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Oase auf dem Dach

Leben und Umwelt Oase auf dem Dach

Immer mehr Städte fördern die Dachbegrünung. Das Dachgrün schirmt gegen UV-Strahlen ab und sorgt für ein besseres Raumklima durch die Verdunstung des gespeicherten Regenwassers. Es dämmt gegen Wärme und Kälte, filtert Staub. Auch schafft es Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

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Nicht nur ein Refugium für die Mitarbeiter: Kleinpark auf dem Dach des Nachhaltigkeitsinstituts IASS.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Eher selten sprießen Blumen, laden Wiesen zum Flanieren ein oder erheben sich Büsche und kleinere Bäume wie bei der Dachbegrünung des Potsdamer Nachhaltigkeitsinstituts IASS. Oft herrschen blasse Farben flach wachsender, in ihrem Bedarf bescheidener, dafür umso widerstandsfähiger Gewächse wie Trockengräser, Sedum- oder Steinbrecharten vor. Gleichwohl bringen Dachbegrünungen gleich welcher Form hohen ökologischen Nutzen mit sich, dämpfen die Erderwärmung, verhelfen Gebäuden zu mehr Nachhaltigkeit und sparen den Inhabern meist auch nicht unerhebliche Kosten. Immer mehr Kommunen in Deutschland fördern Dachgärten – zuletzt Hamburg mit einem groß angelegten Programm. Auch in Potsdam setzen Unternehmen und öffentliche Einrichtungen auf Gebäude, die Vegetation einfach mal ein paar Stockwerke in die Höhe versetzen.

Hotels und Märkte

Ein Anbieter für Dachbegrünungen in Brandenburg ist das Unternehmen Fairplants in Pritzwalk (Prignitz), das bislang auf Gebäuden in Nord- und Nordostdeutschland aktiv war. Es wurden Dächer des Hansecenters Stralsund, der Greifswalder Entsorgung oder eines Feriendorfs und Hotels auf Rügen sowohl extensiv – also mit flachen Gewächsen – als auch intensiv mit höheren und anspruchsvolleren Gewächsen begrünt.

Als architektonisch eindrucksvoll wird in Fachkreisen eine Begrünung des Gebäudes des Solar-Unternehmens Solon SE in Berlin-Adlershof beschrieben, bei der Fairplants mitgewirkt hat. Durch die begrünte Dachfläche, die auch für Mitarbeiter und Besucher nutzbar ist, ragen rote Treppenhaustürme nach außen.

„Das stärkt nicht nur die biologische Vielfalt und bringt ökologische Vorteile, meine Kollegen und ich haben auch ein völlig entspannendes Refugium“, sagt die IASS-Biologin Galina Churkina zu dem rund 1100 Quadratmeter großen Kleinpark auf dem Dach des Gebäudes. Da werde einmal investiert, ein paar Mal im Jahr Unkraut entfernt, „ansonsten erfüllt es seinen Zweck und bringt auch noch eine schöne Optik“, lobt auch Jörg Walter, Gebäudemanager bei der Landesbausparkasse (LBS) die Dachbegrünungen der Komplexe am Potsdamer Luftschiffhafen. LBS, Ostdeutscher Sparkassenverband und das Kongresshotel haben auf den Dächern ihrer Gebäude gleich mehrere sogenannter extensiver Anlagen flach wachsender Pflanzen, zusammen weit mehr als 10 000 Quadratmeter. Heiko Ebert, Innungsmeister der Dachdecker der Kreishandwerkerschaft kann da nur beipflichten: „Wenn es gut gemacht ist, hält die Bausubstanz länger und es ist von der Bilanz her positiv.“ Die Handwerkerschaft hat auf ihrem früheren Bildungszentrum in Babelsberg, das heute eine Akademie der Arbeiterwohlfahrt beherbergt, ebenfalls einen Dachgarten eingerichtet, der auch als Erweiterung der Kantine diente.

Ob „intensiv“ wie bei den oben liegenden Kleinparks oder „extensiv“ wie bei den Krautflächen, die Dachbegrünung habe eine Fülle an Vorzügen und spiele bei der nachhaltigen Stadtentwicklung eine immer größere Rolle, sagt Wolfgang Ansel, Geschäftsführer des Deutschen Dachgärtner Verbandes. Das brach liegende Potenzial der Dächer biete Flächen für notwendige Naturareale und ausgleichende Wirkungen sowohl hinsichtlich des Umwelt- wie auch des Klimaschutzes. Das Dachgrün schirmt gegen UV-Strahlen ab, sorgt für ein besseres Raumklima durch die Verdunstung des gespeicherten Regenwassers, dämmt gegen Wärme und Kälte ab, sorgt für Entlastung der Kläranlagen, filtert Staub sowie Schadstoffe und schafft Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Schließlich gehen täglich mehr als 100 Hektar Boden durch Bodenversiegelung bei Bauvorhaben verloren.„Insgesamt handelt es sich um eine kosteneffiziente Maßnahme, weil man die Flächen nicht zusätzlich erwerben muss“, so Ansel. Je nach Ausführung ist eine extensive Begrünung schon für 30 Euro pro Quadratmeter zu haben – dreimal soviel wie ein konventionelles Dach. Hinzu kommen mindestens jeweils im Frühjahr und Herbst Pflegeinvestitionen von etwa einem Euro pro Quadratmeter.

Dem stehen Sparpotenziale gegenüber. Neben sinkenden Gebäudeheiz- und -kühlungskosten ist einer der wichtigsten Einsparfaktoren eine geringere Abwassergebühr. Mittlerweile sind in Deutschland gesplittete Gebühren Usus, die das abgeleitete Regenwasser beinhalten. Das sinkt mit Dachbegrünungen immens. Teilweise seien Reduzierungen um bis zu 50 Prozent möglich, weiß Thomas Krummsdorf vom Pritzwalker Baubegrüner Fairplants (Prignitz). Ein zweiter Faktor sind Anforderungen zum Ausgleich für Flächenversiegelungen durch Baumaßnahmen wie Baumpflanzungen, die Investoren durch Dachbegrünungen einlösen können.

Immer mehr Städte fördern die Dachbegrünung zudem durch Zuschüsse. Hamburg hat ein Programm gestartet, bei dem es für private Hauseigentümer bei Bepflanzungen bis 100 Quadrat bis zu 60 Prozent Zuschüsse gibt. Auch Besitzer größerer Gebäude bekommen Geld. Ziel der insgesamt an Fördergeldern zur Verfügung stehenden drei Millionen Euro ist eine Steigerung der Gründachfläche bis 2020 um 100 Hektar. Berlin, München oder Stuttgart haben längst die eine Million-Quadratmeter-Marke bei Dachbegrünungen erreicht. Laut einer Befragung der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung sollen deutschlandweit jährlich rund acht Millionen Quadratmeter neue begrünte Dachfläche hinzukommen.

Von Gerald Dietz

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