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Der Hörsaal auf dem Federbett

Bauten der Wissenschaft Der Hörsaal auf dem Federbett

Auf dem Stadtcampus der Hochschule für nachhaltige Entwicklung steht ein für Brandenburg einzigartiger Bau: ein hölzernes Hörsaalgebäude. Selbst der Hörsaal darin ist aus Holz gemacht. Fichte sorgt für Wohlfühlatmosphäre beim Lernen. Für den Brandschutz muss der Holzbau besondere Bedingungen erfüllen.

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Herzstück des neuen Gebäudes ist ein Hörsaal aus Fichtenholz.

Quelle: HNEE/Berit Künzelmann

Eberswalde. Als „Holzmensch“, wie sich Ulrich Schwarz mit einem Schmunzeln selbst bezeichnet, kann er nur sagen: „Ja, das ist es.“ Das neue Hörsaalgebäude auf dem Stadtcampus der Hochschule für nachhaltige Entwicklung HNE in Eberswalde (Barnim) trifft den Geschmack des Dekans des Fachbereiches Holzingenieurwesen. Schließlich ist der Neubau ein komplett hölzernes Werk. In Brandenburg gebe es so etwas kein zweites Mal, betont Schwarz. Es ist gerade für die Eberswalder Wissenschaft, die so sehr auf Nachhaltigkeit setzt, ein Aushängeschild. Im Mai vergangenen Jahres wurde die Fertigstellung des Neubaus gebührend gefeiert.

Der Bau, für den das Berliner Architekturbüro Abelmann Vielain Pock verantwortlich zeichnet, ist also noch sehr frisch. Auch wenn seine Haut etwas anderes vermuten lässt. Die hölzernen Schindeln – übrigens aus kanadischem Zedernholz – lassen die Fassade in einem dezenten Grau erstrahlen. Ein interessanter Kniff der Bauherren.

„Holz wird im Laufe der Jahre grau – und das wird immer als negativ empfunden“, erklärt Schwarz. Das Altern der Fassade ist mit dem sogenannten Vergrauungsanstrich einfach vorweggenommen. Diese Beschichtung verwittert Schwarz zufolge in zehn Jahren. Dann sei auch das Holz der Schindeln grau. Der interessierte Beobachter nimmt also keinen Unterschied war.

Auch das Innenleben des Hörsaalgebäudes ist komplett aus Holz. Okay, zehn Prozent Metall mögen verbaut worden sein, meint der Dekan lächelnd. Für die Sitze im großen Hörsaal. Ansonsten aber wurde Brettsperrholz aus Fichte für das Skelett des Gebäudes verwendet. Der Professor für Gestaltung, Konstruktion und Herstellung von Produkten aus Holz hätte „gern dafür märkische Kiefer gehabt“. Aber in der Region gebe es keine Firma, die aus dem heimischen Baum Brettsperrholz produziert. Also musste es Fichte sein. Angeliefert von einem Betrieb aus der Nähe von Augsburg in Bayern.

Millioneninvestition

Der hölzerne Neubau auf dem Stadtcampus der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde ist Teil eines umfassenden Bauprojektes. Dabei wurde ein Bestandsgebäude aus dem Jahr 1930 komplett saniert. Das Hörsaalgebäude ist der Anbau dazu.

7,8 Millionen Euro kostete das gesamte Bauvorhaben. Die Kosten waren letzten Endes niedriger als ursprünglich geplant.

Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (SPD) lobte das Projekt am Tag der offiziellen Übergabe als „Beispiel für die Harmonie von Architektur, Baukunst und Nutzungskonzept“.

Die Holzkonstruktion ist nur etwa halb so schwer wie ein vergleichbares Gebäude aus Beton. Das ist für den Baugrund auf dem Eberswalder Stadtcampus ein Glücksfall. „Wir haben hier zehn Meter Kies und darunter Moor“, sagt Schwarz. Auf diesem relativ weichen Untergrund „bauen Sie wie auf dem Federbett“, witzelt er. Und dieser „Leichtbau“ hat noch einen großen Vorteil. Er ist sehr schnell errichtet. In knapp zwei Wochen stand der Rohbau, berichtet Schwarz. Bei der Variante aus Beton kommen deutlich mehr Tage zusammen. Schon allein, weil der Beton aushärten muss.

An der Stelle des neuen Gebäudes stand ursprünglich eine Maschinenhalle aus den 1930er Jahren. In der Neuzeit diente sie den Eberswalder Studenten als Location für gepflegte Tanzveranstaltungen. Jetzt gibt es Wohlfühlatmosphäre im hölzernen Hörsaal für knapp 200 Studenten. Durch das Holz gebe es weder bei der Luftfeuchte noch bei den Temperaturen große Schwankungen, so Schwarz. Für eine gute Akustik im Saal sorgen klitzekleine Schlitze in den Fichtenplatten der Rückwand. Hinter der Rückwand ist ein drei Zentimeter tiefer Luftraum. Der schluckt den Schall.

Das Gebäude bietet auch Platz für einige Büros und Seminarräume. Sorgen wegen besonderer Brandgefahr im hölzernen Bau müsse sich Schwarz zufolge niemand machen. Das sei alles ganz genau berechnet worden. Die Vorschriften besagen, dass die Fluchtwege brandschutztechnisch getrennt sein müssen und dass das Haus einem möglichen Brand mindestens 90 Minuten lang widerstehen muss. In der Zeit können die Menschen evakuiert werden. Das Fichtenholz hat eine sogenannte Abbrandrate von 0,7 Millimetern pro Minute. Die 63 Millimeter, die das Feuer in den anderthalb Stunden wegfressen würde, sind auf die nötige Dicke der Holzelemente draufgepackt worden.

Der Eberswalder Bau hat schon einige Berühmtheit erlangt. Sogar Architekten aus den USA haben sich das Holzhaus als Beispiel für energieeffizientes Bauen angesehen. Und selbst der Fußboden ist hier eines genaueren Blickes wert. Es ist ein Gussasphalt. Der schwarzen Masse wurden graue Kieselsteine beigefügt. So bekomme das Ganze einen „Terrazzo-Look“, meint Ulrich Schwarz. Ein Hörsaalgebäude wie dieses hätte er auch gern auf dem Waldcampus der HNE. Dort ist sein Fachbereich für Holzingenieurwesen zu Hause. Das hölzerne Schmuckstück wird vor allem vom Fachbereich Landschaftsnutzung und Naturschutz in Beschlag genommen.

Von Ute Sommer

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