Volltextsuche über das Angebot:

0 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Spezialisten und Überflieger in Kleinmachnow

Neue Geschichtensammlung von Harald Kretzschmar Spezialisten und Überflieger in Kleinmachnow

Seine neueste Geschichtensammlung „Treff der Originale“ stellt der Kleinmachnower Grafiker und Autor Harald Kretzschmar vor. Der Band sprengt etwas den ortsbezüglichen Rahmen, als Kretzschmar diesmal seine Erkundungen bis in die Nachbargemeinden wie Teltow hinein ausgedehnt hat.

Voriger Artikel
Deutsche Kinder gehen ungern zur Schule
Nächster Artikel
Neuruppin sucht Medizintechnik der Zukunft

Harald Kretzschmar vor der Ex-Fabrikantenvilla in Teltow. Sein Großvater war ihr erster Bewohner. Jetzt lässt der neue Besitzer sie denkmalgerecht sanieren.

Quelle: Christel Köster

Teltow/Kleinmachnow. Harald Kretzschmar ist auch außerhalb von Kleinmachnow kein Unbekannter. Der hauptsächlich als Grafiker arbeitende Künstler ist ein brillanter Porträtzeichner und wurde schon zu DDR-Zeiten bekannt, als er für die Satire-Zeitung „Eulenspiegel“ arbeitete. Seine Prominenten-Zeichnungen bestechen vor allem deshalb, weil Kretzschmar das Wesenhafte der Porträtierten durch eine Reduktion der Linien darzustellen vermag.

Kretzschmar, der im Mai dieses Jahres 85 wird, ist ein unsteter Geist, der aber nicht nur zeichnet, sondern auch schreibt. Mit seinem 2008 erschienenen Buch „Paradies der Begegnungen“ hat er seinem Wohnort Kleinmachnow ein Denkmal gesetzt. Am 25. Februar wird es nun im Rathaussaal der Gemeinde eine weitere Buchpremiere geben. Seine neueste Geschichtensammlung „ Treff der Originale“ sprengt insofern ein wenig den ortsbezüglichen Rahmen, als Kretzschmar diesmal seine Erkundungen bis in die Nachbargemeinden hinein ausgedehnt hat.

Ging es im ersten Buch um das Leben von ortsansässiger Prominenz aus Kultur und Gesellschaftsleben, so hat Kretzschmar diesmal auch Persönlichkeiten aus anderen Gebieten, wie Wissenschaft, Sport und Technik mit einbezogen. Schon deren Gruppenzuweisung in „Die Spezialisten“, „Die Überflieger“, „Die Rechtskundigen“, „Die Lehrmeister“, „Die weibliche Variante“ und „Die Abgehängten“ verrät einiges über den ausgeprägten Hintersinn des Autors. Wohl deshalb findet der Leser so unterschiedliche Persönlichkeiten wie den Erstüberflieger des Pamir-Gebirges, Carl August von Gablenz, den Widerstandskämpfer des Kreisauer, Kreises Helmuth James von Moltke, und die weltberühmte Hochseilartistenfamilie Traber in der Gruppe der „Überflieger“ wieder. Von anderen, wie der erfolgreichsten deutschen Olympionikin, der Rennkanutin Birgit Fischer, weiß vielleicht nicht jeder, dass auch sie in den 1990er Jahren im Kleinmachnower Kuckuckswald wohnte.

Kretzschmar ist ein gründlicher Spurensucher und so hat er in der Gruppe der „Abgehängten“ auch an Sonderlinge wie den ehemaligen Kunstzirkelleiter des GRW-Teltow, Karl Erich Koch, erinnert. Dieser Künstler verstand sich selbst als Erfinder des „Ovalismus“ und malte ausschließlich ovale Bilder. Vergeblich bemühte er sich jahrelang um die Aufnahme in den DDR-Künstlerverband.

Kretzschmar hat alle im Buch behandelten Persönlichkeiten nicht nur zeichnend mit viel Respekt behandelt. Er beschreibt sie allesamt wie Familienmitglieder und so verwundert es nicht, dass er am Schluss auch seinen Großvater Eugen Conrad als „Zugabe“ ins Spiel bringt. Der war Porzellanfabrikant und erster Bewohner der einstigen Fabrikanten-Villa an der Potsdamer Straße. Sie gehört jetzt dem Dresdner Rocco Weyers (44), der seit 2010 in Teltow lebt. Conrad brachte die Porzellanherstellung in die aufblühende Berliner Randgemeinde. Er zog enttäuscht in seine Heimatstadt Dresden zurück, als die Conrad Schomburg & Co GmbH von der Geschirrproduktion auf die lukrativere Herstellung von Porzellankörpern für die Industrie umgestellt wurde.

Villa – früher und heute

Die Fabrikanten-Villa in der Potsdamer Straße in Teltow wurde 1903 gebaut. 1904 zog Harald Kretzschmars Großvater, Eugen Conrad, als erster Besitzer ein.

Nachdem Conrad 1908 die Firma verließ und aus der Villa ausgezogen ist, wohnten die jeweiligen Betriebsdirektoren der Porzellanfabrik Teltow GmbH (Ab 1929 Dralowid-Werk) darin.

1945 beschlagnahmte das NKWD die Villa und der sowjetische Geheimdienst nutzte das Gebäude. Die Firma wurde von der Roten Armee besetzt und demontiert.

Während der DDR-Zeit befand sich in der Villa eine Betriebspoliklinik.

Seit Ende 2013 hat das denkmalgeschützte Haus einen neuen Eigentümer. Rocco Weyers, der seit 2010 in Teltow wohnt, war die unsanierte Villa aufgefallen. Sein Kauf-Interesse deckte sich just mit dem Moment der Auflösung des Notarvertrages des Vorgängerbesitzers, der auf dem Grundstück ein Gesundheitszentrum errichten wollte (MAZ berichtete).

Die Villa mit mehr als 500 Quadratmetern wird saniert. Das Dach ist bereits erneuert, die Fenster wurden gewechselt, die Gebäudehülle wird gesichert. Souterrain und Keller werden 2016 trocken gelegt, wie Rocco Weyers der MAZ sagte. Er will das Haus selbst betreiben und es den Bürgern zugänglich machen. Die künftige Nutzung ist aber noch nicht entschieden; vorstellbar seien eine Betriebskita und ein Café.

Weyers stammt aus Dresden und ist Geschäftsführer der G.W.P. AG Manufacturing Services, die seit 2014 in Teltow, unweit der Villa, ihren Sitz hat.

Besonders bemerkenswert: Im Treppenhaus befindet sich ein großes Majolika-Keramik-Kachel-Wandbild mit einer Darstellung des Berliner Stadtschlosses von Paul Heydel.

In
fo: Buchvorstellung, 25. Februar, 19.30 Uhr, Bürgersaal, Rathaus Kleinmachnow, A.-Grimme-Ring 10

Von Lothar Krone

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Studium & Wissenschaft

"Herr Professorin": Sind weibliche Berufsbezeichnungen auch für Männer sinnvoll?

MAZ Sportbuzzer
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg