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Studenten entwickeln Stresstest-App

Moderne Medizintechnik Studenten entwickeln Stresstest-App

Fünf HPI-Studierende haben ein System entwickelt, das ausgewertete Daten einer EKG-Messung für iPhones und Tablets übersetzt. Mit dem neuen Format könnten Apotheker künftig ein Produkt anbieten, das Kunden anhand der Herzschlagfrequenzen individuell das Risiko von Krankheiten wie Burnout oder Depression berechnet.

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Thomas Goerttler (l) und Dennis Hempfing präsentierten beim Bachelor-Podium ihre neue App.

Quelle: Rüdiger Braun

Potsdam. Angenommen, jemand ist immer erschöpft und schläft auch noch schlecht. Im Moment müssten man mit diesem Problem zum Arzt gehen. Aber vielleicht kommt bald ein Stress-Test auf den Markt, der das Risiko für Burnout, Depression oder Überarbeitung zuverlässig einschätzt und den Apotheker machen können. Wenn es so kommt, ist es auch das Verdienst von fünf Studenten des Hasso-Plattner-Instituts (HPI). Thomas Goerttler, Karl Wolf, Dennis Hempfing, Paul Wille und Sebastian Koall haben Ihre Stress App am Montag als ihre Abschluss-Arbeit auf dem jährlichen HPI-Bachelor-Podium vorgestellt.

„Es wurde festgestellt, dass Menschen, die unter solchen Krankheiten leiden, bestimmte Muster von Herzrhythmen aufweisen“, erklärt Thomas Goerttler der MAZ. Spezialisiert auf die Analyse solcher Herzrhythmen sei zum Beispiel die Schweizer Firma „Xotox Tools“, für die die Studierenden ihre App entwickelten. „Xotox Tools“ nutzt spezielle von der Teltower Firma Getemed produzierte EKG-Messgeräte, die einem Kunden 24 Stunden lang angelegt werden. „Das Prinzip ist nicht neu“, sagt Goerttler. Schon seit langem machen Krankenhäuser Langzeit-EKGs mit ähnlichen Geräten. Neu ist aber der von der Firma entwickelte Algorithmus, der die so gemessenen Herzdaten auswertet. Dabei benutzt er vor allem zwei Faktoren: die Herzschlagfrequenz und die Flexibilität des Herzens bei den Pausen zwischen einzelnen Herzschlägen, die sogenannte Herzfrequenzvariabilität.

Soziale Netzwerke und Medizin-Apps

14 studentische Gruppen stellten am Montag im Hörsaal des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) ihre praktischen Abschlussarbeiten vor. Das Bachelor-Podium ist ein klassisches Format des Instituts. Es belegt nicht nur die Kompetenz der jungen Programmierer, sie sollen auch lernen, sich professionell und überzeugend in einem vorgegebenen Zeitrahmen Produkte zu präsentieren.

Von der Auswertung sozialer Medien über eine App zur Bekämpfung von Epidemien bis zur schnellen Analyse großer Datenbestände in der Medizin reichen die Projekte, die gestern präsentiert wurden. Die Studenten arbeiten dabei für bedeutende Partner. Dazu zählen zum Beispiel das Robert-Koch-Institut in Berlin oder die SAP in Walldorf.

Innovative Prototypen sind bei diesen Veranstaltungen keine Seltenheit. Einer Gruppe gelang es zum Beispiel die langen Wartezeiten beim 3D-Druck durch ein spezielles Programm zu verzehnfachen. Große Teile werden als standardisiere Einzelbaustücke angeboten. Nur die funktionsrelevanten Teile eines Geräts werden noch von dem 3D-Drucker erledigt. Das könnte zur Revolution der Fertigung führen.

 

„Allgemein gilt: wenn es eine hohe Herfrequenzvariabilität gibt, dann spricht das eher für ein gesundes Herz“, so Goerttler. Genau auf solche Muster achte der von „Xotox Tools“ entwickelte Algorithmus. Mit dem medizinischen Hintergrund haben die fünf Studenten aber gar nicht so viel zu tun. Ihre Aufgabe war es, die so gewonnenen Daten für iPhones oder Tablets zu übersetzen.

„Das Schwierigste für mich war die andere Programmiersprache der Algorithmen“, sagt Goettler. Die Daten, die der Algorithmus der Firma hervorbringe, hätten zum Beispiel andere Bit-Größen als das Apple-Betriebssystem IOS. Sehr schwer sei es auch gewesen, die Daten für eine Anwendung von dem EKG-Rekorder zu ziehen. Doch alle Probleme meisterten die fünf Studenten innerhalb von drei Monaten. Dank ihrer App könnten Apotheker künftig auf ihren Tablets nicht nur drei ziemlich aussagekräftige Grafiken der EKG-Messungen ablesen, die App zeigt auch für die Störungen Burnout, Depression, chronische Übermüdung, Übertraining und posttraumatische Störung das jeweilige Gefährdungsrisiko an. Die Anzeige reicht von grün für „ungefährdet“ über gelb für „gefährdet“ bis rot für „stark gefährdet“. Letzteres würde für den Kunden bedeuten, dass ein Arztbesuch unbedingt angeraten ist – so wie ein positiver Schwangerschaftstest einer Frau anzeigt, besser die Gynäkologin oder den Gynäkologen aufzusuchen.

„Die Entwicklung hat sehr viel Spaß gemacht“, sagt der beteiligte Dennis Hempfing. „Es war einfach interessant, das erste Mal an einem großen Projekt zusammenzuarbeiten, das auch einen Nutzen hat und vielen Leuten helfen kann.“

Mit ihrer Arbeit haben sich die fünf Studenten jedenfalls als fähige Software-Ingenieure bewiesen. Manche, wie Hempfing wollen jetzt den Master am HPI machen, andere steigen gleich in den Job ein, wieder andere studieren anderswo weiter, wie etwa Thomas Goerttler. Er möchte jetzt Statistik studieren. „Ich habe gelernt, wie man eine Menge Daten gewinnt“, sagt er. „Jetzt möchte ich erfahren, was man mit diesen Daten alles anfangen kann.“

Von Rüdiger Braun

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