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Unterrichten mit dem Herzen

Kultur und Gesellschaft Unterrichten mit dem Herzen

Mit Begeisterung lernen – und unterrichten! Die Potsdamer Dozentin Monika Garve bringt momentan vor allem syrischen Flüchtlingen Deutsch bei. Und nicht nur das: Sie ist für die Flüchtlinge auch Ansprechpartnerin bei vielen Problemen, die sich so bieten, wenn man neu in einem Land ist

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Monika Garve beim Unterricht mit Flüchtlingen in Teltow.

Quelle: Urania Schulhaus / Bernd Schulze

Potsdam. Natürlich aussichtslos, eine Brandenburger Redewendung wie „Ham wa“ (Hochdeutsch für „haben wir“) im Duden zu finden. Von einem leicht verzweifelten jungen Spanier, der in Potsdam eine Ausbildung macht und bei diversen Gelegenheiten dieses seltsame „ham wa“ hörte und erfolglos nachschlug, erzählte seine Deutsch-Dozentin Monika Garve. „Hier lebende Ausländer werden eben auch mit Umgangssprache konfrontiert.“ Und die hat so ihre Tücken. Die sympathische Frau mit dem kessen Kurzhaarschnitt konnte ihren Schüler über die Bedeutung jedenfalls „aufklären“. Innerhalb des Sonderprogramms des Bundes „MobiPro“, das europäischen Jugendlichen hierzulande Ausbildungen ermöglicht, unterrichtet Monika Garve Deutsch als Fremdsprache.

Unterricht in Deutsch, Geschichte und Kultur

Wer in Deutschland leben möchte, sollte die deutsche Sprache und einige wichtige Dinge über das Land lernen. Das empfiehlt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), das auf seinen Internetseiten auf entsprechende Integrationskurse verweist.

Die Stadt Potsdam offeriert Integrationskurse für Zuwanderer. Unterrichtet werden in Intensivkursen Deutsch als Fremdsprache sowie die hiesige Geschichte und Kultur. Offen sind diese Kurse auch für Flüchtlinge. Zusätzlich finden Alphabetisierungskurse statt für Teilnehmer, die in ihren Heimatländern nicht Lesen und Schreiben gelernt haben.

Integrationskurse gibt es in Potsdam bei der Berlin-Brandenburgischen Auslandsgesellschaft, in der Volkshochschule, in der Euro-Schulen Berlin-Brandenburg GmbH sowie im Technologie- und Berufsbildungszentrum Königs Wusterhausen.

Der Bildungsträger Urania Schulhaus GmbH bietet Kurse in Potsdam, Teltow, Bad Belzig und Ludwigsfelde an: Allgemeine Integrationskurse, Alphabetisierungs- sowie Jugendintegrationskurse. Die Urania Schulhaus stellt ein modernes digitales Sprachkabinett zur Verfügung. Je maximal 15 Teilnehmer sind möglich.

Anfang August startete beim Bildungsträger Urania Schulhaus GmbH ein – vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zertifizierter – sechsmonatiger Kurs Deutsch als Fremdsprache. In einem zentral gelegenen Bürohaus in Teltow steht Monika Garve vor einer Klasse mit ausschließlich syrischen Flüchtlingen, die außer ihrer Heimatsprache auch gutes Englisch beherrschen. Deshalb ermahnt sie ihre erwachsenen Schüler immer mal wieder, in der Konversation mit ihr nicht zum Englischen als Rettungsanker zu greifen, sondern es mit Deutsch zu versuchen. „Gut gemacht!“ Ein motivierendes Lob der Dozentin zwischendurch „erleichtert das Lernen“. Aber auch die Schüler untereinander sollen sich Komplimente machen.

Mit Begeisterung sollen ihre Schützlinge lernen. Monika Garves Motto: „Einfach mal an die eigene Schulzeit zurück denken. Wenn man Angst hat, dann ist man blockiert beim Lernen.“ Eine Sprache zu erlernen, sei ein „emotionaler Prozess“. Gewiss, auch die Grammatik sei wichtig – „wie das Fundament eines Hauses“ – , aber eben nicht allein bedeutsam. Monika Garve ist für die Flüchtlinge nicht nur Deutschlehrerin, sondern auch Ansprechpartnerin bei allen Problemen, die sich so bieten, wenn man neu in einem Land ist. Also hilft die freundliche Dozentin beispielsweise bei Fragen rund um Behördengänge.

Von ihrer Arbeit schwärmt sie: „Das ist das Schönste, was es gibt, auf Menschen aus verschiedenen Ländern zu treffen. Für mich ist das wie Urlaubsersatz. Oh je, jetzt halten mich die Leute bestimmt für seltsam.“ Nein, ganz und gar nicht! Eine Dozentin wie Monika Garve hätte man zu Schulzeiten gern öfter gehabt: Genauso leidenschaftlich wie sie ihren Schülern etwas beibringt, genauso berichtet sie über ihre Arbeit. Seit vielen Jahren unterrichtet Monika Garve Deutsch als Fremdsprache. „Ich bin aber keine Pädagogin, ich unterrichte mit dem Herzen“, stellt die Potsdamerin klar. In der DDR studierte sie an der Berliner Humboldt-Universität Slawistik, arbeitete anschließend als Dolmetscherin und Übersetzerin für Russisch und Polnisch. Der Fluss des Lebens führte Monika Garve einige Jahre nach Hamburg. Dort erhielt sie das Angebot, als Deutsch-Dozentin zu arbeiten. Viele Russlanddeutsche, die in den 1990ern in die Bundesrepublik kamen, auch etliche Polen lehrte sie Deutsch. Ein Stück „Heimatgefühl“ gab sie ihnen im Unterricht immer auch mit. Das damalige Programm beinhaltete außer Sprachunterricht die berufliche Integration. „Wir haben 90 Prozent der Teilnehmer in Jobs gebracht“, erinnert sich Monika Garve sichtlich stolz.

Der Familie wegen kehrte sie nun nach Potsdam zurück, um in der Nähe ihrer betagten Mutter zu sein. Über ihr Alter – sie ist jung aussehende 60 Jahre – will Monika Garve nicht nachdenken. „Meine Schüler halten mich jung!“ Man müsse im Leben etwas finden, dass man gern erledigt. „Auch wenn jemand die Straße fegt, kann das mit der gleichen Begeisterung geschehen, wie Picasso gemalt hat.“

Von Ricarda Nowak

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