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Tagen wie beim Kaiser

Konferenzstadt Potsdam Tagen wie beim Kaiser

Potsdam punktet wegen seiner naturnahen Lage und seiner Kulturschätze als Konferenzstadt gegen den riesigen Nachbarn. Seen, Havel und viele Grünflächen hinter den Tagungshotels locken. Jedoch werden Potenziale des Tagungs- und Kongresstourismus noch nicht ausgeschöpft. Abhilfe schaffen soll die Tourismuskonzeption 2025.

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Charmanter Tagungsort Kaiserbahnhof: Ende Oktober kommt Prominenz aus Russland hierher.

Quelle: MAZ/Archiv

Potsdam. Doch, an Potsdam und das Kongresshotel am Templiner See kann sich Johannes Müller vom Bundesverband Windenergie noch gut erinnern. Besonders die Meetings abends in der großen Lobby des Hotels hätten viele Kontakte ergeben, sagt der Mitarbeiter der Kommunikationsstelle des Verbands. „Ich fand die Stimmung sehr gut“, sagt Müller. „Ich glaube, von dieser Veranstaltung kamen alle sozusagen satt und zufrieden zurück.“ Die vielen Konferenzräume des Hotels hätten gut zum Veranstaltungsformat des Windenergietages 2014 mit drei Hauptforen gepasst. „Absolut“ würde Müller Potsdam als Kongressstadt weiter empfehlen.

Solchen Empfehlungen folgte offenbar kürzlich auch Ronald Pofalla. Der frühere Chef des Bundeskanzleramtes ist jetzt Vorstandsvorsitzender des Vereins Petersburger Dialoge. Seit 2001 treffen sich Vertreter Deutschlands und Russlands, darunter meist auch die jeweiligen Staatsführer selbst, zu Gesprächen. In Zeiten der Krim-Krise hat solch ein Dialog natürlich ganz besondere Bedeutung. Ausgerechnet der erste Petersburger Dialog nach der Annexion der Krim durch Russland findet mit wohl 200 Teilnehmern vom 22. und 23. Oktober nun im alten Potsdamer Kaiserbahnhof statt. Dort wo einst Zar Nikolaus II. feierlich empfangen wurde, werden sich dann Vertreter aus beiden Ländern darüber unterhalten, wie mit dem Konflikt in der Ukraine umgegangen werden kann. Die hoch angebundene Veranstaltung ist ein weiterer Beleg für Potsdam als wichtigem Konferenzstandort.

Die Vermittler

Der Potsdamer Kongress-Preis wurde 2010 erstmals vergeben. Mit der Einführung des Preises erkannte die Stadt letztlich an, dass Kongresse und Tagungen ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor in der Region sind. Getragen wird der Preis vom Verein pro-Wissen und dem Hotelverbund ERFA.

Ausgezeichnet werden Organisatoren von in Potsdam stattfindenden Tagungen und Kongressen aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur. Die Auszeichnung ist für jede der drei Kategorien mit 1000 Euro dotiert. Zusätzlich erhält ein Kongress, auf dem am besten interdisziplinäre Zusammenarbeit umgesetzt wurde, einen von der Stiftung „pearls“ ausgeschriebenen Sonderpreis.

Das Potsdam Convention Office (PCO) plant für Interessenten eine Tagung in der Landeshauptstadt aus einer Hand. Das Büro wirbt besonders mit der reizvollen Umgebung der Stadt und mit den baulichen Schätzen, die die preußischen Könige hinterlassen haben.

Windenergietage, Friedensgespräche, Verdi-Tarifverhandlungen: Immer wieder landet Potsdam wegen prominenter Tagungen auch in den überregionalen Medien. Was zieht die Veranstalter hierher? Jutta Braun, Geschäftsführerin des Kongresshotels Potsdam am Templiner See, hat da eine dezidierte Meinung. Potsdam werde von den Tagungsorganisatoren als das „grüne Vorzimmer von Berlin“ wahrgenommen. Die Gewerkschaft Verdi verhandele mit dem Öffentlichen Dienst schon seit 2003 am Templiner See – und will das vermutlich auch künftig tun. „Sie schätzen die Ruhe hier draußen für ihre Verhandlungen“, sagt Braun. Außerdem böten die vielen Räume des Kongresshotels Kapazitäten für Untergruppen. Potsdam, die Konferenzstadt? Jutta Braun würde es bejahen.

Die üblichen Verdächtigen im Potsdamer Konferenzgeschehen sind neben dem Kongresshotel das Seminaris Seehotel, das Dorint Sanssouci, das Resort Schwielowsee in Werder und schließlich das Potsdamer Inselhotel auf Hermannswerder. Wie viele Tagungen in den Versammlungsräumen dieser Häuser das Jahr über stattfinden, lässt sich nicht genau sagen, da die Formate sehr unterschiedlich sind. Aber auf insgesamt 3500 Treffen mit jeweils mindestens hundert Teilnehmern kommen die fünf Spielstätten wohl locker.

„Potsdam ist in der Nähe zu Berlin ein echter Geheimtipp unter den Veranstaltern“, sagt auch Burkhard Scholz, Geschäftsführer des Inselhotels Hermannswerder. Das liege nicht zuletzt „an der häufig gepriesenen landschaftlich schönen Lage am Wasser und an den vielen Möglichkeiten für Rahmenprogramme von Schlossbesichtigungen bis zu Fahrten auf dem Wasserweg“.

Seen, Havel und viele Grünflächen hinter den Tagungshotels locken vor allem auch die moderne Eventkultur an. Rund 300 Freunde des 2007 gegründeten Online-Musikdienstes „Sound-Cloud“ ließen zum Beispiel vergangenen Sommer ausgerechnet die Kreativstadt Berlin mit all ihren kulturellen Möglichkeiten links liegen und mieteten sich stattdessen im Juli drei Tage lang im Kongresshotel ein. „Es handelte sich hierbei um ein neues Veranstaltungsformat“, erklärt Geschäftsführerin Herbst. Die Tagung mit ihren Zeltaufbauten und Workshops im Freien hatte eher einen Eventcharakter. Die Berliner Hotels hätten kaum solche Flächen für das totale Frischlufterlebnis aufbieten können.

Die Wasserlage rechnet Braun deshalb auch zur großen „Exklusivität“ des eigenen Hauses. Eine solche sei für viele Konferenzveranstalter attraktiv. „Wir sollten das Thema Wasser viel mehr ins Zentrum rücken“, findet die Kongresshotel-Chefin. Immer noch werde Potsdam hauptsächlich als Schlösserstadt vermarktet, dabei sei es dank Havel und Sacrow-Paretzer-Kanal definitiv eine Insel. Gerade das ziehe international stark.

Grenzen gibt es gleichwohl. Hartmut Pirl, Geschäftsführer des Seminaris-Hotels, meint, mit Berlin oder München könne man in einer Hinsicht sicher konkurrieren. Kämen mehr als 1000 Teilnehmer werde es eng. Locations wie die Messe Berlin oder das Estrell Convention Center habe Potsdam nicht. Die Havelstadt bleibe ein Ort „kleinerer Veranstaltungen“.

Das Manko bleibt trotz Metropolis-Halle im Filmpark. Für Tagungen mit 1500 Teilnehmern rechnet man mit einer Nutzfläche von rund 1500 Quadratmetern. Beklagt wird auch, das Potsdam kein eigenes Kongressbüro hat, das die Stadt auf Messen oder in Auslandsvertretungen als attraktiven Tagungsort präsentiert. Inselhotel-Chef Scholz findet gar, die Stadt überlasse das Tagungsgeschehens dem Selbstlauf. Das Marketing sei finanziell und personell „unzureichend“ ausgestattet.

„Die Stadt ist sich durchaus bewusst, dass die Potenziale des Tagungs- und Kongresstourismus in Potsdam noch nicht ausgeschöpft werden“, räumt der Sprecher des Rathauses, Stefan Schukz ein. „Die derzeit zur Verfügung stehenden Mittel setzen auch hier Grenzen.“ Abhilfe schaffen soll die Tourismuskonzeption 2025.

Von Rüdiger Braun

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