, der im Eis kurze Hosen trägt – ist auch hier die Ausnahme. Er hat seinen MP3-Player mit dabei und hört auf der langen Wanderung Musik. Die Batterien lassen sich schnell wieder aufladen. Schließlich haben die Grönlandforscher zwei Solarsysteme und ein Windrad, um Strom erzeugen zu können.

Von Ute Sommer

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