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Sabine Kunst neue Präsidentin der HU

Fünf Jahre in der Politik Sabine Kunst neue Präsidentin der HU

Brandenburgs Wissenschafts- und Kulturministerin Sabine Kunst wechselt zurück an die Spitze einer großen Universität. Die 61-Jährige wurde am Dienstag zur neuen Präsidentin der Humboldt-Universität in Berlin gewählt. Auf sie warten große Aufgaben. Ihre Nachfolgerin in Brandenburg könnte hingegen ein bekanntes Gesicht werden.

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Sabine Kunst will der Politik wieder den Rücken kehren.

Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam. Der Einstieg in die Politik, so formulierte es Sabine Kunst nach ihrer Vereidigung zur neuen Kultur- und Wissenschaftsministerin in Brandenburg, komme ihr vor „wie eine Landung auf einem anderen Trabanten“. Das war im Februar 2011. Ministerpräsident Matthias Platzeck hatte – für viele überraschend – der Präsidentin der Potsdamer Universität einen Platz in seinem rot-roten Kabinett angeboten. Die parteilose damalige „Hochschulmanagerin des Jahres” nahm dankend an. Die unverhoffte Offerte ließ zugleich einen kleinen persönlichen Dämpfer schnell vergessen: Wenige Wochen zuvor war sie bei der Rektorenwahl der Universität Leipzig durchgefallen. Nun stürzte sich Sabine Kunst mutig in das Abenteuer Politik .

Fünf Jahre später endet ihr Ausflug und sie dockt wieder dort an, wo sie aufgehört hatte: an der Spitze einer großen Wissenschaftsbehörde, diesmal der Humboldt-Universität (HU) in Berlin. Die 61-Jährige wurde am Dienstag vom Konzil der Hochschule mit deutlichen 49 von 55 Stimmen zur neuen Präsidentin gewählt. Es gab sechs Gegenstimmen. Der bisherige Präsident Jan-Hendrik Olbertz stand nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung. Es hatte Streit gegeben. Olbertz wollte die Verwaltung reformieren und das Amt des für Haushalt zuständigen Kanzlers wiedereinführen, konnte sich damit jedoch nicht durchsetzen.

„Ich stehe hier zur Verfügung, sobald es möglich ist“, sagte Kunst zu ihrem möglichen Arbeitsbeginn. Zum Sommersemester im April wird sie wohl ihren neuen Job antreten. Als ihre wichtigsten Ziele nannte Kunst die Vorbereitung der nächsten Exzellenzinitiative, eine gute Grundfinanzierung für die Hochschule sowie die Sicherung einer guten Lehre und Forschung. „Es ist mir eine große Aufgabe, die Humboldt-Universität mit ihren Mitgliedern weiter nach vorn zu bringen“, sagte die designierte Präsidentin. Zum Streit um einen Kanzler sagte sie nur, es sei wichtig, dass die Hochschule einen „Profi“ mit substanzieller Erfahrung in Haushalt, Verwaltung und Technik habe. „Ob er oder sie Kanzler heißt, ist mir egal.“

In Brandenburg gehörte Sabine Kunst zwei Landesregierungen unter zwei Ministerpräsidenten an und trat 2014 in die SPD ein. Nach Platzeck berief sie auch Dietmar Woidke nach seinem Wahlsieg 2014 wieder an die selbe Stelle im Kabinett. Dort, als Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, hatte sich die zierliche Frau mit den kurzen blonden Haaren einen Namen gemacht. Ihr größter Erfolg: Sie boxte trotz großer Widerstände, inklusive einer Volksinitiative, die Fusion zweier Hochschulen in der Lausitz zur Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg durch und bewies Durchsetzungskraft und Zähigkeit. Allerdings fehlte der Seiteneinsteigerin bis zum Schluss eine „Hausmacht“, was ihr das selbstständige Agieren im Kabinett erschwerte.

Die Entscheidung, sich an der Berliner Humboldt-Universität zu bewerben, fiel kurzfristig. Die Hochschule hatte zunächst den Würzburger Mediziner Martin Lohse als Kandidaten nominiert. Doch dieser zog seine Bewerbung zurück. Er begründete seine Absage damit, dass die Aufgaben weitaus mehr „von Verwaltungs- und Finanzierungsaspekten geprägt“ seien als er sich das vorgestellt habe. Die HU stand wieder am Anfang, ihr Ruf begann zu leiden.

Auf Sabine Kunst warten große Aufgaben

Auf Kunst wartet eine große Aufgabe warten: Als Präsidentin gäbe sie den Kurs vor für rund 34 000 Studenten, mehr als 400 Professoren, knapp 2000 Mitarbeiter im wissenschaftlichen Mittelbau und weitere rund 1500 in der Verwaltung. 1810 gegründet, hat die HU den Ruf als „Mutter aller modernen Universitäten“.

Sabine Kunst stand dem Konzil bereits in der Vorwoche zu ihrem Werdegang und ihren Plänen als mögliche Präsidentin Rede und Antwort. Besonders wichtig sei ihr, die „evidente Unterfinanzierung“ der Uni aufzulösen, wie die HU berichtet. Mehr Mittel seien dringend nötig, auch angesichts der wachsenden Studierendenzahlen und der angespannten Betreuungssituation an den Berliner Universitäten.

Der Konzilvorsitzende Michael Seadle sagte, es sei von Vorteil, dass Kunst Erfahrung als Wissenschaftsministerin habe. Dies sei wichtig, um die Hochschule künftig finanziell angemessen auszustatten. Als positiv hob Seadle auch die Doppelpromotion der 61-Jährigen in Ingenieurwesen und Politikwissenschaft hervor.

„Mit Sabine Kunst hat die Humboldt-Universität eine renommierte Wissenschaftlerin und Politikerin an ihre Spitze gewählt“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Ihre Qualifikationen, ihr wissenschaftliches sowie hochschulpolitisches Profil und ihre internationale Erfahrung ebenso wie ihre Vertrautheit mit der Wissenschaftslandschaft der hiesigen Region sprächen für sich. „Sabine Kunst ist für die Humboldt-Universität und für Berlin die richtige Frau zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, bemerkte Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Martina Münch könnte den Posten von Kunst übernehmen

Brandenburgs Landesregierung sieht momentan keinen Anlass für eine Nachfolge-Diskussion. „Die Frage stellt sich noch nicht“, sagte der Leiter des Presseamts der Staatskanzlei, Hans Völkel.

Als Nachfolgerin für Sabine Kunst als Wissenschaftsministerin in Brandenburg kommt nach MAZ-Informationen die Landtagsabgeordnete Martina Münch (SPD) infrage. Sie hatte den Posten von 2009 bis 2011 schon einmal inne, ehe sie zur Bildungsministerin berufen wurde. Sie ist die Vorgängerin von Kunst in diesem Amt. Nach der Landtagswahl im Herbst 2014 schied Münch aus dem Kabinett aus und steht nun vor einem Comeback.

Kunst war von 2007 bis 2011 Präsidentin der Universität Potsdam. Sie hat in den Bereichen Umweltbiotechnologie, Bauingenieur- und Vermessungswesen sowie Politikwissenschaft promoviert. Als erste Frau war Kunst von Juni 2010 bis 2011 Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD).

Von Igor Göldner

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