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Potsdamer krempelt PC-Optik um

FH-Student Lennart Ziburski findet international Beachtung Potsdamer krempelt PC-Optik um

Der herkömmliche Computer-Bildschirm mit sich überlagernden Fenstern und komplizierten Ordner-Hierarchien ist unübersichtlich und wenig effektiv, so die Erkenntnis von Lennart Ziburski. Der 21-jährige Student der Fachhochschule Potsdam hat Gegenvorschläge gemacht, die bereits ein internationales Echo finden.

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„Neo“-Bildschirm

Quelle: Lennart Ziburski

Potsdam. Ein Potsdamer Student hat einen Anstoß gegeben, der das Gesicht der Computer grundlegend verändern könnte. Den bisher mit bunten Icons und sich teilweise überlagernden Fenstern überfrachteten Bildschirm will Lennart Ziburski gründlich entrümpeln. Der 21-Jährige, der an der Fachhochschule Potsdam das Fach Interfacedesign studiert, hat sich unter dem Namen „Desktop Neo“ ein eigenes System ausgedacht, das sich in seiner Optik an Smartphone-Apps anlehnt. Mit seinen Ideen hat er inzwischen international Beachtung gefunden.

Der Grundgedanke: Wenn es am Bildschirm klar strukturiert und übersichtlich zugeht, verzettelt sich der Nutzer nicht so leicht, die Arbeit wird deutlich effizienter. „Fenster nutzen den Bildschirmplatz normalerweise nicht sehr effektiv, da sie sich überlappen“, erklärt Ziburski. Ein schnelles Multitasking bei vielen geöffneten Fenstern werde so schwierig. Seine Alternative sind Panels, die wie beim Smartphone stets die volle Höhe des Bildschirms füllen und die in einem Karussell angeordnet sind, durch das man hindurchscrollen kann. Dateien werden nicht in Ordnern und Unter-Ordnern abgelegt, sondern einfach mit den von Twitter bekannten Hashtags versehen, mit denen sie einfach per Stichwortsuche gefunden werden können. Der Vorteil? „Eine Datei kann nie in mehreren Ordern gleichzeitig sein, kann aber mehrere Tags haben“, erklärt Ziburski. Auch die Maus ist aus seiner Sicht verzichtbar. Eye Tracking geht schneller. Dabei beobachtet eine Kamera am Bildschirm, wohin das Auge schaut und bewegt den Cursor genau an diese Stelle.

Zahlreiche Technologie-Magazine haben über Ziburskis Ideen schon berichtet, etwa die deutsche Ausgabe der renommierten Zeitschrift „Wired“, außerdem amerikanische, japanische, spanische und portugiesische Medien. Der Leiter des Lehrstuhls Interface-Design an der FH Potsdam, Boris Müller, ist über das große Echo nicht überrascht. „Lennarts Ideen haben eine hohe Qualität“, urteilt er. Das Konzept sei nicht revolutionär neu, aber der Versuch einer sehr konsequenten Umgestaltung, die vom aktuellen Gebrauch des Desktops ausgehe. Viele bisherige Elemente der Bildschirmgestaltung seien schließlich eingeführt worden, um Menschen des Analog-Zeitalters den Computer erst einmal begreifbar zu machen. „Da gibt es Ordner, die tatsächlich aussehen wie Aktenordner und Mülleimer, die aussehen wie Mülleimer“, erklärt Boris Müller. Für die sogenannten Digital Natives, die schon als Kinder mit Smartphones und Tablets aufgewachsen sind, sei dieser Umweg überflüssig.

Natürlich haben es Umgestaltungen nicht leicht, wenn sie den privaten Nutzer betreffen, räumt Müller ein. Das musste Microsoft erfahren, als der Konzern sein Betriebssystem Windows in der Version 8 ohne klassisches Startmenü auf den Markt brachte und damit einen Sturm der Empörung auslöste. Bei Expertensystemen wie SAP sei es leichter, auch radikale Erneuerungen zu gestalten, weil dort die Nutzer eher bereit sein, Zeit in eine Schulung zu investieren, wenn sie dadurch in Zukunft mit Erleichterungen rechnen können.

Lennart Ziburski hat daher zunächst keine Pläne zur Umsetzung seiner Ideen. „Da eine gute Umsetzung der Konzepte sehr aufwendig wäre, sind dazu vermutlich nur große Konzerne wie Apple, Google oder Microsoft in der Lage“, erklärt er. Allerdings werde er im Sommer ein Praktikum bei einem der großen Technologie-Unternehmen in den USA machen und dort vielleicht Aspekte der Arbeit weiterverfolgen können.

Für den Studiengang Interfacedesign an der FH Potsdam ist der Senkrechtstarter-Student voll des Lobes. „Das ist ein großartiger interdisziplinärer Studiengang“, schwärmt er. In einer Studien-Arbeitsgruppe hat sich Ziburski beispielsweise mit der Frage befasst, wie Klang über Tastsinn spürbar gemacht werden kann. Mit einigen Mitstudierenden hat er eine Möglichkeit entwickelt, Töne in Vibrationen umzusetzen. So können Hörgeschädigte Musik erleben. In dem Kurs, der in Kooperation mit der Firma Microsoft stattfand, ging es um Möglichkeiten, das Leben von Menschen mit Behinderung zu verbessern. Das Studium sei sehr praxisorientiert und biete die Möglichkeit, viele verschiedene Themen nach eigenem Interesse zu erkunden, lobt Lennart Ziburski. Es könnte also die Chance bestehen, dass er nach seinem Gastspiel in den USA in die Brandenburger Landeshauptstadt zurückkehrt.

Von Ulrich Nettelstroth

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