Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Einstürzende Bauten und Autojagden

Animierte Welten in digitalen Sets Einstürzende Bauten und Autojagden

Wenn Filmemacher sehen wollen, wie ihre Ideen im Kino wirken, ist ein Potsdamer Medieninformatiker gefragt. Seine Pre-Visualisierungen bestimmen Drehbücher mit und sparen Produzenten viel Geld. Geschrottete Autos in Bits und Bytes kosten weniger als in der Realität.

Voriger Artikel
Forschungspark mit Weltruhm
Nächster Artikel
Erinnerung an das „Kahlschlagplenum“

Pre-Visualisierung und Filmszene aus dem in Babelsberg gedrehtem Kino-Epos „Cloud Atlas“.

Quelle: Carsten Woithe

Potsdam. Wann immer ein Regisseur sehen möchte, wie und ob Spezialeffekte – wilde Verfolgungsjagden, einstürzende Neubauten oder explodierende Autos – auf der Leinwand wirken, muss Carsten Woithe ran. Der diplomierte Medieninformatiker und Filmuni-Professor stellt sogenannte Pre-Visualisierungen her, in denen die technische Machbarkeit beispielsweise von Stunts dargestellt werden kann. In animierten Filmchen zeigt Woithe dann, wo beispielsweise bei einer Explosion am effektivsten Autos platziert werden und was wie geht. Allen Gewerken wie Kamera, Licht und Szenenbild werden mit einer „Pre-Vis“ die nötigen Informationen für den Dreh geliefert. „Stunts müssen auf den Punkt klappen, sicher und wiederholbar sein“, sagt der 42-Jährige.

Pre-Visualisierungen ersparen den Filmproduktionsgesellschaften enorme Kosten. Animierte Autos auf dem Computer zu „schrotten“ ist schließlich günstiger als sie tatsächlich zu Klump zu fahren – nur, um zu sehen, was funktioniert. In deutschen Filmprojekten haben Vor-Visualisierungen Seltenheitswert, in internationalen Produktionen gehören sie zum Standard.

Auch bei Steven Spielbergs bald im Kino startenden Agententhriller „Bridge of Spies – Der Unterhändler“, gedreht in Potsdam und Berlin, hatte Woithe seine Hände im Spiel. Für die Szene, in der ein Aufklärungsflugzeug abgeschossen wird (was später für allerhand diplomatische Ost-West-Verwicklungen sorgt), hat Woithe den Absturz animiert. Auch die Außenkonstruktion für das Flugzeugset stammt von ihm.

Seine ersten Schritte im Filmgeschäft ging der passionierte Rugby-Spieler, aufgewachsen in Babelsberg, bei der Defa. In den Filmstudios absolvierte er Ende der 1980er eine Ausbildung zum Beleuchter und Elektriker. „Eine Zeit, die mir jetzt vorkommt, als würde ich sie auf einem Schwarz-weiß-Fernseher meiner Eltern betrachten“, sagt der gebürtige Cottbusser.

 

An etlichen internationalen Filmen beteiligt

Carsten Woithe hat Beleuchter und Elektriker bis Frühjahr 1990 bei der Defa gelernt. Anschließend war er als Büroinformationselektroniker, später als Kundendienstleister und Techniker in Berlin tätig.

An der University of Applied Sciences TFH Berlin (heute Beuth Hochschule für Technik) studierte Woithe Medieninformatik, schloss mit Diplom ab.

Seit 2003 ist der gebürtige Cottbusser in Filmproduktionen Art Director, Set Designer, VFX und Motionbase Supervisor. In seiner Filmografie finden sich zahlreiche internationale Koproduktionen von Studio Babelsberg, darunter „Bridge of Spies“ (ab 26. November im Kino), „Point Break“ (ab 21. Januar 2016), „Monuments Men“ oder „Cloud Atlas“.

An der Filmuni „Konrad Wolf“ unterrichtet Woithe seit 2014 als Gastprofessor. Zum Wintersemester hat er im Studiengang Szenografie die Professur für digitale Sets übernommen.

Nach Wende und Defa-Abwicklung holte Woithe das Abi nach, studierte Medieninformatik. Jobs führten ihn von Berlin über London wieder zurück nach Babelsberg – dort ist inzwischen Hollywood Dauergast. Und damit sind Potenziale vorhanden, um Filmwelten am Computer zu erschaffen. Mit Uli und Gerd Nefzer von der gleichnamigen hiesigen Spezialeffektefirma setzte Woithe diverse Projekte um. Seine Filmografie: Eindrucksvoll! Vom Science-Fiction-Kracher „Aeon Flux“ bis zum Action-Remake „Point Break“ – bei fast allen großen Studio-Babelsberg-Koproduktionen der vergangenen Dekade war Woithe dabei – als Szenenbildner, 3-D-Set- und „Pre-Vis“-Designer. Im Sommer hat Woithe für den dritten Teil der Comicverfilmung „Captain America“ und für den kürzlich abgedrehten Horrorthriller „A Cure for Wellness“ Actionsequenzen und Spezialeffekte entworfen.

Seit 2014 gibt Woithe seine Erfahrungen an Studenten der Filmuniversität „Konrad Wolf“ weiter, hat zum Wintersemester im Studiengang Szenografie die Professur für digitale Sets übernommen. Dem Branchennachwuchs bringt er digitale Gestaltungsmöglichkeiten sowohl konkreter als auch virtueller filmischer Räume nahe.

Von Ricarda Nowak

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Studium & Wissenschaft

"Herr Professorin": Sind weibliche Berufsbezeichnungen auch für Männer sinnvoll?

MAZ Sportbuzzer
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg