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Forscher schweißgebadet nach Tagestour

Sengende Hitze im Eis Forscher schweißgebadet nach Tagestour

Strahlender Sonnenschein und Temperaturen um den Gefrierpunkt bringen das Team um den Potsdamer Wilfried Korth mächtig ins Schwitzen. 14 bis 16 Kilometer Fußmarsch bewältigen sie jeden Tag. Danach sind die Männer „gut müde“, wie sie berichten.

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Laufen. Immer nur laufen.

Quelle: Archiv/Privat

Grönland. Jeden Morgen tauen die Grönlandforscher Schnee für rund zwölf Liter Wasser auf. Das ist die Tagesration an Getränken für das Viererteam. Thomas Hitziger, Uwe Hofmann, Tobias Küchenmeister und Expeditionsleiter Wilfried Korth kommen gut voran bei ihrer 700 Kilometer langen Tour durch Südgrönland. Das Team berichtet von „idealen Bedingungen“. Nachts ist es kalt genug, um auch noch am Morgen gefrorenen Schnee zu hinterlassen. Der macht das Laufen für die Forscher einfacher.

Das Team hat am Mittwochabend sein mittlerweile zehntes Camp im Eis von Grönland aufgeschlagen. Die Männer haben für ihren Tagesablauf schon eine gewisse Routine entwickelt.

Aus dem Tagebuch

Mittwoch, 5. August 2015

Das Wetter hat sich heute etwas gewandelt. Wir hatten noch eine letzte Gehetappe mit sengender „Hitze“ von ca. -1 Grad. Bei Windstille ist das tatsächlich so. Wir sind alle ziemlich schweißgebadet am Lagerplatz angekommen.

Der Tagesablauf ist inzwischen gut eingespielt:

6 Uhr steht Thomas als Erster auf und wirft in der Küche den Kocher an. Das Geräusch des Primus ist ziemlich laut. Und die Schippe kratzt über den Schnee, der in der Nacht durchgefroren ist und mühsam zusammengekratzt werden muss, um in handlichen Portionen im Schmelztopf zu landen.

Insgesamt schmelzen wir früh Schnee für ca. 12 Liter Wasser! Das dauert natürlich etwas.

Das Frühstücksmüsli variieren wir mit Peronin Kakao, Vanille oder Blaubeersuppe. Letzteres nur Wilfried.

Bisher sind wir immer pünktlich um 9 Uhr losgekommen.

Wir gehen dann 4 Etappen, wobei immer abwechselnd einer von uns vorn für die Navigation zuständig ist. Zuerst Wilfried dann Uwe danach Thomas und zum Schluss Tobias. Wir haben immer zwischen 14 und 16 km geschafft, was mehr ist, als in den Jahren zuvor. Der Grund ist allerdings nicht unsere besondere Fitness, sondern die Bedingungen sind bisher ideal! Ende nächster Woche wollen wir den höchsten Punkt hinter uns haben und hoffen dann auf Rückenwind zum Segeln. Der Treff mit den anderen beiden Mitstreitern im Westen ist bisher nicht gefährdet, wir liegen gut im Plan!

Die Stimmung ist auch ausgezeichnet. Allerdings sind wir nach den 5 Stunden reiner täglicher Marschzeit gut müde.

Dann folgt „nur noch“ der Lageraufbau.

Es ist praktisch eine 5. Etappe täglich. Zwei Stunden später gibt es meist einen Kaffee und dann geht es fließend zum Abendessen über. Gegen 8 verschwinden die Ersten im Schlafsack, schreiben da noch etwas Tagebuch und dann kann man auch schon das erste leise Schnarchen hören.

Der Wind, den wir am meisten fürchten, beginnt meist in der Nacht um 2 oder 3 Uhr und frischt dann am Morgen stark auf. Es ist die kalte Luft, die zur Küste hin abzufließen beginnt. Grönland ist für diese katabatischen Winde bekannt, die sich sogar zu extremen Stürmen verstärken können. Allerdings meist an der Küste oder in der Nähe der Fjorde. Hier oben sind wir einigermaßen sicher.

Das Aufstehen kostet dann morgens etwas Überwindung. Draußen weht es kräftig und im Schlafsack ist es so schön warm...

Und dann beginnt das Ganze von vorn!

Herzliche Grüße vom Eis

Die Eiswanderer

Von Ute Sommer

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