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Schloss denkt mit

Schutz vor Fahrradklau Schloss denkt mit

Ex-Studenten der Potsdamer Fachhochschule haben ein neues Fahrradschloss konzipiert, das sich automatisch schließt oder öffnet – je nachdem ob sich der Benutzer entfernt oder nähert. noch ist es ein Prototyp. aber die Entwickler bauen auf einen Verkaufsstart im kommenden Jahr.

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Christian Anuth (vorn) und die Mitstreiter (v.l.) Christian Werner, Maria Leye und Markus Weintraut.

Quelle: Privat

Potsdam. Der Besitzer hat sein Fahrrad abgestellt und läuft einfach davon. Kaum ist er ein paar Schritte weg, macht es „Klack“ und das metallene Ringschloss schnappt automatisch zu. Kommt der Besitzer zurück, macht es wieder „Klack“ und das Fahrradschloss springt ganz von allein auf. Lauert unglücklicherweise ein Langfinger um die Ecke, hat das Schloss noch weitere Tricks parat. Greift ein Dieb zu, schrillt das Schloss die ganze Umgebung voll. Ist der Besitzer noch in der Nähe, gibt auch dessen Handy Alarm. „I lock it“ heißt dieses Wunderschloss.

„I lock it“ ist zwar noch nicht zu kaufen, existiert aber schon als Prototyp. Geht es nach dem Willen von Christian Anuth, Markus Weintraut, Christian Werner und Maria Leye kann jeder Radler „I lock it“ – „Ich schließe es“ – schon Anfang 2016 kaufen. Die vier ehemaligen Studenten der Fachhochschule Brandenburg (FHB) haben schon im Juli die Firma „haveltec UG“ gegründet, die im ersten Quartal des kommenden Jahres unter anderem das intelligente Superschloss fürs Fahrrad herausbringen soll. Produziert werde voraussichtlich bei einem Partner in Magdeburg.

Was vor über zwei Jahren als Idee in einem Seminar der FHB – damals noch mit zum Teil anderen Akteuren – begann, ist nicht nur mit dem Innovationspreis Brandenburg ausgezeichnet worden, es hat Anfang September auch seine erste öffentliche Bewährungsprobe auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin bestanden. „Die IFA war für uns eine sehr erfolgreiche Messe“, sagt Maria Leye, Sprecherin des jungen Unternehmens. „Wir haben viel positives Feedback bekommen.“ Gestaunt über die Idee des Automatikschlosses „I lock it“ hätten nicht nur mögliche Käufer, sondern auch andere Unternehmen und der Handel.

Meistens mangelhaft

316 857 Fahrräder wurden laut einer Deutschlandstudie 2013 geklaut. In Brandenburg zählte man zu dieser Zeit rund 14 000 Fahrraddiebstähle. In Hochburgen wie Cottbus ist Fahrradklau Volkssport. Allein in Cottbus waren über 1600 Fahrraddiebstähle angezeigt worden.

Die Stiftung Warentest hatte im selben Zeitraum 37 Fahrradschlösser getestet. Nur fünf Schlösser wurden für „gut“ befunden, nicht weniger als 13 Schlösser waren mangelhaft.

„Es war alles dabei, wir haben ein sehr positives Bild erzeugt“, so Leye. Einen passenden Investor haben die Startups allerdings noch nicht gefunden. Auch ihre ursprünglich für August geplante Crowdfunding-Aktion zur alternativen Finanzierung ihres Projekts haben die vier erst einmal verschoben. Interessierte Kunden müssen bei Crowdfunding übers Internet vorbestellen und -bezahlen und so die Produktion erst ermöglichen. Vor dieser Aktion wollen Anuth, Weintraut, Werner und Leye erst noch eine wichtige Hürde nehmen: Die Sicherheitszertifizierung durch die EU.

Leye glaubt, dass das gelingen werde. Zu den Kernfunktionen des Schlosses gehöre nicht nur eine ausgeklügelte Sensorik und Elek­tronik, sondern auch eine über Bluetooth ermöglichte Verbindung mit dem Handy des Besitzers. Eine wichtige Eigenentwicklung der Konstrukteure Anuth, Werner und Weintraut ist die automatische Abstandsprüfung zwischen Schloss und Handy. Sie erst ermöglicht das vollautomatische Schließen und Öffnen. Sobald das Schloss „merkt“, dass das Handy des Nutzers über einen Meter entfernt ist, schnappt es zu. Nähert sich das Handy wieder, geht das Schloss auf. Diese Funktion irritiere übrigens viele Nutzer, weiß Leye. Viele liefen noch einmal zurück, um zu prüfen, ob das Schloss tatsächlich zu sei, obwohl eigentlich ein Warnton über Fehlfunktionen informiere. Schaue man trotzdem nach, gehe das Schloss natürlich wieder von alleine auf. Wegen dieser Irritationen gibt es auch eine Knopffunktion für eher konventionelles Abschließen. Sicherheitsfunktionen wie ein Bewegungssensor sorgen wiederum dafür, dass das Schloss nicht zuschnappt, wenn der Nutzer während des Radelns einmal sein Handy verlieren sollte.

Dass diese ausgeklügelte aber zunächst eher unverbindliche Projektidee nun unternehmerisch umgesetzt wird, hat sicher auch mit dem Hintergrund der vier Gründer von „haveltec UG“ zu tun. Christian Anuth, der an der FHB Mechatronic und danach Technologie- und Innovationsmanagement studierte, hat Erfahrung als Produktionsleiter in einer Firma. Markus Weintraut hat nicht nur den selben Studienhintergrund, sondern auch viel berufliche Erfahrung im Ausland gesammelt, Christian Werner hat IT-Elektronik studiert und ebenfalls schon in vielen Firmen gearbeitet, Maria Leye wiederum hat einen Master of Business Administration und gehört zum Team des Zentrums für Gründung und Transfer der FHB. Sie weiß, wie man innovative Produkte bekannt macht.

Absolut sicher sei der Start am Markt noch nicht, gibt Leye zu. „Es handelt sich um ein innovatives Produkt, da sind immer Risikofaktoren mit drin.“ Aber in seinen technischen Funktionen sei „I lock it“ sattelfest. Die vier sind jedenfalls sicher, dass es im Frühjahr 2016 das Superschloss für voraussichtlich 159 Euro zu kaufen gibt. Und schon jetzt haben sie auch den amerikanischen Markt anvisiert. Nicht schlecht: Laut den Marktforschern von „Gluskin Townley“ stiegen dort schon 2008 mehr als 44 Millionen Menschen regelmäßig aufs Rad.

Von Jürgen Lauterbach und Rüdiger Braun

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