Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Kuppel über dem Holländerviertel

Ein Leichtbau auf dem Dach: Das Urania-Planetarium Kuppel über dem Holländerviertel

Eine ganz besondere Art der Konstruktion aus Holz und Zink war notwendig, damit das Urania-Planetarium seinen Platz auf dem Dach eines Hinterhof-Gebäudes im Potsdamer Holländerviertel einnehmen konnte. In unserer Serie Bauten der Wissenschaft beleuchten wir, wie das Bauwerk an seinen prominenten Platz gekommen ist.

Voriger Artikel
Neuer Chef der Getreideverarbeitung
Nächster Artikel
Bergbau-Wüsten im Visier

Im September 2006 wurde die Kuppel von der Straße auf das Urania-Gebäude im Hinterhof gehievt

Quelle: Urania/Bernd Schulze

Potsdam. Die Sonne geht unter und es wird dunkel, sehr dunkel sogar. Nur die Sterne leuchten am künstlichen Himmel des Planetariums. Der große Wagen ist zu erkennen und tief am Westhorizont der Saturn. „So sieht ein natürlich dunkler Sternenhimmel aus“, erklärt Benjamin Husheer, Leiter des Potsdamer Urania-Planetariums. In Potsdam allerdings würde es so finster nie werden, die vielen Lampen und Straßenlaternen verhindern das. Der Kuppelbau hat einen Durchmesser von gerade einmal acht Metern und bietet 46 Sitzplätze. Damit ist es ein kleines Planetarium, aber gerade passend für eine Stadt wie Potsdam, sagt Husheer. „Bei dieser Größe kann man noch mit den Leuten ins Gespräch kommen“, sagt der 32-Jährige.

Zaubert den Sternhimmel

Zaubert den Sternhimmel: der Zeiss-Projektor.

Quelle: Carl Zeiss

Das Besondere am Potsdamer Planetarium ist seine Lage. Auf dem Dach eines viergeschossigen Hinterhofgebäudes in der Gutenbergstraße thront es praktisch über dem Holländischen Viertel – und das seit 2006. Dass es seinen Weg dorthin fand, ist glücklichen Umständen zuzuschreiben, sagt Urania-Geschäftsführerin Karin Flegel. Bereits seit 1968 hatte es ein Planetarium in der Kaiserlichen Reithalle im Neuen Garten gegeben, seit 2001 in Regie des Bildungsvereins Urania. Im neuen Garten war eine Sanierung nicht möglich, weil der Einbau eines zweiten Fluchtwegs zu teuer geworden wäre. Zufälligerweise suchte die Urania selbst ein neues Domizil und fand es in einem großen Hinterhofgebäude im Holländischen Viertel, in der Gutenbergstraße 72. „Kann man irgendwo die Decke aufsägen, habe ich gleich gefragt“, erinnert sich Karin Flegel. Man konnte. Das Hinterhof-Gebäude, ein von der Straße aus hinter der Barrockfassade eines Holländerhauses verborgener Zweckbau aus den 1920er- Jahren, hatte zuletzt eine Orgelfabrik beherbergt. Der Denkmalschutz hatte daher nichts gegen den Kuppelaufsatz einzuwenden und die Statik des Gebäudes war dafür geeignet. Auch der damalige Eigentümer, der Evangelisch-Kirchliche Hilfsverein, unterstützte das Vorhaben. Über das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt gab es Fördermittel in Höhe von 300 000 Euro.

Das Programm

Auszug aus dem Programm:

Sonntag, 11. Oktober, 11.30 Uhr – Planetenreise für Kinder, 16 Uhr – Kosmische Dimensionen, die Faszination des Unvorstellbaren

Mittwoch, 14. Oktober, 15 Uhr – Himmelskunde und Kuchengenuss

Samstag, 17. Oktober, 14 Uhr – Sternsagen für Kinder, 20.30 Uhr – Late-Night-Show, einmal Mond und zurück

Sonntag, 18. Oktober, 11.30 Uhr – Mondkunde für Kinder, 14 Uhr – Eine Reise durch das Universum

Mittwoch, 21. Oktober, 14 Uhr Sternsagen für Kinder, 17 Uhr – Der Sternenhimmel im Herbst

Samstag, 24. Oktober, 16 Uhr Von Merkur bis Neptun – Eine Reise druch das Sonnensystem

Das vollständige Programm finden Sie unter www.urania-planetarium.de/veranstaltungen

Technisch war das Projekt allerdings nicht einfach. Die Kuppel wurde in Leichtbauweise ausgeführt, mit einem Grundgerüst aus Holz, das mit Zinnplatten verkleidet wurde. Zimmerleute sind es aber nicht gewohnt, Dachstühle in Kuppelform zu bauen. Die Lösung fand sich in Form einer Crew aus dem Filmpark, die dort Kulissen zimmert und ungewöhnliche Formate kennt. Der Kuppelbau wurde auf der Gutenbergstraße zusammen gezimmert, die dafür wochenlang gesperrt werden musste.

Der entscheidende Tag war der 4. September 2006. Mit einem Spezialkran wurde die trotz leichter Materialien 6,5 Tonnen schwere Kuppel von der Gutenbergstraße auf das Urania-Gebäude am Hinterhof gehievt und präzise abgesetzt. Die kleinste Beschädigung wäre fatal gewesen, denn bei der Projektionsfläche im Inneren der Kuppel würden schon Abweichungen von wenigen Millimetern dazu führen, dass die Sterne nicht mehr richtig dargestellt werden. Für den Sternenhimmel sorgt ein Zeiss-Projektor aus dem Jahr 1979, der auch schon im Vorgängerbau seinen Dienst tat. Zur Ergänzung gibt es fünf digitale Video-Beamer. „Damit sind auch virtuelle Reisen ins Weltall möglich“, erklärt Planetariums-Leiter Husheer. Wie aus einem Raumschiff sieht man die Erde von außen, fliegt durch unser Sonnensystem und verlässt schließlich sogar die Milchstraße, um sie als eine von Millionen von Galaxien von außen zu betrachten. In Großplanetarien gehören solche Shows inzwischen zum Standard, aber für kleine Anlagen sind sie durchaus noch nicht üblich, erklärt Husheer. Beide Systeme, der herkömmliche optische Projektor und die digitalen Videobeamer, werden parallel betrieben und bescheren dem Urania-Planetarium viele Besucher. 12 000 waren es im vergangenen Jahr, deutlich mehr als in den Vorjahren. „Und 2015 wird noch besser“, sagt Husheer. An die alten Zeiten reicht das allerdings noch nicht heran. In der DDR war Astronomie im Lehrplan verankert, Schulklassen kamen regelmäßig. Jetzt baut die Urania die Beziehung zu Schulen wieder auf. Einen Wunsch hätte der Verein, der sich der Vermittlung naturwissenschaftlicher Zusammenhänge verschrieben hat, noch für das Planetarium: eine Dachterrasse. In sternenklaren Nächten könnten dann nach der Vorführung Teleskop-Beobachtungen angeboten werden. Durch die vom Straßenlicht abgeschirmte Hinterhoflage ist es sogar relativ dunkel dort. Die Kosten könnte der Verein auf keinen Fall selbst stemmen. Aber vielleicht, so hofft Geschäftsführerin Flegel, hat der jetzige Hauseigentümer, Potsdam-Mäzen Günther Jauch, ja Interesse an einer Verschönerung des Hauses.

Von Ulrich Nettelstroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Studium & Wissenschaft

"Herr Professorin": Sind weibliche Berufsbezeichnungen auch für Männer sinnvoll?

MAZ Sportbuzzer
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg