Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 5 ° Sprühregen

Navigation:
Neues Denken begann im Keller

Bauten der Wissenschaft Neues Denken begann im Keller

Neben dem historischen Hauptgebäude des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) ist ein Neubau mit völlig anderem Gesicht entstanden. Der trotz Holzfassade modern anmutende Komplex zeichnet sich vor allem durch seine energetisch-optimierte Bauweise aus. Zeit für einen Rundgang durch Gebäude und Geschichte.

Voriger Artikel
Unterrichten mit dem Herzen
Nächster Artikel
Vom Winde hingeweht

Historisches Hauptgebäude des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

Quelle: PIK

Potsdam. Es gibt einen Raum im Untergeschoss des international bekannten Kuppelbaus des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) auf dem Telegrafenberg, der dem Leiter des Direktorenstabes Daniel Klingenfeld zu einer Art Synonym geworden ist. Hier im Ostkeller, wo der berühmte Physiker und Nobelpreisträger Albert Abraham Michelson an einem Interferometer den Nachweis für die Absolutheit der Lichtgeschwindigkeit erbracht hat, sind ihm die Parallelen zwischen dem PIK und den früheren Hausherren des Astrophysikalischen Observatoriums aufgefallen: „Hier nahm ein neues Denken seinen Anfang, das auch unser Ansatz ist.“

Das Michelson-Experiment brachte 1881 die klassischen Vorstellungen der Astrophysik zu Fall und gilt als einer der Grundpfeiler von Einsteins Relativitätstheorie. Die Klimaforscher wollen mit ihren neuen Perspektiven die Verminderung der Armut und die Vermehrung des Wohlstands weltweit in einem nachhaltigen Transformationsprozess mit dem Erhalt unserer Lebenswelt in Einklang bringen.

Modernes Kleeblatt

Direkt neben dem historischen Hauptgebäude des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung ist ein Neubau mit einem völlig anderem, ganz eigenem Gesicht entstanden. Der trotz Holzfassade konsequent modern anmutende Komplex auf einem Kleeblatt ähnlichen Grundriss zeichnet sich vor allem durch seine energetisch-optimierte Bauweise aus.

So wird die Abwärme des für die Klimasimulationen vorgesehenen Hauptrechners, der den im historischen Hauptgebäude noch in den Schatten stellt, für Heizungszwecke genutzt. Für die Dämmung der Außenwände des 17 Millionen Euro teuren Komplexes wurden unterschiedliche Methoden entwickelt, deren Effizienz über Jahre hinweg von der Universität Dresden beobachtet wird. Das Gebäude gleicht also einem bewohnbaren Forschungsobjekt. „Wir bauen ein Haus für das 21. Jahrhundert formulierte PIK-Chef Hans Joachim Schellnhuber zur Grundsteinlegung. Eröffnung ist noch im September.

Seit 2001 residiert das PIK im zuvor vollständig wieder hergerichteten 1879 fertiggestellten nach Michelson benannten ehemaligen Astrophysikalischen Observatorium am höchsten Punkt des Telegrafenbergs. Chef Hans Joachim Schellnhuber hat sein Büro passenderweise im Dienstzimmer des ehemaligen Direktors Karl Schwarzschild (1909–1916), einem weiteren Wegbereiter der modernen Astrophysik. Auch an den Wänden schimmert hier und da das historische Original durch die Sanierung hindurch. Einige kleine Stellen des historischen, gestrichenen Putzes blieben wie Visitenkarten erhalten. Insgesamt war der neue Sitz für das 1992 gegründete PIK zur Jahrtausendwende ein Glückstreffer. Für die vielen hochrangigen ausländischen Wissenschaftler und Diplomaten als Gäste des Instituts – auch Prinz Charles zählte schon zu den Besuchern – bietet das sowohl außen als auch innen ungeheuer repräsentative Michelson-Haus mit den geradezu sakral anmutenden drei Kuppeln einen grandiosen Empfang.


Neubau mit einem völlig anderem, ganz eigenem Gesicht

Neubau mit einem völlig anderem, ganz eigenem Gesicht

Quelle: PIK

Nach Plänen des Architekten und Oberbaudirektors Paul Emanuel Spieker errichtet, wurde mit dem Klinkergebäude im klassizistischen Stil dem als englischen Landschaftsgarten konzipierten Wissenschaftpark des Telegrafenbergs gewissermaßen die Krone aufgesetzt. Das nach dem Umzug der Astrophysiker aus Berlin nötig gewordene neue Observatorium, das erst später durch das Refraktorgebäude gegenüber ergänzt wurde, schmückt den höchsten Punkt des einzigartigen Forschungshügels in der Potsdamer Innenstadt.

Mit Spieker als Bauherren, der sein Referendariat bei Friedrich August Stüler absolvierte, der wiederum Schüler Karl Friedrich Schinkels war, scheint auch der Stil dieses großen Architekten durch, der den Klassizismus und Historismus Preußens entscheidend prägte. Das Michelson-Haus bildete den Auftakt der „klassischen“ Bauphase des Telegrafenbergs, die mit dem Magnetischen Observatorium (1889) und dem Geodätischen Institut 1892 fortgesetzt wurde. Die drei Gebäude wurden entlang einer Nordwest-Südost-Geraden platziert und bilden mit dem Eingangstor des Telegrafenbergs, dem Pförtnerhaus, ein gleichschenkliges Dreieck.

Alle Bauten nehmen die damals typischen Potsdamer Farben auf: sie haben gelbe Klinkerfassaden mit roten Bändern, sind aber zusätzlich mit Sternfriesbändern aus glasierten Ziegeln verziert. Noch bis zur Wende wurde das mit den Beobachtungskuppeln streng in West-Ost-Richtung geplante Gebäude vom Zentralinstitut für Astrophysik der DDR genutzt.

Die Beobachtungskuppeln haben inzwischen natürlich anderen Nutzungen Platz gemacht. Die Spitze des großen Turms in der Mitte mit der vormals in Gänze drehbaren Kuppel beherbergt den zentralen Konferenzsaal des PIK, im Westturm finden Videokonferenzen statt, der Ostturm wird für andere Veranstaltungen genutzt. Ein früher als Wasserbehälter gebauter Turm an der Rückfront bietet Platz für verschiedene Arbeitsbereiche. Ein unterirdischer Anbau wurde für den Hochleistungsrechner im Nordwesten angelegt, der für die komplexen Klimamodelle benötigt und bald durch einen weiteren ergänzt wird. Insgesamt arbeiten 50 der 330 PIK-Mitstreiter im Michelsonhaus. Ein Teil wird bald umziehen, wenn der Neubau nebenan eröffnet wird. Der Sitz des PIK bleibt aber das Michelson-Haus.

Von Gerald Dietz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Studium & Wissenschaft

"Herr Professorin": Sind weibliche Berufsbezeichnungen auch für Männer sinnvoll?

MAZ Sportbuzzer
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg