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Schlagabtausch zu Uferpark am Jungfernsee

Streit um DDR-Grenzanlagen in Potsdam Schlagabtausch zu Uferpark am Jungfernsee

Der Verein „Erinnerungsorte Potsdamer Grenze“ und das Potsdamer Grünflächenamt haben erstmals öffentlich über die Gestaltung des Uferparks am Jungfernsee gestritten. Der Verein befürchtet, dass nach dem Konzept des Grünflächenamtes weitere Zeugnisse des DDR-Grenzregimes verloren gehen könnten.

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Um den Erhalt der „Dieselhalle“ wird gestritten. Laut Grünflächenamt hat sie weder historischen, noch ästhetischen Wert. Der Verein „Erinnerungsorte“ hält sie für ein wichtiges Zeugnis des DDR-Grenzregimes am Jungfernsee.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Einen verbalen Schlagabtausch zur Gestaltung eines Uferparks am Jungfernsee lieferten sich am Donnerstagabend im Kulturausschuss das städtische Grünflächenamt und der Verein „Erinnerungsorte Potsdamer Grenze“. Der Verein, der das Verschwinden letzter Zeugnisse des DDR-Grenzregimes befürchtet, initiierte über die Grünen einen Antrag, nach dem das Rathaus ein Konzept für das Gelände der ehemaligen Grenzanlagen am Jungfernsee entwickeln soll. Bis zum Vorliegen dieses Konzeptes „dürfen“ laut Antrag „authentische Bauwerke und Zeugnisse in diesem Bereich ... nicht abgerissen oder verändert werden“.

Der prominent mit Wissenschaftlern wie Dieter Vorsteher (Deutsches Historisches Museum Berlin), Jürgen Reiche (Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland Bonn) oder Frank Bösch (Zentrum für Zeithistorische Forschungen Potsdam) besetzte Verein will die Geschichte des Grenzregimes erforschen, um sie jüngeren Menschen vermitteln zu können, die oftmals gar keine Vorstellung mehr davon hätten, so der Initiator des Vereins, Jan Fiebelkorn-Drasen, im Kulturausschuss.

Dafür solle die Authentizität der letzten Zeignisse am Ort erhalten bleiben. Kernpunkte sind der denkmalgeschützte Grenzturm, das alte Wasserwerk, das als Aussichtspunkt dienen soll, und eine Dieselhalle der Grenztruppen, die nach den Plänen des Grünflächenamtes längst weg sein sollte.

Nach Angabe von Grünflächen-Bereichsleiter Herbert Claes gibt es bereits seit Mai 2013 ein Konzept zur Umgestaltung der Anlagen, das nur nicht umgesetzt wurde, weil alle Finanzen für dringliche Projekte wie die Umsetzung des Schulentwicklungsplanes benötigt würden. Die Dieselhalle, die nach Einschätzung der zuständigen Arbeitsgruppenleiterin Gabriele Schneider weder „historisch, noch ästhetischen Wert“ hat, wäre nach ihren Angaben von einem Anrainer auf eigene Kosten abgerissen worden. Der Abriss wurde laut Claes im Zusammenhang mit dem Grünen-Antrag äußerst kurzfristig ausgesetzt.

Nach Ansicht von Fiebelkorn-Drasen hat die Halle durchaus historischen Wert, weil in ihr das Notaggregat für die durchgängig taghelle Beleuchtung der Anlagen am Jungfernsee untergebracht war. Nach dem Konzept des Vereins könnte die Dieselhalle als Ausstellungs- und Aufenthaltsraum genutzt werden.

Fiebelkorn-Drasen kritisierte die Pläne des Grünflächenamtes, deren Umsetzung nach seinen Angaben insgesamt mehr als 500 000 Euro kosten würde: „Die Halle soll abgerissen und an ihrer Stelle eine Fläche aufgeschüttet werden, um eine falsche Dramatik zu erzeugen.“

Konsens besteht offenbar bei dem Plan, das alte Wasserwerk zu erhalten und zugänglich zu machen. Laut Schneider ist beabsichtigt, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. Einen speziellen Wert hat es als vom Naturschutzbund begleitetes Fledermausdomizil. In einem Schreiben der Verwaltung heißt es dazu: „Erste Verkehrssicherungsmaßnahmen wurden bereits im Jahr 2013 durchgeführt. Für die Fledermäuse wurden Einflughilfen hergestellt.“ 2016 sollen demnach weitere Verkehrssicherungsmaßnahmen eine Öffnung des Geländes ermöglichen.

Im Kulturausschuss vereinbarten das Grünflächenamt, die von Schneider geleitete Arbeitsgruppe, der Verein und das Kulturamt weitere Gespräche. Dem Antrag der Grünen auf Erstellung eines Konzeptes wurde im Kulturausschuss ebenso wie zeitgleich im Umweltausschuss zugestimmt.

Von Volker Oelschläger

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