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Immer mehr Besucher, aber weniger Personal

KZ-Gedenkstätten leiden unter Geldnot Immer mehr Besucher, aber weniger Personal

Die KZ-Gedenkstätten im Land Brandenburg leiden unter Geldnot. Die Besucherzahlen steigen rapide an, doch das Personal wurde reduziert. Zudem gibt es nur noch wenig Geld für Erhaltungsmaßnahmen. Bei 50 Gebäuden, die zu erhalten seien, würden die bewilligten Mittel gerade für ein Gebäude reichen, heißt es.

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Diese Fotoinstallation in der Gedenkstätte Sachsenhausen erinnert an die Ermordung der sowjetischen Kriegsgefangenen.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Die „schwierige Nachbarschaft“ von Konzentrationslagern und den deutschen Städten, in denen sich die Lager befanden, ist das Thema einer Konferenz, die aus Anlass des 800. Stadtjubiläums im Mai in Oranienburg stattfindet. Dabei sollen die Einwohner als Nachbarn der Lager eine Rolle spielen, was sie beobachtet und von den Geschehnissen in den KZ mitbekommen hatten. Beleuchtet werden sowohl die NS-Zeit als auch die Nachnutzung der Lager und die Gründung der Gedenkstätten. Veranstalter sind die Stadt Oranienburg und die Gedenkstätte Sachsenhausen gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung.

Auf der Jahrespressekonferenz der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, zu der neben Sachsenhausen die Gedenkstätten in Ravensbrück, Brandenburg an der Havel und Leistikowstraße in Potsdam gehören, machte Stiftungsdirektor Günter Morsch gestern auf die Geldnot der NS-Gedenkstätten aufmerksam. Wegen des Wegfalls von EU-Mitteln zur Sanierung der denkmalgeschützten Gebäude könne die Stiftung nur noch wenige Sanierungsprojekte umsetzen. Für Erhaltungsmaßnahmen stünden in den Haushaltsjahren 2016 und 2017 jeweils nur noch 30 000 Euro zur Verfügung. Den Bedarf bezifferte Morsch mit 120 000 Euro, um „das Dringendste anzupacken“. Bei 50 Gebäuden, die zu erhalten seien, würden die bewilligten Mittel gerade für ein Gebäude reichen. Dem gegenüber seien die Besucherzahlen in allen Gedenkstätten stark gestiegen. In der Gedenkstätte Sachsenhausen bezifferte Morsch den Besucherzuwachs seit 1993 um 400 Prozent. Im gleichen Zeitraum sei das Personal um mehr als 20 Prozent reduziert worden. „Moderate Wünsche“ der Stiftung nach jeweils einer zusätzlichen Pädagogenstelle in Sachsenhausen und in Brandenburg seien vom Bund abgelehnt worden, während das Land Brandenburg stets „Vorreiter“ sei. Morsch: „Der große Erfolg der Gedenkstätten wird zum Handicap, das auf den Rücken der zunehmend überforderten Mitarbeiter abgewälzt wird. Das kann nicht sein.“

Für 2016 kündigten die Leiter der Gedenkstätten Sonderausstellungen an. Die Gedenkstätte Sachsenhausen erinnert an den Massenmord von 13 000 sowjetischen Kriegsgefangenen im KZ Sachsenhausen und an die Einlieferung der ersten vom Sowjetischen Militärtribunal Verurteilten in das sowjetische Speziallager in Sachsenhausen. In Ravensbrück geht es um den Einsatz von Ärztinnen der Roten Armee im KZ sowie um das Umgangsverbot der deutschen Bevölkerung mit Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern. In Brandenburg entwickelt die Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde pädagogische Angebote für Menschen mit Einschränkungen. Eine Ausstellung in der Gedenkstätte Leistikowstraße behandelt die Flucht von sowjetischen Deserteuren in den Westen.

Auf die Kritik der Stiftung reagierte Landtagsabgeordnete Gerrit Große (Linke): Das Land habe seine Finanzierung an den Bedarf angepasst und von 2,5 Millionen Euro (2009) auf 3,2 Millionen Euro (2016) erhöht. Der Bund müsse seine Unterstützung ebenfalls beträchtlich erhöhen, so Große.

Von Marion Bergsdorf

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